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„Das Haus steht hier für die Region“

Spreetals Bürgermeister Manfred Heine blickt auf das Jahr 2020 zurück und ein wenig auf die nächsten Monate voraus.

Manfred Heine freut sich über das neue Gründer- und Gewerbezentrum Dock³ Lausitz in Schwarze Pumpe.
Manfred Heine freut sich über das neue Gründer- und Gewerbezentrum Dock³ Lausitz in Schwarze Pumpe. © Foto: Mirko Kolodziej

Herr Heine, wie ergeht es den Spreetalern mit der Pandemie?

Ich kann nicht sagen, dass wir um Covid herumgekommen wären. Es ist natürlich ein Thema, das alle beschäftigt. Dadurch, dass es nähergerückt ist, gehen auch alle ein Stück sensibler damit um. Man kann nur hoffen, dass dieser Lockdown das Ganze entspannt.

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Wie geht es Ihrer Bürgerschaft damit?

Jeder weiß, dass die Krankheit, wenn sie Ältere erwischt, in Richtung Tod gehen kann. Das tut weh bis zum Gehtnichtmehr, ist aber leider nicht zu ändern. Denn es gibt ja noch kein Heilmittel. Man kann nur die Vorschriften einhalten, die der Gesetzgeber vorgibt und danach leben. Was ich am meisten mitbekomme, ist, dass der fehlende Kontakt den Menschen zu schaffen macht. Sämtliche Dorffeste sind ausgefallen und kleinere Feierlichkeiten, Geburtstage sind nicht mehr. Das tut schon weh.

Wie haben die Umstände die Arbeit der Gemeindeverwaltung beeinträchtigt?

Das ist schon fast paradox. Denn eigentlich hat Covid die Arbeit erleichtert. Schließlich ist der Publikumsverkehr weggefallen. Damit können die Mitarbeiter intensiv durchweg arbeiten. Der Arbeitsrhythmus ist also leichter geworden. Aber die Schließung der Kitas und der Schulen gehen an jungen Mitarbeitern, wie wir sie haben, nicht spurlos vorbei. Wir hatten jedoch zum Glück keine großen Engpässe.

Immerhin mussten Sie die offizielle Eröffnung ihres Gründer- und Gewerbezentrums Dock³ Lausitz verschieben.

Wir haben sie verschoben, aber im Oktober dann doch durchgeführt. Für uns als Region ist dieses Haus ein Riesen-Gewinn. Wir sind damit unmittelbar in den Strukturwandel hineingestartet. Die Entscheidung der Stadt Spremberg, der Gemeinde Spreetal und unseres Zweckverbandes, uns dieses Haus in weiser Voraussicht zu leisten, war komplett richtig. Wir haben Start-up-Unternehmen und wir haben eine gute Auslastung. Trotzdem kann man sich nicht zurücklehnen, muss ackern und werben, um das Haus als Stätte für die Unternehmerschaft in den Fokus zu rücken. Man war aber auch schon wieder neidisch.

Tatsächlich? Wer denn?

Na, meine Amtskollegen, die hier waren. Man muss aber sagen: Das Haus steht hier nicht für die Gemeinde Spreetal und die Stadt Spremberg oder für den Industriepark, sondern für die Region. Wenn es heißt, alles ginge nach Pumpe, erinnere ich immer daran, dass wir hier mal ziemlich viel Dreck hatten. Da hatte niemand Mitleid mit uns. Und jetzt, wo wir viel Arbeit haben, viel Geld in die Hand nehmen, um den Standort für die Region attraktiver zu machen, schaut man ein bisschen neidisch. Man sollte aber stolz und glücklich sein.

Das Dock³ läuft, die Erweiterung der Papierfabrik von Hamburger Rieger ist fertig und Sie planen die Industriepark-Erweiterung. Sie dürften ja kaum noch Probleme haben, oder?

Probleme hat man täglich. Gerade erst haben wir zum Beispiel darüber gesprochen, wie der Zweckverband sicher zu gestalten ist. Spremberg und Spreetal haben bisher um die 200 bis 250 Millionen Euro in die Infrastruktur des Standortes investiert. Für die Erweiterung kommen sicher 100 bis 150 Millionen hinzu. Das überfordert die Kommunen und einen Zweckverband. Ohne Unterstützung vom Bund und den Ländern können wir es nicht schaffen. Und mit all dem, was wir schaffen, bekommen wir mehr Verantwortung. Man führt fast ein größeres mittelständisches Unternehmen.

Was macht die Umsetzung konkreter Vorhaben auf Basis der 2014 mit Hoyerswerda unterschriebenen Kooperationsvereinbarung zum Standort?

Naja, bis vor der OB-Wahl hielten sich die Aktivitäten in bescheidenen Grenzen. Mit dem neuen Oberbürgermeister scheint mir das Interesse an Pumpe spürbarer. Inwieweit wir das zum Leben erwecken, wird die Zeit zeigen. Torsten Ruban-Zeh und ich sind beide gewillt. Wir haben aus Sicht des Standortes auch Kontakte mit den Versorgungsbetrieben aufgenommen und ich bin mit Wohnungsgesellschaft sowie LebensRäume-Genossenschaft zu verschiedenen Dingen im Gespräch. Also es macht den Anschein, dass wir ein Stückchen mehr Aktivität in der Zusammenarbeit finden.

Wie groß ist denn der Ärger darüber, dass der Spreetaler See weiterhin so bald wohl nicht nutzbar sein wird?

Enttäuschung pur. Ich habe das auch der LMBV so gesagt. So eine Art der Zusammenarbeit ist nicht nachvollziehbar. Wir haben alles gemeinsam abgestimmt, gemeinsam einen Bebauungsplan entworfen, und die Zielstellung war, den See 2019 fertig zu haben. Dann kommt die Aussage: Ihr könnt alles nutzen, nur den See nicht. Das war ein Hammer. Wir waren vorher mit dem Wassersportverein bei der LMBV und es hieß verbindlich, im April 2019 könne der Verein aufs Wasser. Und trotzdem ist jetzt die Aussage: Nicht daran zu denken.

Es sieht so ein bisschen aus, als würden noch die Enkel und Urenkel mit Bergbausanierung befasst sein. Richtig?

Das werden sie. Zumindest wird das an den Stellen so sein, an denen wir 38 aufhören: Nochten, Reichwalde, auch der Ostsee, Jänschwalde, Welzow – da wird noch viel zu tun sein. Enkel und Urenkel werden das Thema immer noch auf der Tagesordnung stehen haben. Aber wir wollen das, was wir begonnen haben, umsetzen. Und am Spreetaler See wollten wir es ja alle. Nun wird er von der LMBV noch einmal betrachtet, um eine Aussage treffen zu können, ob es genügend Wasser gibt oder ob die Uferbereiche für eine sichere Nutzung bei geringerem Wasserstand nachsaniert werden müssen. Das birgt aber das Risiko, dass kein Schiff mehr den Kanal zum Sabrodter See befahren könnte. Die neue Führung hat zugesagt, dass wir Mitte 2021 eine Aussage zur See-Nutzung bekommen.

Kann es sein, dass der neue LMBV-Chef Bernd Sablotny weniger zurückhaltend mit unangenehmen Wahrheiten ist?

Das kann man so sehen. Er hat keine Scheu, zu sagen: So sieht es aus, tut mir leid. Damit kann man umgehen. Es ist mir lieber so, als wie es vorher gewesen ist. Was mit dem Spreetaler See passiert ist, hat schon Viele ganz bitter enttäuscht.

Ist es möglich, dass 2021 ihr letztes Amtsjahr als Bürgermeister ist?

Ich habe ja schon gesagt: Sobald die Landesregierung regelt, dass Gemeinden mit weniger als 2.000 Einwohnern wieder einen hauptamtlichen Bürgermeister haben dürfen, gibt es bei uns Wahlen. Im Ehrenamt ist es nicht zu schaffen, hier Bürgermeister zu sein. Der Zeitaufwand ist einfach gewaltig. Das kann auch die Verwaltung nicht komplett leisten. Letztlich ist der Bürgermeister in Gremien in Verantwortung. Das geht nur über Hauptamtlichkeit.

Was hat sich denn mit Beginn der Ehrenamtlichkeit 2017 für Sie geändert?

Ich bin nicht mehr täglich von 8 bis 16 Uhr in der Verwaltung. Was negativ ist: Man bekommt nicht mehr alles mit. Ich ziehe aber den Hut, wie Swantje Schneider-Trunsch die Verwaltung managt. Und Lob muss ich auch der ganzen Verwaltung zollen. Was sie leisten, ist enorm. Im Personalbestand ging es ja immer rückwärts, aber die Aufgaben wurden mehr. Und jetzt haben wir die doppische Buchführung noch nicht ganz in trockenen Tüchern, da kommt mit dem Strukturwandel die nächste Mammutaufgabe. Es sind Projekte vorzubereiten, durch die wieder mehr Arbeit auf die Verwaltung zukommt. Es gibt jedoch über den Strukturwandel die Möglichkeit, Personal einzustellen. Da sind wir momentan dran. Aber es ist alles sehr mühselig.

Glauben Sie denn, dass sich, wenn es soweit ist, für Ihre Nachfolge leicht Bewerber finden werden?

Also, die Aufgabe ist wahnsinnig interessant. Man kann sich an vorderer Stelle verwirklichen. Aber es ist auch zeitintensiv und nervenzehrend. Ich hatte 2017 schon den einen oder anderen im Visier. Aber da war die Antwort: Solange das nicht hauptamtlich ist, brauchen wir gar nicht darüber sprechen. Im Gemeinderat gibt es Personen, die am Nachdenken sind. Aber mehr wissen wir in der Stunde der Wahrheit.

Und Sie gehen dann angeln?

Nein. Ich habe Haus, Hof und Enkelkinder, die schimpfen, dass der Opa zu selten da ist. Insofern wird es nicht langweilig.

Fragen: Mirko Kolodziej

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