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Betrugsversuch mit Google-Play-Karten verhindert

Die Betrüger gehen leer aus, doch eine Familie hat jetzt ein Guthaben, mit dem sie nichts anfangen kann.

© Symbolfoto: www.pixabay.com

Lohsa. Im Polizeibericht steht immer mal wieder was von Telefonbetrug. Kann mir und meinen Verwandten nicht passieren? Doch, das klappt leider immer wieder. Eine Frau aus Lohsa wandte sich an Tageblatt, weil genau das ihrem Vater passiert ist und sie mitbekam, wie clever und unverfroren zugleich die Betrüger vorgehen. Nennen wir ihn für diese Geschichte Max Müller.

Einen Freitag Anfang Januar erhielt der Mittsechziger einen Anruf und die freudige Nachricht, dass er 28.500 Euro gewonnen habe. Eine real existierende Sicherheitsfirma werde ihm das Geld vorbeibringen. Für den Transport und die Kosten der begleitenden Notarin wären 1.000 Euro fällig. Der Lohsaer müsse nur im Laden um die Ecke „Google-Play Cards“ im Wert von 1.000 Euro erwerben, den Code freirubbeln und telefonisch durchgeben. Der Anrufer prüfe so die Identität der Karte, dann erfolge die Übergabe des Gewinns. Was solle schon passieren, er, der Gewinner, habe doch die Karten. Da könne nichts schiefgehen.

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Zwei Karten zu je 500 Euro

Von all dem erzählte Max Müller niemandem. Hier und da nimmt er mal an einem Gewinnspiel oder einer Lotterie teil. Es wäre doch schön, wenn es mal irgendwo klappen würde. Und in der Familie wird doch eh gerade Geld gebraucht. Also begibt er sich in den örtlichen Netto-Markt, kauft für 1.000 Euro die beiden Karten und wartet auf den nächsten Anruf. So schildert es seine Tochter, die zufälligerweise dazu kommt, als der Vater am Telefon sitzt und vor ihm zwei Google-Play-Karten a 500 Euro. Bei einer war der Code schon freigerubbelt, bei der anderen war der Vater gerade dabei. Sie fragte ihn, was er da tue. Das gehe sie nichts an. Irgendwann hat die Tochter das Telefon in der Hand. Am anderen Ende ein Mann, der perfekt Deutsch spricht, aber mit Akzent. Sie fragt, was das soll. Der Mann, der sich Julian Fischer nennt, lässt sich nicht beirren, erzählt von dem Gewinn und dem erforderlichen Prozedere. Er beschimpft auch schon mal die Tochter, dass sie die Klappe halten und doch wieder den Vater geben solle. „Der war so profiliert, dass ich zwischendurch schonmal dachte, ob nicht vielleicht doch was dran ist an dem Gewinn“, schildert die Frau. Aber letztlich bleibt sie misstrauisch. Die Gegenseite beendet das Gespräch mehrmals und ruft wieder an, selbstverständlich mit unterdrückter Nummer. Auf Nachfrage nennt er den Namen der Notarin, die mitkäme: „Verena Schmidt, das können Sie googeln“.

Die Tochter informiert die Polizei, die auch mit dem Vater spricht und ihm ebenfalls erklärt, dass da Betrüger am Werk sind. Beim nächsten Telefonat ist am anderen Ende nicht Julian Fischer, sondern ein anderer Mann. Ebenfalls perfektes Deutsch mit Akzent. An einem anderen Telefon hat die Tochter parallel die Polizei dran, wie sie schildert, stellt beide auf laut. Die Tochter verbittet sich weitere Anrufe. Die Betrüger bleiben cool und frech zugleich. Es gibt weitere Anrufe, Müllers rücken die Google-Play-Codes nicht raus. Schließlich wird ihnen sogar eine Storno-Rechnung angedroht. Letztlich passiert nichts und mittlerweile hat der Spuk ein Ende. Auch Max Müller geht nun davon aus, dass das alles ein Schwindel war. Die Tochter denkt, dass er es aber erst so richtig glaubte, als sie den Code der freigerubbelten Play-Karte einsetzte und die 500 Euro anschließend auf ihrem Google-Play-Konto waren und der Vater die Play-Karten trotzdem physisch in seinen Händen hielt. Ab diesem Moment ist ja die Karte, auf der der Code steht, wertlos. Klein gedruckt gibt es auf den Karten sogar einen entsprechenden Warnhinweis.

Müllers haben jetzt ein ganz anderes Problem. Google überweist das Geld nicht zurück, man muss es schon bei Google Play ausgeben. Doch in Deutschland bekommt man dafür nur Apps, Filme und Hörbücher. Das Geld der einen Karte ist aufs Google-Konto transferiert, die andere schon freigerubbelt, aber noch nicht eingelöst. Also haben Müllers das Geld zwar nicht an die Betrüger verloren, können aber dennoch jetzt so gut wie nichts damit anfangen.

Bei Müllers hängt der Familienfrieden wieder gerade. Die Kinder denken aber, dass der Vater ihnen nichts davon erzählt hätte, wenn er die Codes durchgegeben und dann doch keinen Gewinn bekommen hätte. Wäre der Betrug wegen der Peinlichkeit also nicht ans Tageslicht gekommen? Gut denkbar. Die Müller-Kinder wissen, dass ja mittlerweile Bankangestellte und auch mancher Taxi-Fahrer misstrauisch wird, wenn ältere Herrschaften große Summen vom Konto abheben. Mit viel Fingerspitzengefühl wird dann auf die Möglichkeit des Enkeltrickbetrugs hingewiesen. Müllers wünschten sich, dass auch die Mitarbeiter an den Supermarkt-Kassen dafür sensibilisiert werden, wenn Senioren Geschenkkarten in einem solchen Wert erwerben wollen und sie dann vor möglichem Betrug warnen. Wie sagt die Tochter: „Es kann jeden treffen, sogar in Lohsa.“

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