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Das Wunderauto der Nachkriegszeit

Seit 70 Jahren kann er alles - der Unimog. Das wurde am Wochenende beim 2. Lausitzer Treffen in Trattendorf wieder einmal deutlich.

Jochen Schäfer ist mit seinem U 30 aus Wuppertal angereist, um am Unimog-Treffen in Trattendorf teilzunehmen. Sein Fahrzeug hat das Baujahr 1960.
Jochen Schäfer ist mit seinem U 30 aus Wuppertal angereist, um am Unimog-Treffen in Trattendorf teilzunehmen. Sein Fahrzeug hat das Baujahr 1960. © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Trattendorf. Ausrichter des diesjährigen Unimog-Treffens war am vergangenen Wochenende die „Interessengemeinschaft Lausitzer Unimog-Freunde“. Es war das zweite Mal seit dem Mai 2010, dass man sich auf dem Gelände des MC Spremberg in Trattendorf traf. Frank Schroeckh ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft, die ihren Sitz beim MC Spremberg hat, aber eigenständig ist. 

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Zum diesjährigen Treffen kamen 20 Unimog unterschiedlichster Bauart und unterschiedlichen Alters, dazu sechs Mercedes-Benz-Geländewagen mit insgesamt 49 Teilnehmern. Die Teilnehmerzahl ergibt sich aus mitgereisten Ehefrauen und Freunden. Wobei so manche bessere Hälfte auch den Familien-Unimog lenkt.

Interessierte Unimog-Begeisterte gibt es außer in Deutschland auch in der Schweiz, den Niederlanden und Österreich. Aufgrund der durch Corona geprägten unterschiedlichen Ein- und Ausreisebeschränkungen verzichteten sie in diesem Jahr an der Teilnahme. In Deutschland ist von der Lausitz aus betrachtet die Grenze der Unimog-Freunde im Westen Wuppertal in NRW, nördlich der Berliner Raum und südlich der Erzgebirgskreis. Von dort kamen auch die Teilnehmer.

„Der Unimog kann alles“, war von Frank Schroeckh zu erfahren. „Entstanden ist das Fahrzeug nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Alliierten ließen den Bau von Lkw größer 3,5 Tonnen nicht zu. Doch die sich wieder aufrappelnde Wirtschaft brauchte Fahrzeuge, die den bescheidenen Bedürfnissen angepasst waren. Die Lösung hieß Unimog, der seit 70 Jahren bei Daimler-Benz in mittlerweile ungezählten Typen, Größen und Nutzungszwecken gebaut wird. Weil das Fahrzeug nicht Lkw heißen durfte, so hatten es die Siegermächte verfügt, hieß es „UNIversalMOtorGerät“ und der Name steht bis heute. Auch wenn die größten Fahrzeuge, so wie das von Steve Mayer vom Autodienst Klitten, nach heutigen Begriffen schon recht stattliche Lkw sind. Was der Unimog seit 70 Jahren alles konnte und kann, können Interessierte im Internet nachlesen. Nutzer in unserer Region ist beispielsweise der Bergbau.

Die weiteste Anreise nach Trattendorf hatte Jochen Schäfer aus Wuppertal. Er kam zugleich mit dem ältesten Fahrzeug, einem U 30, Baujahr 1960. Es ist ein Landwirtschaftsfahrzeug, das erst die Bundeswehr nutzte, seit 2002 gehört es ihm. Der Hausmeister in einem Krankenhaus hat privat eine kleine Landwirtschaft, da kann er den U 30 gut gebrauchen. Und für Reisen wie die 630 Kilometer nach Trattendorf ebenfalls. Der Viertakt-Dieselmotor hat ganze 30 PS. 100 PS hingegen hat der U 1000-424 von Christoph Schulze aus Wildau bei Berlin unter der Haube. Sein Unimog, eine Zugmaschine Baujahr 1979, war erst bei einer Gerüstbaufirma im Einsatz, 2002 übernahm ihn Schulze als Rangierfahrzeug für seine Speditionsfirma. Mit dem Sechszylinder-Reihenmotor kommt der Unimog auf 85 km/h. Darüber freut sich auch Lebenspartnerin Tamara Heinrich, die mit dem Unimog nicht nur über die Autobahn rollt, sondern auch bei Bedarf durch die Hauptstadt.

Am Samstag rollten alle Unimog und Geländewagen in den Tagebau Welzow-Süd. Begleitet wurden sie vom ortsansässigen Veranstalter „Excursio“. Nach dem Mittagessen fuhren die Frauen zum Gut Geisendorf und zu einer Weinprobe zum Wolkenberg, die Männer lernten den Fahrzeugbau von Thomas Neumann in Spremberg kennen. Alle waren von den Erlebnissen und dem Wiedersehen begeistert.

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