merken
PLUS Hoyerswerda

Der Industriepark soll wachsen

Spreetals Gemeinderat hat im Grundsatz nichts gegen eine Erweiterung in Richtung Süden.

Unterhalb der Südstraße wäre - in Blau - bereits eine Vergrößerung möglich. Rot ist die jetzt angedachte Zusatz-Erweiterung.
Unterhalb der Südstraße wäre - in Blau - bereits eine Vergrößerung möglich. Rot ist die jetzt angedachte Zusatz-Erweiterung. © Grafik: arteffective / S. Metasch

Schwarze Pumpe. Im jüngst erschienenen Buch „Industriestandort Schwarze Pumpe und Hoyerswerda/Neustadt – 65 Jahre ein gemeinsamer Weg“ stellen die Autoren gleich im Vorwort fest, dass der heutige Industriepark Schwarze Pumpe „mit seiner hervorragenden Infrastruktur und durch die konzentrierte Marketingarbeit der ASG Spremberg GmbH inzwischen weitere Großinvestoren angezogen hat und zu einem industriellen Leuchtturm der Lausitz geworden ist.“ Die Standortmanager von der ASG sprechen von aktuell 125 Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten.

Darunter sind bekannte Schwergewichte wie die Leag mit ihrem Kraftwerk sowie ihrem neuen Sozialbau vor dem Haupttor oder die Papierwerker von Dunapack und Hamburger Containerboard, die aktuell wieder einmal erweitern. Darunter sind aber auch unbekanntere Schwergewichte wie der Transport- und Hebetechnik-Spezialist Felbermayr oder der Hydraulik-Anbieter Hansa-Flex. Und dann wären da noch die lokalen Mittelständler wie etwa die Tischlerei Lausitz GmbH oder das Tiefbau-Unternehmen von Silvio Bensch.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Nach Jahren des Abrisses und der Schrumpfung ab 1990 stößt man inzwischen an Grenzen. „Doppelt und dreifach“ mit ansiedlungswilligen Unternehmen belegt seien die noch verfügbaren Flächen, sagt der Spreetaler Bürgermeister Manfred Heine (parteilos), der in einem weiteren Ehrenamt auch der Vorsteher des gemeinsamen kommunalen Industriepark-Zweckverbandes seiner Gemeinde und der Nachbarstadt Spremberg ist. Es gibt zwar durchaus noch größere Brachflächen. Aber diese sind nicht verkäuflich, weil gerade saniert wird oder noch saniert werden muss.

Konzepte liegen vor

Dass die aktuell 866 Hektar Industriepark-Fläche nicht ausreichen könnten, ist in den letzten Jahren immer mal wieder zur Sprache gekommen. Nun scheint eine mögliche Erweiterung spruchreif zu werden. „Zurzeit stehen keine voll entwickelten und vermarktungsfähigen Industrieflächen zum sofortigen Bezug zur Verfügung“, heißt es in einem Text zu einem Beschluss für den Spreetaler Gemeinderat. Dieser hat am Dienstag einstimmig einer Vergrößerung der Industriepark-Fläche über die Südstraße hinweg grünes Licht erteilt. „Neben den bereits im Satzungsbereich befindlichen Erweiterungsflächen Süd 1 und Süd 2 mit circa 120 Hektar derzeit noch unerschlossener Fläche sollen nunmehr weitere circa 82 Hektar potenzielle Fläche in Brandenburg und 154 Hektar in Sachsen außerhalb des Zweckverbandsgebietes im Süden und Südwesten des Industrieparks in das Satzungsgebiet überführt werden, um es infrastrukturell entwickeln zu können“, heißt es weiter. Es geht also eigentlich um eine Erweiterung einer theoretisch schon möglichen Vergrößerung. Hier wie da erforderlich wären zunächst Straßen, Stromleitungen, Gas-, Wasser- und Abwasseranschlüsse. All das ist nicht allzu weit entfernt vorhanden. Die Erschließung wäre dennoch durchaus kostspielig. Manfred Heine sagt, es bestehe die Hoffnung, Geld aus dem neuen Bundes-Fonds zur Strukturstärkung in den Noch-Kohle-Regionen zu bekommen: „Die Länder Sachsen und Brandenburg haben signalisiert, dass sie bereit sind zu helfen.“

Ein niederbayerisches Planungsbüro hat bereits eine Machbarkeitsstudie sowie ein Flächenkonzept erstellt und dabei geologische, technische, ökologische, juristische sowie ökonomische Fragen untersucht. Insbesondere fehlen im Industriepark momentan Flächen zur Ansiedlung von Unternehmen mit einem Platzbedarf von mehr als 30 Hektar. Wie riesig so ein Areal ist, machen die jüngsten Aktivitäten zur Ansiedlung eines Unternehmens deutlich, das sich mit der Herstellung hochreinsten Aluminiumoxids befasst. Die Firma Altech Chemicals hat sich mit einem Optionsvertrag lediglich 14 Hektar ganz im Süden des bestehenden Industrieparks gesichert. Und Fotos einer baugleichen Anlage in Malaysia sowie Zeichnungen zeigen schon dabei in Größe und Ausmaßen recht oppulente Bauten. In Rede stehen derzeitig außerdem Investitionen in eine Bioraffinerie sowie im Bereich Kunststoffverölung, teils mit einem Arbeitskräftebedarf von rund hundert Beschäftigten. Man wolle den Ansiedlungsgesuchen gern schnellstmöglich nachkommen, so Zweckverband und ASG. Im Erweiterungsgebiet enthalten sind auch die sogenannten Schönungsteiche nahe Spreewitz.

Waldgürtel soll bleiben

Hier waren zu Kombinatszeiten lange Industrieabwässer aus der Gas-Erzeugung verspült worden. Später fielen sie trocken. Die Stoffe im Boden beförderten im Sommer vor zwei Jahren jedoch einen Großbrand, gegen den Feuerwehr und Technisches Hilfswerk fünf Tage lang anzukämpfen hatten. Durch das Einbeziehen in die jüngsten Pläne würde an dieser Stelle zugleich die nötige Boden-Sanierung ermöglicht. Und auch die Anlagen des einstigen Lobbe-Logistikzentrums zwischen dem Spreewitzer Rangierbahnhof und dem Solarfeld, für die im vorigen Jahr eine Nachnutzung als Schnellkompostierung im Gespräch war, würden Bestandteil des Industrieparks. Im Spreetaler Gemeinderat gab es grundsätzlich keine Bedenken gegen dessen Wachsen. Es meldete sich lediglich der Ortsvorsteher von Spreewitz und Zerre, Werner Reeb. Er sprach den Wald an, der einen gewissen Schutz für Spreewitz bietet. Manfred Heine versprach, die Bäume könnten stehenbleiben. Die Diskussionen in Spremberg waren dagegen wohl härter, laut einem Medienbericht betreffs der Zuständigkeit für die Wasserversorgung.

Mehr zum Thema Hoyerswerda