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Aus der Not eine Tugend gemacht

Seit Dezember ist im Café Auszeit der Mittagstisch um die Lieferung ergänzt. Ein Freiwilliger aus einer ganz anderen Branche macht’s möglich.

Für die Fahrten nutzt Toni Züchner das Auto der KulturFabrik. Die Speisen werden isoliert in Boxen und sicher im Kofferraum verstaut.
Für die Fahrten nutzt Toni Züchner das Auto der KulturFabrik. Die Speisen werden isoliert in Boxen und sicher im Kofferraum verstaut. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. ‚Wie viel Cordon Bleu brauchst du?‘, ruft es aus der Küche. Toni Züchner geht die Bons durch und vermeldet, dass es zehn Gerichte sind. Koch Ingo Lemmer bereitet seit einigen Stunden den Mittagstisch im Café Auszeit im Bürgerzentrum Braugasse vor. Von Dienstag bis Donnerstag werden täglich frische Mahlzeiten zubereitet, die abgeholt oder auf Wunsch auch geliefert werden können. Von 11 bis 13 Uhr ist das Café zu diesem Zweck geöffnet. Es wird gut angenommen.

Zwei tagesaktuelle Gerichte und „Dauerbrenner“, wie Salat und Suppe bieten eine Auswahl aus vegetarischen und Fleischgerichten. Vor Ort zu essen war zuletzt im Oktober möglich. Darauf folgte eine Schließzeit im November. „Mir war einfach langweilig und für mich ist es nun eine sinnvolle Beschäftigung“, verrät Ingo Lemmer seine Motivation und Lust wieder in der Küche zu stehen. Er trat damit an die Geschäftsführung der KulturFabrik heran und darf nun seit Anfang Dezember wieder kochen.

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Seitdem ist auch Toni Züchner mit von der Partie. Er ist aktuell in Kurzarbeit und hat ebenfalls nach einer Beschäftigung gesucht und seine Zeit angeboten. Nun fährt er die Lieferungen hauptsächlich im Stadtgebiet und den Ortsteilen aus. „Das ist meine Arbeit, die ich für den Verein leiste“, so das Mitglied des KulturFabrik Hoyerswerda e. V. Manchmal springt Trinkgeld für einen Kaffee nach getaner Arbeit heraus, aber es ist ein Ehrenamt, und er ist heilfroh darüber, wenigstens an diesen Tagen für einige Stunden einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Für gewöhnlich leitet der Hoyerswerdaer in unmittelbarer Nähe zum Bürgerzentrum das Kino, aber dort ist er zur Zeit nur für eine Stunde pro Woche eingesetzt.

Ganz neu ist das Ausliefern für Toni Züchner nicht, erzählt er. Noch während der Schulzeit war er mal für einen Pizzalieferdienst tätig. Und so werden nun täglich etwa acht bis 20 Portionen ausgefahren, schätzt Toni Züchner. Überwiegend fährt er Unternehmen an. Seltener sind es Privatpersonen, die diesen Service in Anspruch nehmen. „Essengehen ist gerade schwierig. Da lassen es sich viele gerne liefern.“

Für Ingo Lemmer bedeutet das Ganze auch die Möglichkeit, neue Gerichte auszuprobieren und, so die Hoffnung, Gäste über den Lockdown hinaus zu binden. „Ich möchte etwas anbieten und Kunden halten.“ Eine Stempelkarte bietet nach zehn Mahlzeiten das elfte Gericht gratis an. Bis neun Uhr nimmt Ingo Lemmer am Morgen für den jeweiligen Tag Bestellungen entgegen. Ab etwa zehn Uhr ist Toni Züchner mit vor Ort und kann bei Bedarf noch Besorgungen erledigen oder bei Laufkundschaft am Tresen aushelfen. Gegen 11.15 Uhr startet er zu seiner Tour, um auszuliefern, was zwischen 11.30 und 12 Uhr ankommen soll – die heiße Phase. Danach findet er sich wieder im Bürgerzentrum ein, um bei Bedarf eine zweite Runde zu fahren, damit bis etwa halb eins alle Essen heiß angekommen sind. Es bestellt kaum jemand für eine spätere Uhrzeit, hat die Erfahrung gezeigt.

Auch, wenn durch die Maßnahmen, Abstand und die knappe Zeit meist keine große Interaktion zustande kommt, so ist Toni Züchner doch froh, „ein paar Leute sehen zu können.“ Er ist „sehr dankbar“, das weitermachen zu dürfen. Bei allem, was die Küche selbst betrifft, hält er sich raus. Aber zum Verkosten kommt er gerne.

Die aktuelle Speisekarte findet sich online unter kufa-hoyerswerda.de/gastronomie.

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