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Den Dörgenhausenern fließt das Wasser davon

Das Wehr in der Schwarzen Elster steht von Oktober bis April offen. Auf Wiesen und Feldern fehlt die Feuchtigkeit.

Ungehindert fließt das Wasser der Schwarzen Elster durch das Wehr in Dörgenhausen. Eine Verschwendung, finden Landwirt Benno Domania (li.) und Ortsvorsteher Eugen Diesterheft.
Ungehindert fließt das Wasser der Schwarzen Elster durch das Wehr in Dörgenhausen. Eine Verschwendung, finden Landwirt Benno Domania (li.) und Ortsvorsteher Eugen Diesterheft. © Foto: Ralf Grunert

Dörgenhausen. Der Wasserstand in der Schwarzen Elster in Dörgenhausen müsste etwa 70 Zentimeter höher sein, als er gegenwärtig ist. Aus der Sicht von Landwirt Benno Domania sei das nötig, damit das auf den Wiesen und Feldern herrschende Wasserdefizit ausgeglichen werden kann. Zwei- bis dreimal im Jahr war früher die Grasmahd möglich. Inzwischen vertrocknet das Gras nach der ersten Mahd auf dem Halm, schildert er. Der Futterbedarf des Viehs muss dennoch gedeckt werden. Um ausreichend Feuchtigkeit in die Landwirtschaftsflächen zu bekommen, davon ist er überzeugt, wäre es nötig, das Wehr am Rande des Dorfes zu schließen und das Wasser anzustauen.

Tatsächlich aber fließt es davon, denn von Oktober bis April hat das Wehr geöffnet zu sein. Wie von Katrin Schöne von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen zu erfahren ist, erfolgt die Steuerung des Wehres in Dörgenhausen nach dem geltenden Wasserrecht vom 20. Oktober 1977. „Dort ist festgelegt, dass der Einstau nur im Zeitraum von April bis Oktober eines jeden Jahres erfolgen darf.“ Was Benno Domania und auch Ortsvorsteher Eugen Diesterheft allerdings nicht nachvollziehen können. „Nach April nutzt das Anstauen wenig, weil kaum noch Wasser ankommt.“ Außerdem, da sind sich beide einig, stehe die Praxis am Wehr in Dörgenhausen im Widerspruch zu Aussagen des sächsischen Umweltministers Wolfram Günther. „Wir können es uns schon jetzt nicht leisten, das Wasser einfach so schnell wie möglich abzuleiten“, hatte der Minister im September 2020 in einem SZ-Interview gesagt und seine Wasserstrategie an gleicher Stelle so zusammengefasst: „Wir müssen die Schwammhaftigkeit der Landschaft wiederherstellen. Nicht Talsperren und andere künstlich angestaute Flächen sind die größten Wasserspeicher, sondern der Boden.“

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„Wasserrückhalt in der Fläche bedeutet allerdings nicht die künstliche Bewässerung von landwirtschaftlichen oder sonstigen Nutzflächen durch künstliche Einbauten in die Fließgewässer, die zum Aufstau führen“, stellt die LTV-Pressesprecherin klar. „Das wäre ein schwerwiegender Eingriff in die natürliche Entwicklung des Gewässers, der dem ökologischen Ansatz der Landestalsperrenverwaltung und des Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft entgegensteht.“ Der Freistaat Sachsen, so der Hinweis von Katrin Schöne, sei zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet. „Ziel der Richtlinie ist es – neben der Verbesserung der Wasserqualität – die Gewässer auch ökologisch bezüglich der Struktur aufzuwerten und für Fische und andere Wasserlebewesen wieder durchgängig zu machen. Querbauwerke wie Wehre sollen, wenn möglich, zurückgebaut oder für genannte Lebewesen durchgängig umgestaltet werden.“

Eugen Diesterheft kann bei alledem die Verhältnismäßigkeit nicht erkennen. „Wir werden im Privaten dazu aufgefordert, jeden Tropfen Regenwasser aus der Dachrinne aufzufangen und nicht wegfließen zu lassen.“ Über die Schwarze Elster fließen jedoch Wassermassen ab. Er und Benno Domania sähen es gern, wenn das seit Oktober 2019 mit einem Schloss gesicherte Wehr in Zukunft wieder von einem Beauftragten aus dem Dorf bedient und je nach Wasseraufkommen reguliert werden kann. Das ist laut LTV-Sprecherin Katrin Schöne auch durchaus möglich. „Voraussetzung ist, dass die Stadtverwaltung Hoyerswerda als zuständige Körperschaft an uns den Antrag auf Übernahme des Wehres stellt und die Untere Wasserbehörde dem zustimmt. Ein neuer Betreiber/Eigentümer wäre aber ebenso an die wasserrechtlichen Vorgaben gebunden“, merkt sie an und erinnert an die eingangs erwähnte Festlegung, wonach der Einstau nur im Zeitraum von April bis Oktober eines jeden Jahres erfolgen darf.

Für die Dörgenhausener wäre damit also nichts gewonnen, müssen Benno Domania und der Ortsvorsteher zu Kenntnis nehmen. Beide wissen auch, dass es Gegner und Befürworter eines im Winterhalbjahr durchweg geöffneten Wehres im Dorf gibt. Denn zumindest von einem Gehöft sei bekannt, dass es Wasser im Keller hat, sobald das Elster-Wasser angestaut wird.

Veränderungen am Wehr in Dörgenhausen wird es in Perspektive auf jeden Fall geben. Katrin Schöne verweist auf einen seit über zehn Jahren bestätigten Pflege- und Entwicklungsplan für die Schwarze Elster zwischen dem Wehr Brischko und der Mündung des Hoyerswerdaer Schwarzwassers unterhalb von Dörgenhausen. Es sei eine ökologische Umgestaltung vorgesehen. Eine konkrete Planung gebe es noch nicht, heißt es aus der Landestalsperrenverwaltung. „Das Projekt wird nach heutiger Einschätzung nicht vor 2024 begonnen.“ Für den Fall, dass eine sogenannte Fischtreppe errichtet werden soll, bedeutet das keineswegs, dass die Staufunktion des Wehres ganz oder teilweise aufgehoben wird, versichert Katrin Schöne. „Die technische Lösungen für solche Konstruktionen ermöglichen beides, sowohl die Staufunktion als auch die Fischdurchgängigkeit.“

Die Anlagen der Landestalsperrenverwaltung Sachsen werden verschlossen, um Fehlbedienungen durch Unbefugte zu verhindern.
Die Anlagen der Landestalsperrenverwaltung Sachsen werden verschlossen, um Fehlbedienungen durch Unbefugte zu verhindern. © Foto: Ralf Grunert

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