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„Der beste Bademeister der Welt“

Hans „Dave Dee“ Friedrich hat mehr als 30 Jahre das Freibad Laubusch geleitet. Ein Nachruf!

Hans „Dave Dee“ Friedrich, wie ihn viele kennen: mit einem verschmitzten Lächeln.
Hans „Dave Dee“ Friedrich, wie ihn viele kennen: mit einem verschmitzten Lächeln. © Archivfoto: Ralf Grunert

Laubusch. Mit einem Regenschirm bis zum Hals im Wasser stehend, hat er sich fotografieren lassen. Auch mit Grimasse beim Bauchklatscher vom Startblock, oder in zwei Meter Wassertiefe große Augen machend. Hans „Dave Dee“ Friedrich war immer für einen Jux zu haben und immer der Erste, der zur Saisoneröffnung des Laubuscher Freibades ins Wasser sprang. Das war Kult für den Schwimmmeister.

Wie er selbst Kult für mehrere Generationen war, die unter seiner Aufsicht Spaß beim Baden oder unter seiner Anleitung das Schwimmen gelernt haben. Mehr als 1.000 Kinder sind es gewesen, schätzte er selbst einmal.

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Im Jahr 1985 hat er das Laubuscher Freibad unter seine Fittiche genommen. Weil der damalige Schwimmmeister einen Ausreiseantrag gestellt und Bürgermeister Siegfried Galle einen Nachfolger gesucht hat. Zuvor war er im beheizten Bad des Synthesewerkes Schwarzheide und danach im Stadtbad Hoyerswerda tätig gewesen. Seine erste Saison in Laubusch hat „Dave Dee“, wie er wegen seiner früher mal üppigen Haarpracht genannt wurde, nicht vergessen. Dem Autor dieser Zeilen erzählte er vor ein paar Jahren, wie er seinerzeit die Jugend mobilisiert. „Die brauchte einen Platz, an dem sie ein Fass Bier leeren und ein Spanferkel grillen konnte. Ich benötigte Rettungsschwimmer und Helfer beim Rasenmähen auf den Wiesen. Schnell wurden wir uns einig. Heute kommen die Kinder der damaligen Jugendlichen als Eltern mit ihren Kindern zu mir ins Bad.“

Hans Friedrich erlebte die Hoch-Zeiten des Laubuscher Freibades, als an Spitzentagen bis zu 1.200 Besucher gezählt wurden. Im Durchschnitt waren es um die 800. Das summierte sich pro Saison auf 25.000 bis 30.000 Besucher. Wobei die Gäste nicht nur zum Baden kamen. Es fanden regelmäßig Grillabende statt, Abschlussveranstaltungen der Schule mit Neptunfest, Zeltlager von Wasserwacht und Feuerwehr sowie Betriebsfeiern. Mit dem Bevölkerungsschwund und den in der Umgebung entstehenden Seen schrumpften allerdings auch die Besucherzahlen. Zuletzt waren es nicht mal mehr 10.000 im Jahr.

Im Alter von 63 Jahren bestritt Hans Friedrich 2016 seine letzte Saison im Laubuscher Freibad. Zwar hätte er sich vorstellen können, als Rentner im folgenden Jahr noch eine weitere dranzuhängen. Doch dazu kam es nicht. Es war die letzte Saison des Freibades vor der Schließung durch die Stadt Lauta – und das ausgerechnet im 50. Jahr nach der Eröffnung.

Am letzten Öffnungstag des Freibades nach seiner schlimmsten und schönsten Erinnerung befragt, erzählte Hans Friedrich vom Tod eines polnischen Studenten, der völlig überhitzt ins Wasser gegangen war, und von einem 64-Jährigen, dem er nach einem Herzinfarkt das Leben gerettet hat. Er selbst war nicht mehr zu retten. Am Wochenende hat sein Herz aufgehört zu schlagen. „Dave Dee“ wurde 68 Jahre alt.

Die Nachricht verbreitete sich rasant – auch im Internet. Einer von vielen Kommentaren bei Facebook: „Der beste Bademeister der Welt, lassen wir ihn Reisen ...“

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