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„Das war ein ganz dummes Ding“

Nach einer nächtlichen Schlägerei in Hoyerswerda wurde einer der Kontrahenten im Amtsgericht verurteilt.

© Symbolfoto: www.pixabay.com

Hoyerswerda. Zwei Jahre darf sich ein 41-Jähriger aus der Hoyerswerdaer Altstadt nichts mehr zu Schulden kommen lassen, ansonsten drohen ihm sechs Monate Gefängnis. Am Amtsgericht Hoyerswerda ist er vor ein paar Tagen wegen gefährlicher Körperverletzung zu dieser Bewährungsstrafe verurteilt worden. Anlass war eine im März vorigen Jahres völlig aus dem Ruder gelaufene Auseinandersetzung mit seinem Nachbarn. „Ich kann gar nicht mehr sagen, worum es dabei genau gegangen ist“, meinte dieser Nachbar im Zeugenstand.

§ 224 des Strafgesetzbuches wertet eine Körperverletzung unter anderem dann als besonders gefährlich, wenn sie jemandem „mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs“ beigebracht wird. Im vorliegenden Fall kamen zwei volle Bierflaschen zum Einsatz. Es gab Scherben, als der 41-Jährige seinen Nachbarn damit malträtierte. Der Mann zog sich Verletzungen am Kopf, am Knie und in der Nierengegend zu. „Die Nase hat geblutet, der Kopf hat geblutet, die Sachen waren zerrissen und nass war ich auch“, schilderte der 46-Jährige. Sein Kontrahent meinte, er habe auch nicht besser ausgesehen.

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Es ging wohl eine Weile hin und her. Ein Polizist sagte dem Gericht, als die von Nachbarn herbeigerufenen Ordnungshüter zu der nächtlichen Prügelei hinzugekommen seien, habe der Ältere auf dem Jüngeren gesessen und diesen mit beiden Fäusten traktiert. Begonnen hatte das Ganze mit einer Einladung.

Der 46-Jährige klingelte bei seinem Nachbarn, weil er etwas wissen wollte. Dieser – obwohl in den ersten Tagen der Covid-19-Pandemie in Quarantäne – bat seinen Besucher herein und bot ihm etwas zu trinken an. Bei ihm selbst stellte die Polizei später gut zwei Promille fest, bei seinem Gast 0,7 Promille. Die Beamten mussten in der Nacht gleich zweimal eingreifen. Denn kurz, nachdem sie die Kombattanten getrennt hatten, meldete sich der 46-Jährige beim Notruf. Sein Nachbar bearbeitete zu diesem Zeitpunkt nämlich gerade seine Wohnungstür. Er habe sich, schilderte er, von innen dagegen lehnen müssen, damit der Rahmen nicht aus der Maueröffnung flog. Die Polizei wusste sich schließlich keinen anderen Rat, als den Angreifer für eine Nacht mit in eine Zelle ins Revier in der Frentzelstraße zu nehmen.

Was genau der Auslöser dafür war, dass der Gastgeber auf den Besucher losging, konnte nicht nur die Polizei vor Ort nicht feststellen. Es ließ sich auch im Gerichtssaal nicht klären. „Meine Schlussfolgerung ist: Scheiß Alkohol“, fasste Staatsanwalt Mirko Krüger seine Sicht auf die Dinge zusammen. Er erntete ein Nicken von der Anklagebank. Der 41-Jährige saß dort allein, war ohne die Unterstützung eines Anwaltes erschienen. Ihm tue die Sache sehr leid sagte er. Sein Nachbar bestätigte, dass er sich zwei Tage nach der Auseinandersetzung entschuldigen war. Auch den Ersatz für die irreparabel ramponierte Wohnungstür des Älteren bezahlte der Jüngere. Allerdings sagten beide Männer, man gehe sich seither aus dem Wege. „Das war ein ganz dummes Ding. Das hätte nicht so sein sollen“, erklärte der 46-Jährige.

Richter Daniel Lakomy folgte mit der Verhängung des Strafmaßes dem Antrag der Anklage. Dazu gehört neben der Zusammenarbeit mit einem Bewährungshelfer auch die Zahlung von 1.500 Euro Schmerzensgeld an das Opfer der Flaschen-Attacke. Daniel Lakomy ließ zwar Berufung und Revision zu. Allerdings erkundigte sich der Angeklagte gleich nach der Urteilsverkündung nach den Zahlungsmodalitäten. In seinem Schlusswort hatte er zuvor noch einmal die Einschätzung des Staatsanwaltes aufgegriffen und dessen Worte aus dem Plädoyer wiederholt: „Scheiß Alkohol!“

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