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Bin ich bei Hochwasser gefährdet?

Interaktive Karten und viertelstündliche Pegelmeldungen sind für jeden einsehbar.

Im sehr nassen Jahr 2010 stieg das Wasser in der Schwarzen Elster im September sehr hoch, wie hier an der Görlitzer Brücke. Drei starke Hochwasser passierten die Stadt allein in jenem Jahr.
Im sehr nassen Jahr 2010 stieg das Wasser in der Schwarzen Elster im September sehr hoch, wie hier an der Görlitzer Brücke. Drei starke Hochwasser passierten die Stadt allein in jenem Jahr. © Archivfoto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Bilder von Leid und Zerstörung, die Wassermassen binnen Stunden oder manchmal gar nur Minuten anrichten können – sie sorgen für Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Sie sorgen dafür, dass sich Immobilienbesitzer auch in aktuell trockenen Gebieten mal wieder mit ihren Versicherungspolicen beschäftigen. Doch es tauchten bei TAGEBLATT auch Fragen auf, wo man sich denn über mögliche Überflutungsgebiete informieren könne und wo man bei Starkregen verlässliche Angaben zu den zu erwartenden Wassermassen herbekommt. Beides ist im Internet fachlich fundiert zu bekommen.

Ist meine Immobilie von Hochwassern bedroht?

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Wer direkt an einem großen Strom wohnt, der kennt das Risiko. Althochwasser mit ihren Wasserständen sind meist dokumentiert. In der Fläche sieht das schon anders aus. Auf der Internetseite des Freistaates Sachsen findet man zum Thema interaktive Karten. In der Hochwasserkarte findet man Einstellmöglichkeiten für Hochwasser, wie sie statistisch alle 20/25 Jahre, alle 50 oder 100 oder 200/300 Jahre vorkommen. Sie sind nicht mit konkreten Wassermengen oder Pegelständen untersetzt, dafür aber mit den zu erwartenden Wasserständen in den betreffenden Gebieten. Schaut man sich das für Hoyerswerda an, bleibt das meiste hellblau, was Überflutungen von maximal 50 Zentimeter bedeutet, je nach Lage könnten es aber auch bis zu zwei Meter und in flächigen Tieflagen außerhalb bebauter Gebiet noch höhere Wasserstände werden. Die interaktiven Karten funktionieren bequem bis zu einem Maßstab von 1:1.000, wo man die exakte Bebauung samt Hausnummern sieht. Und die Karten sind so aktuell, dass auch schon das Wohngebiet der Paul-Ehrlich-Straße eingezeichnet ist. Je nach Hochwasserlage sieht man die mögliche Gefährdung, was insbesondere für nur bedingt vor Hochwassern geschützten Ortslagen wie Groß Neida wichtig ist. Man sieht gar, wo als erstes die B 97 im Bereich Kamenzer Bogen überflutet wird und wie hoch das Wasser am Festplatz am Gondelteich steigt. Für die Kernstadt Hoyerswerda gilt aber, dass die Deiche diesen Wassermassen trotzen. Der Zulauf zum Elsterfließ in der Altstadt dürfte dann geschlossen sein oder nur so viel Wasser durchlassen, dass kaum Gefahr droht. Was die Karte aber nicht darstellt und jeder Immobilienbesitzer individuell bewerten muss, das sind lokale Überflutungsmöglichkeiten nach Starkregen. Die Karten zeigen nur an, was mit dem Wasser geschieht, das die Flüsse herantransportieren, nicht aber, was beispielsweise vom Adlerberg in Neida/Dörgenhausen oder vom Petzer- und Kubitzberg in Schwarzkollm herabströmen kann. Selbst bei Extremhochwasser sind Altstadt und die meisten Gebiete der Neustadt demnach hochwassersicher. Vom Gondelteich schwappt das Wasser dann zwar, wenn man es nicht daran hindert, über die Südstraße zur Schweitzerstraße oder bis zum Foucault-Gymnasium. Dann ist Groß Neida aber schon längst überflutet und ein Teil von Dörgenhausen auch.

Wer wissen will, was passiert, wenn noch mehr Wasser kommt oder die Dämme versagen, der muss die Überschwemmungskarte anklicken. Hier geht es nur bis zu einem Maßstab von 1: 13.500, also nicht wirklich grundstücksgenau. Aber man bekommt einen recht guten Eindruck von der Bedrohungslage. In diesem Fall wären weite Teile der Neustadt und der Altstadt überflutet - viele Flächen mit maximal 50 Zentimeter, der Rest bis zu einen Meter. Was in diesem Fall aber in dem flächigen Überschwemmungsgebiet fehlen wird, das ist die Strömungsgeschwindigkeit, wie man es von den rasant anschwellenden Gebirgsbächen bzw. -flüssen kennt.

https://www.wasser.sachsen.de/

Wo erfahre ich, welche Wassermassen anströmen?

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Hochwasserschutz ist im deutschen föderalen System Ländersache und in weiten Teilen Sache der Landkreise, was auch den Katastrophenschutz anbelangt. So gibt es auch im Bereich Hoyerswerda nach wie vor ein Sirenensystem, das auch jeden Mittwoch 15 Uhr getestet wird. Allerdings ist es nicht komplett flächendeckend. Vor Starkregen und Gewittern warnt der Deutsche Wetterdienst. Wer eine der Warnapps auf seinem Smartphone installiert hat, hat eine weitere Informationsquelle. Vor plötzlichen lokal begrenzten Überschwemmungen infolge von Starkregen ist niemand gefeit. Doch was an Wassermassen aus den Flüssen in die Region kommen kann, da hat das Hoyerswerdaer Land stets einige Stunden Vorlauf im Vergleich zum Oberland. Hier hat man etwas Vorbereitungszeit. Wer in Groß Särchen wohnt, der sollte den Pegel in Zescha am Hoyerswerdaer Schwarzwasser im Blick haben. Trotz des Umfluters kommt es auch in Särchen immer wieder zu gefährlichen Momente. Die gefährdetsten Stellen sind bekannt und hier wird man zuverlässig schnell aktiv, um Sachwerte zu schützen. Kurz vor Hoyerswerda vereinen sich Schwarzwasser und Schwarze Elster, in die zuvor auch noch das Klosterwasser geflossen ist. Auch hier gibt es Pegel, die viertelstündlich automatisch melden. Das Landeshochwasserzentrum zeigt auf seiner Internetseite Wasserstände und Durchflussmengen sowie die Prognose für die nächsten 48 Stunden. So bleibt Zeit zum Handeln.

https://www.umwelt.sachsen.de/

Auf der interaktiven Überschwemmungskarte kann man sich auch anzeigen lassen, welche Gebiete in Hoyerswerda in etwa überschwemmt werden, wenn bei Extremhochwasser die Deiche versagen.
Auf der interaktiven Überschwemmungskarte kann man sich auch anzeigen lassen, welche Gebiete in Hoyerswerda in etwa überschwemmt werden, wenn bei Extremhochwasser die Deiche versagen. © Foto: Uwe Schulz

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