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Corona: So läuft es jetzt beim Rehasport

Freizeitsport ist derzeit verboten, Bewegung auf Rezept jedoch erlaubt. Das bedeuten die Regelungen in Hoyerswerda.

Auch wenn zur Zeit keine Kurse stattfinden, so ist die Geschäftsstelle doch wie gewohnt besetzt. „Jetzt muss man noch kreativer werden“, sagt Anke Stefaniak von der FSG Medizin.
Auch wenn zur Zeit keine Kurse stattfinden, so ist die Geschäftsstelle doch wie gewohnt besetzt. „Jetzt muss man noch kreativer werden“, sagt Anke Stefaniak von der FSG Medizin. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Während Freizeitsport im Augenblick untersagt ist, sieht es bei ärztlich verordnetem Sport anders aus. Training auf Rezept bleibt im Teil-Lockdown in den nächsten Wochen erlaubt. Eine etwas umstrittene Formulierung in der sächsischen Corona-Schutzverordnung sorgte vorübergehend für Verwirrung bei einigen Rehasport-Anbietern. 

Auf der Internetseite des Freistaates zum Coronavirus wird darüber informiert, was unter medizinisch notwendigen Behandlungen zu verstehen – und somit erlaubt – ist: „Dabei handelt es sich um Dienstleistungen, die aus medizinischen Gründen erforderlich sind. Sie sind erforderlich, wenn eine ärztliche Verordnung ausgestellt wurde (Rezept). Darüber hinaus sind alle Behandlungen aus medizinischen Gründen erforderlich, bei denen anderenfalls eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder eine Verzögerung von Heilungsprozessen eintreten würde.“

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Auch der Sächsische Behinderten- und Rehabilitationsverband informierte seine Mitglieder noch einmal konkret zum Thema, weil es viele Nachfragen gab. Der Verordnung ist zu entnehmen, dass der ärztlich verordnete Rehabilitationssport in zertifizierten Gruppen in Sachsen nach der Verordnung vom 30. Oktober weiterhin erlaubt ist. Wie bislang in weiteren acht Bundesländern. Doch die Situation bzw. Umsetzung in der Stadt Hoyerswerda gestaltet sich etwas komplizierter.

Was ist Rehasport überhauptund wer darf ihn anbieten?

Um Rehasport anbieten zu können, müssen gewisse Grundlagen vorhanden sein: Das sind zum einen formale Voraussetzungen, zum anderen eine strategische Zielsetzung. Grundlage ist ebenso ein Sportverein, der Mitglied in einem Behindertensportverband ist. Denn ein bundesweit einheitliches Anerkennungsverfahren gibt es nur für Sportvereine, die Mitglied in einem Landesverband des Deutschen Behindertensportverbandes sind. Die Freizeitsportgemeinschaft Medizin Hoyerswerda e.V. (FSG Medizin) ist im Sächsischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (SBV) organisiert. Die Hoy-Reha hingegen ist Mitglied im Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein e.V. (BPRSV e.V.), was historisch so gewachsen ist und maßgeblich durch den früheren Geschäftsführer Lothar Klemp gestaltet wurde. Auf Nachfrage ist zu erfahren, dass ein Wechsel nicht in Erwägung gezogen wird. „Wir fühlen uns gut durch den Verband betreut“, heißt es.

Weiterhin sind auch geeignete Räume eine Voraussetzung für die Durchführung von Reha-Sport. Darunter zählen zum Beispiel ein Gymnastikraum oder ein Therapiebecken, wo pro Teilnehmer fünf Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen.

Wieso gab es anfangsUnsicherheiten?

Die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung sieht die Schließung von Fitnessstudios und ähnlichen Einrichtungen vor, „soweit sie nicht medizinisch notwendiger Behandlungen dienen.“ Der eingangs genannte Nachtrag, folgte erst ein paar Tage später.

Anke Stefaniak, Vereinsvorsitzende der FSG Medizin sieht das, mit Blick auf ihr Klientel, kritisch, wenn bei älteren Menschen die regelmäßige Bewegung wegfällt. Sie können „einrosten“ und möglicherweise langfristig ihre Eigenständigkeit einbüßen, so ihre Einschätzung und Befürchtung. Und speziell den Rehasport kann der Verein aktuell noch nicht anbieten, was eben so weitreichende Folgen haben kann.

Der Geschäftsführer des Sport- und Freizeitzentrums Tomogara in Kamenz, Jan Geppert telefonierte sich die Finger wund. Seit letzter Woche bietet das Zentrum wieder Rehasport in kleineren Gruppen an. „Der Rehasport sei ein bisschen eine Grauzone, da er nicht direkt zur Heilmittelerbringung zählt“, so Geppert. Die sächsische Regierung habe wahrscheinlich die Notwendigkeit der Fortführung eines solchen Trainings gesehen. In anderen Bundesländern wie Bayern, Berlin oder Bremen ist dies bislang nicht so.

Wer profitiert vonder Sonderregelung?

Von der Sonderregelung profitieren alle die, die mit einem vom Arzt verordneten Rezept an Rehasport-Maßnahmen teilnehmen möchten. Die FSG Medizin hat in diesem Bereich normalerweise über 300 Teilnehmer wöchentlich.

Die Hoy-Reha hingegen hält sich an die Vorgaben des BPRSV, der auf seiner Website auf die Empfehlung des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) verweist, „den ärztlich verordneten Rehabilitationssport zunächst für den Monat November einzustellen“. Es wird weiterhin auf die Notwendigkeit der Kontaktreduzierung hingewiesen. DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher sagt dazu, dass „auch der Sport seinen gesamtgesellschaftlichen Beitrag leisten muss.“ Dem DBS ist es wichtig, ein deutliches Signal zu senden.

Dem gegenüber steht der SBV, der die Entscheidung begrüßt, aber auch die Risiken sieht: „Auf der einen Seite ist es positiv, dass ein Teil der Vereine nun die Möglichkeit hat, weiter tätig zu sein. Damit können negative Folgen für Menschen, die durch den Rehasport ihre Gesundheit aufrechterhalten und stärken, aufgefangen werden. Auf der anderen Seite sieht der SBV die Risiken im Hinblick auf den Infektionsschutz, trotz der bestehenden und gut umgesetzten Hygienekonzepte“, heißt es auf der Homepage.

Vergangene Woche hat auch der Sportclub Hoyerswerda e.V. (SC) seine Tätigkeit im Rehasport wieder aufgenommen. Hier besteht die Möglichkeit, in den eigenen Räumlichkeiten zu trainieren, was einen schlagenden Vorteil bedeutet. Es wird in einer Mitteilung nochmals erläutert, dass „die Teilnahme über eine Mitgliedschaft im Verein“ nicht ausreicht. Weiterhin ausgenommen von der Regelung sind die Herz-, Diabetes- und Lungensportgruppen, denn die Teilnehmer zeigen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Welche zusätzlichen Hygienemaßnahmen gibt es?

Die Hoy-Reha informiert darüber, dass sie stattdessen einige andere medizinisch notwendige Leistungen erbringt. Dazu zählen unter anderem die ambulante orthopädische Rehabilitation, die nun in Kleingruppen stattfindet. „Strenge Hygienemaßnahmen, wie Mindestabstände, reduzierte Teilnehmerzahl, regelmäßige Desinfekion und Maskenpflicht“ werden eingehalten, informiert eine Sprecherin. Trotz dieser Handhabe entfallen alle Präventionskurse.

Darf Rehasport überallausgeübt werden?

Nein, der Rehasport im November ist nur in einer eigenen Sportstätte möglich. Diese Maßgabe macht es der FSG Medizin besonders schwer aktiv zu werden. So kann Anke Stefaniak noch nicht sagen, ob und wann der Rehasport weitergeführt werden kann. Das Problem ist die Sportstätte, in die der Verein lediglich eingemietet ist. Der Landkreis Bautzen ist Träger der Schule an der Dillinger-Straße, deren Räumlichkeiten der Verein nutzt. Eine Entscheidung steht noch aus. „Vermutlich sind viele Stellen in die Gespräche involviert“, so Anke Stefaniak. Das Ausweichen auf städtische Hallen ist derzeit nicht möglich, denn öffentliche Sport- und Schwimmhallen müssen im November geschlossen bleiben.

In der Hoy-Reha können aufgrund von Beckengröße und der Größe der Umkleiden die Rehasport-Angebote im Wasser nicht stattfinden. Insgesamt fiel die Entscheidung gegen den Reha-Sport „schweren Herzens“, aber „zahlreiche Akutpatienten werden aktuell im Haus behandelt.“ Und ihnen wurde der Vorrang gewährt, um nach Operationen die Anschlussbehandlung zu ermöglichen. Zuletzt wird angemerkt, dass „eine einheitliche Sprachregelung zwischen den einzelnen Verbänden“ vermisst wird.

Auch Anke Stefaniak sieht die Landesverbände in großer Verantwortung und würde sich mehr Einblick und Transparenz wünschen. Es scheint, als hätte der Sport keine Lobby, bedauert sie.

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