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Das Tal der Tränen ist bald durchschritten

Die Wohnungsgenossenschaft Laubusch wurde vor 25 Jahren gegründet, häufte Millionen-Schulden an – und erholt sich.

Kerstin Sauer
Vorstandsvorsitzende der WGL
Kerstin Sauer Vorstandsvorsitzende der WGL © Archivfoto: Ralf Grunert

Laubusch. Mit einem Herbstfest im und am Kulturhaus wurde das 20-jährige Bestehen der Wohnungsgenossenschaft Laubusch gefeiert. Fünf Jahre später findet anlässlich der am 13. September 1995 erfolgten Gründung der Genossenschaft keine Feier statt. Das war allerdings anders gedacht gewesen, wie von Kerstin Sauer zu erfahren war. 

Die Vorstandsvorsitzende der WGL, die seit 1999 an der Spitze der Genossenschaft steht, hätte das Jubiläum gern zu einem Teil des Kinderfestes gemacht, das innerhalb des Projektes „Lausitzer Gartenstadt 2030“ am 24. Oktober im und am Kulturhaus stattfinden sollte – das aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt und in das kommende Jahr verschoben wurde.

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Bei allen Schwierigkeiten, mit denen es die Wohnungsgenossenschaft seit ihrer Gründung zu tun hatte und hat, besteht allemal Anlass, sich über die Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit zu freuen. Offenbar hat die Wohnungsgenossenschaft das tiefe Tal der Tränen durchschritten. „Die Sanierungsvereinbarung mit der Sächsischen Aufbaubank läuft voraussichtlich nur noch bis 2026“, blickt Kerstin Sauer voraus. Heißt im Klartext: Wenn alles klappt, dann hat die Wohnungsgenossenschaft 2026 keine Verbindlichkeiten mehr.

Und das will etwas heißen, blickt man zurück auf die Entwicklung. Gestartet ist die Genossenschaft vor 25 Jahren gleich mal mit einem Schuldenberg von 18,3 Millionen D-Mark. So hoch war der Kaufpreis, der an die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) für 961 Wohnungen in Laubusch gezahlt worden war. Ein viel zu hoher Betrag, wie der damalige Laubuscher Bürgermeister Otto Görke seinerzeit schon wusste. Allerdings hatten die Laubuscher nicht wirklich eine Wahl. Die TLG winkte mit einem zinsgünstigen Darlehen für den Kauf der Wohnungen. Andererseits gab es die Sorge, dass jemand den Wohnungsbestand kaufen, aber nichts an diesem machen könnte, sondern nur die Gewinne herausziehen würde. Die Nach-Wende-Geschichte hat ja gezeigt, dass so manches Unternehmen zuerst überteuert angeboten und schließlich nur noch für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises den Eigentümer gewechselt hat.

Nach der Gründung der Wohnungsgenossenschaft Laubusch stieg die Mitgliederzahl rasant an. Bis zum Jahresende waren es schon mehr als 600 Mitglieder, zwei Jahre später mehr als 700. Die Erwartungshaltung war groß. Und es wurde auch gleich kräftig in den Wohnungsbestand, an dem zuvor jahrelang nicht mehr viel gemacht worden war, investiert. 25 Millionen D-Mark waren es allein bis Ende 1998. Bei 318 Wohnungen erfolgte eine Komplettsanierung, weitere 360 wurden teilsaniert. Möglichst viele Genossenschafter sollten möglichst schnell eine Verbesserung ihrer Wohnverhältnisse erfahren. Dass dies der Wohnungsgenossenschaft, deren Geschäftsführer zu dieser Zeit der spätere Hoyerswerdaer Bürgermeister Thomas Delling war, auf die Füße fallen könnte, befürchtete seinerzeit schon Otto Görke als Aufsichtsratsvorsitzender. Er hätte sich bei der Sanierung lieber auf Kerngebiete konzentriert, zum Beispiel auf die Häuser entlang der Hauptstraße und in der Umgebung des Marktes, sagte er einmal im TAGEBLATT-Gespräch. Es habe aber andere Stimmen im Aufsichtsrat gegeben. Die Probleme türmten sich schnell: „Durch den hohen Kaufpreis, die immensen Kosten der Sanierung und den zunehmenden Leerstand geriet die Wohnungsgenossenschaft in enorme Schwierigkeiten.“

In dieser Phase wurde Kerstin Sauer im Jahr 1999 die neue Vorstandsvorsitzende. Sie brauchte Jahre, um die Wohnungsgenossenschaft wieder auf Kurs zu bringen. Dazu mussten auch unpopuläre Entscheidungen getroffen werden. Mit Abriss wurde dem zunehmenden Leerstand begegnet, später auch mit dem Verkauf einzelner Gebäude. Die Wohnungsgenossenschaft trennte sich von Mitarbeitern. Investitionen in den Wohnungsbestand wurden nur noch die nötigsten getätigt. Und ausscheidenden Genossenschaftsmitgliedern wurden beginnend im Jahr 2000 ihre eingezahlten Anteile nicht zurückgezahlt.

Letzteres könnte sich nach 2026 womöglich wieder ändern, wenn die Sanierungsvereinbarung mit der SAB planmäßig ausläuft. Kerstin Sauer sieht jedenfalls einen Lichtstreif am Horizont, zumal sie auch große Erwartungen mit dem aktuellen Projekt „Lausitzer Gartenstadt 2030“ verbindet. Die Wohnungsgenossenschaft Laubusch ist nun mal der größte Wohnungseigentümer, nicht nur in der Gartenstadt Erika, sondern im Lautaer Ortsteil Laubusch insgesamt, mit jetzt noch knapp 600 Wohnungen. Im Jahr 25 nach ihrer Gründung hat die Wohnungsgenossenschaft Laubusch noch rund 450 Mitglieder.

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