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Hoyerswerda

Auto- und Motorradträume aus dem Osten

Altes MZ-Motorrad ist Attraktion im Calauer Fahrzeugmuseum – über 200 mobile Schätze

Museumsführer Rainer Schmatloch in der Calauer „Mobilen Welt des Ostens“ mit seiner BK 350 aus dem Motorradwerk Zschopau (MZ). Dahinter, in Ferrari-Rot, der wohl schönste Wagen, der in der DDR je gebaut worden ist: das Wartburg-Sport-Coupe 313/1; no
Museumsführer Rainer Schmatloch in der Calauer „Mobilen Welt des Ostens“ mit seiner BK 350 aus dem Motorradwerk Zschopau (MZ). Dahinter, in Ferrari-Rot, der wohl schönste Wagen, der in der DDR je gebaut worden ist: das Wartburg-Sport-Coupe 313/1; no © Foto: Jan Hornhauer

Von Beowulf Kayser

Calau. Eine BK 350 aus dem sächsischen Motorradwerk Zschopau war vor knapp 70 Jahren der Traum aller Jugendlichen. Jetzt steht eine der von 1952 bis 1959 produzierten Maschinen mit einem Zweitakt-Boxermotor, 350 ccm Hubraum und 17 PS im Fahrzeugmuseum „Mobile Welt des Ostens“ in Calau. Die Rarität, die mit ihren MZ-Geschwistern aktuelle Liebhaberpreise zwischen 4.500 und 7.500 Euro erzielt, hat Museumsführer Rainer Schmatloch durch Zufall in Weißwasser entdeckt.

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Mühselige Kleinarbeit

„Das gute Stück hat einem ehemaligen NVA-Offizier gehört, der vor längerer Zeit gestorben ist“, erzählt der 84-jährige Maschinenbau- und Oldtimer-Spezialist. Die BK 350 mit einem Stand von 10.000 Kilometern hat er damals für 100 DDR-Mark von den Verwandten in der Glasmacherstadt gekauft. Ebenfalls 100 Mark musste er noch für den Fahrzeugbrief „hinblättern“. In mühseliger Kleinarbeit hat Schmatloch das auch im Ausland sehr gefragte Zweirad wieder aufgefrischt.

Stalin, Pieck und Castro

Wie für die alte MZ hat der Calauer bei seinen Führungen auch noch für weitere mobile Raritäten des 2006 von einem Heimatverein gegründeten Museums eine spannende Geschichte parat. So für ein graues Cabrio des sowjetischen Herstellers „Sawod imeni Stalina“ (SIS). Mit dem offenen „SIS-110“ fuhr der Verteidigungsminister von 1947 bis 1953 an der Spitze der großen Militärparade über den Roten Platz in Moskau und hat an Stalin gemeldet. Der Fahrzeugtyp wurde auch als gepanzerte Staatskarosse und Oberklassen-Limousine mit sieben Sitzplätzen, einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h und einem Benzinverbrauch von 23 l/100 km unter anderen für Stalin, Wilhelm Pieck und den Kubaner Fidel Castro gebaut. Auch Walter Ulbrichts Krankenwagen mit dem Fahrgestell eines sowjetischen Tschaika, eine riesige Staatslimousine vom Typ GAZ-14, ein „Tatra 600“ und ein vom Trecker wieder zurückverwandelter Opel von 1927 stehen in der „Mobilen Welt des Ostens“.

Behelfs- und andere Automobile

Dazu kommen auch noch eine OHV-Viertakt-Jawa (Spitze von 150 km/h), ein Behelfsauto „Velorex“ mit Planen statt Karosserieverkleidungen und ein F-8-Pkw mit Originallack sowie ein Trabant 600 Camping, eine Jawa mit Beiwagen und diverse Motorräder der Marken ETS 150 und 250.

Über 200 historische Fahrzeuge vom Fahrrad bis zum Personenwagen sind zu sehen, die von 1945 bis 1989 auf ostdeutschen Straßen und in den damaligen „Bruderländern“ unterwegs waren. Mehr als 6.000 Besucher kommen jedes Jahr in das Oldtimer-Museum in der Straße der Freundschaft 28 in Calau.

Geschlossen– aber Hoffnung

Corona-halber ist die Einrichtung momentan geschlossen. Rainer Schmatloch hofft, Mitte/Ende Januar 2021 wieder eröffnen zu können. Besucher in spe sollten sich vor ihrer Zeitreise in die Calauer „Mobile Welt des Ostens“ jedoch telefonisch (Tel. 03541 871555) informieren und / oder anmelden – oder auf die Internetseite der Calauer schauen.www.mobileweltdesostens.de

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