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Das Natz verlässt das Bürgerzentrum

Der Verein hat den Mietvertrag für seine Räumlichkeiten zum Ende dieses Jahres gekündigt.

Von Uwe Schulz
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Viele Kinder-Generationen haben sich beim Natz und seinem Vorläufer mit Umwelt- und Naturschutz ebenso beschäftigt wie mit Technik oder Holzarbeiten.
Viele Kinder-Generationen haben sich beim Natz und seinem Vorläufer mit Umwelt- und Naturschutz ebenso beschäftigt wie mit Technik oder Holzarbeiten. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Veränderungen wird es in der Nutzung der unteren Etage des Hoyerswerdaer Bürgerzentrums geben. Am Dienstag haben Vertreter der Stadt als Gebäudeeigentümerin und des KulturFabrik e.V. als Hauptmieter eine Inventarisierung in den Räumlichkeiten des Naturwissenschaftlich-Technischen Kinder- und Jugendzentrums Natz vorgenommen.

„Der Verein hat seinen Mietvertrag fristgerecht zum Ende des Jahres gekündigt“, sagt Bürgermeister Mirko Pink (CDU). Die vom Vereinsvorsitzenden Claus Kleinert unterzeichnete Kündigung erreichte die KuFa bereits am 30. Juni per E-Mail. Zuletzt hatte es wohl auf Bitten des Natz seitens Stadt und KuFa noch Bemühungen um eine Anpassung der vertraglichen Beziehungen gegeben.

Die Miethöhe und die Höhe der Nebenkosten für die drei Nutzer KuFa, Natz und Tourismusverein bemaßen sich laut vor dem Einzug ins damals neue Bürgerzentrum 2015 festgelegten Regelungen bislang ausschließlich an der genutzten Fläche. Nun sollten zumindest die Stromkosten in den separat von den drei Mietern genutzten Räumlichkeiten über die vorhandenen Zähler erfasst werden, während für Wasser, Abwasser und Heizung solche separaten Abrechnungsmöglichkeiten nicht bestehen. Und: Vom Natz nicht mehr mitgenutzte kleinere Flächen sollten herausgerechnet werden. Doch diese Vertragsanpassung scheint nicht mehr nötig.

Vom Natz selbst liegt dem TAGEBLATT bisher keine Stellungnahme zur Kündigung oder zu einem eventuell neuen Standort vor. Der erst vor einem Jahr gewählte Claus Kleinert, der sich nach dem, was zu hören ist, wohl vor einigen Wochen zurückgezogen haben soll, verwies am 12. November an seine Vorstandskollegin Doreen Schwietzer. Bisher blieben zwei Mails und eine persönliche Nachfrage bei der Landtagsabgeordneten, Stadt- und Kreisrätin der AfD allerdings ohne Resultat.

Sollte ein Umzug anstehen, wäre es nicht der erste, denn das Natz hat eine lange Geschichte. Der Vorläufer, die Station Junger Techniker und Naturforscher, existierte schon seit 1953 in Lauta, zog 1972 zunächst ins Hoyerswerdaer Pionierhaus, dann in die alte Försterei am Burgplatz. Von dort ging es später in die ehemalige Oberschule 17 im WK IV, nach Schäden durch einen verheerenden Orkan 2007 in die vormalige Friedrich-Ebert-Mittelschule im WK IX. 2015 schien das Natz wieder in der Altstadt angekommen zu sein.

Doch wie bei anderen Vereinen auch sorgten die Ganztagsangebote an den Schulen zu einem Rückgang der Nachfrage nach offenen Kursen und Arbeitsgemeinschaften. 2018 wurden erstmals größere Sorgen öffentlich. Es stand bei einer Mitgliederversammlung vor drei Jahren sogar schon die Auflösung im Raum. Seither gab es drei Vereinsvorsitzende und auch die fest angestellten Mitarbeiter wechselten häufiger. 2019 konstatierte die Stadtverwaltung „vermehrt Schwierigkeiten in der Vereinsstruktur sowie Fachkräftegewinnung“. Vor einem Jahr wurde das Rathaus noch deutlicher: „Seit 2018 ist keine kontinuierliche und vor allem durchgängige Besetzung der zwei Mitarbeiterstellen durch entsprechende Fachkräfte zu verzeichnen.“ Doch unter anderem an diese Fachkräfte sind in der Kinder- und Jugendarbeit finanzielle Zuschüsse gebunden.

Während es für den Verein nun also die Optionen Umzug oder Auflösung zu geben scheint, hat man bei der KuFa begonnen, über die bisher vom Natz genutzten drei Räume mit insgesamt 470 Quadratmetern Fläche nachzudenken. Dem Verein schweben laut Geschäftsführer Uwe Proksch einerseits Andockmöglichkeiten für andere Vereine und Initiativen vor, andererseits ein gemeinnütziges Repair-Center.

Noch für das Jahr 2017 meldete das Natz der Stadt gut 10.000 Teilnehmer, die seine Angebote genutzt haben. Die Stadt zahlte 2018 eine Förderung von 88.000 Euro.
Noch für das Jahr 2017 meldete das Natz der Stadt gut 10.000 Teilnehmer, die seine Angebote genutzt haben. Die Stadt zahlte 2018 eine Förderung von 88.000 Euro. © Foto: Uwe Schulz