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„Der Kreisverkehr ist ein riesen Gewinn“

Elsterheide-Bürgermeister Dietmar Koark spricht auch über die Ortsumfahrung Bluno und das Geschehen an den Seen.

Aufatmen in der Gemeinde Elsterheide: Mit dem Bau dieses Kreisverkehrs hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr einen Unfallschwerpunkt entschärft. Seither gab es zwar noch mal einen Unfall, aber keine Kollision zwischen zwei Fahrzeugen mehr.
Aufatmen in der Gemeinde Elsterheide: Mit dem Bau dieses Kreisverkehrs hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr einen Unfallschwerpunkt entschärft. Seither gab es zwar noch mal einen Unfall, aber keine Kollision zwischen zwei Fahrzeugen mehr. © Foto: Gernot Menzel

Herr Koark, im Sommer 2020 existierte die Gemeinde Elsterheide seit 25 Jahren. Hätten Sie dieses Jubiläum gern mit einem Fest gefeiert?

Es ist zuerst einmal sehr schön, dass wir es in dieser Konstellation geschafft haben, 25 Jahre zu werden. Das war ja zu Beginn nicht von allen so prognostiziert worden. Es gab viele Unkenrufe, die meinten, die Elsterheide werde nur ein kurzes Leben haben. Nach 25 Jahren spricht nun ein stückweit der Erfolg für diese Gemeinde und für das, was in dieser Gemeinde in den 25 Jahren erreicht wurde. Die Bürger identifizieren sich meines Erachtens nach zum überwiegenden Teil mit der Gemeinde und sind auch stolz auf diese. Was das Fest betrifft, so haben wir es zuletzt immer so gehandhabt, dass wir nichts auf Krampf auf die Beine stellen. Besser ist es doch, wenn es in einem Ort etwas zu feiern gibt, dass man versucht, diese Feier aufzuwerten, zum Beispiel durch ein Elsterheide-Fest oder eben auch eine 25-Jahr-Feier. Im vergangenen Jahr hat sich das – insbesondere wegen der Corona-Pandemie – nicht angeboten. Ich erinnere mich allerdings noch sehr gern an die Feier zum 20-jährigen Bestehen der Elsterheide in Seidewinkel. Da hat jeder Ortsteil einen Programmteil gestaltet. Das war richtig toll. Aber ob das zum „25.“ auch wieder funktioniert hätte? Erzwingen wollten wir nichts.

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Welche Dinge sind noch der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen?

Im Wesentlichen waren das die kulturellen Veranstaltungen. Bei uns ist es ja üblich, dass in den Orten ein vielfältiges kulturelles Leben gepflegt wird, je nach Tradition mit Dorffesten, Schützenfesten, mit Jubiläums-Feiern. Es gab zwar ein paar kleinere Veranstaltungen, als das im Herbst möglich war, aber nichts Größeres. Wenn ich auf das Investitionsgeschehen blicke, dann fällt mir nichts ein, bei dem ich sage, das hat wegen Corona nicht geklappt. Ob womöglich Entscheidungs-Prozesse in Zeiten der überbordenden Bürokratie, in der immer mehr Leute mitreden und alles besser wissen, durch Corona verzögert wurden, vermag ich nicht zu beurteilen, allerdings auch nicht ausschließen.

Geklappt hat es mit dem Bau des Kreisverkehrs. Erfüllt er seinen Zweck?

Auf jeden Fall tut er das. Der Kreisverkehr ist für die Gemeinde und die Einwohner ein riesen Gewinn. Die Leute sind sehr, sehr froh darüber. Das erkenne ich auch am Feedback, das nur positiv ist. Das ganze Thema beschäftig uns ja schon seit den 1990er-Jahren. Da haben wir angefangen, Bäume zu fällen. Es kamen immer mehr dazu. Auch das hat nicht ausgereicht, um Unfälle zu vermeiden. Obwohl jeder gesagt hat, die Kreuzung ist gar nicht so unübersichtlich. Deshalb sind wir sehr, sehr froh, dass der Freistaat und das Landesamt für Straßenbau und Verkehr den Kreisverkehr geplant, finanziert und gebaut haben.

Es wird wohl ein Mysterium bleiben, warum es dort so häufig gekracht hat ...

Das sehe ich genauso. Denn selbst Leute, denen es passiert ist, die können sich das im Nachhinein nicht erklären.

Im Bau ist derzeit ein Teil der Ortsdurchfahrt von Tätzschwitz. Wann folgt die Umverlegung der Kreisstraße zwischen Tätzschwitz und Geierswalde?

Ich hege die ganz, ganz große Hoffnung und Erwartung, dass das 2021 passiert. Wir sind mit unserem Bauvorhaben, der Erschließung der Südböschung am Geierswalder See, unmittelbar abhängig von der Umverlegung, weil gerade in diesem Bereich die Grundstücke benötigt werden. Dort sollen ein größerer Parkplatz entstehen sowie Bushalte-Plätze und das Sanitärgebäude. Wir tun alles, um den Landkreis in seinen Bemühungen zu unterstützen, die nötigen Fördermittel für die Umverlegung der Kreisstraße zu generieren.

Die Sicherung der B 97 in der Tieflage bei Spreetal soll fünf bis zehn Jahre dauern. Was sagen Sie den Blunoern, durch deren Dorf sich der Umleitungsverkehr wälzen könnte und die schon jetzt auf 180 sind? Was macht die Ortsumfahrung von Bluno, die ja im Bundesverkehrswegeplan steht?

Mit der Bürgerinitiative und dem Ortschaftsrat sind wir als Gemeinde nah dran am Projekt Ortsumfahrung. Es ist ja so, dass dieses Vorhaben von der Sächsischen Landesplanungsgesellschaft in der Varianten-Betrachtung vorangeplant wird. Bis vor Kurzem gab es noch eine Variante, bei der die jetzige Ortsdurchfahrt mit ins Kalkül gezogen wurde. Diese ist aber jetzt nach Aussage der Planer vom Tisch.

In welche Richtung wird nun geplant?

Man konzentriert sich nur noch auf die ortsumfahrenden Varianten. Es ist für uns und insbesondere die Blunoer ausgesprochen wichtig, dass wir einen Planungsstand haben, der uns in die Lage versetzt, belastbar Mittel-Anträge nach dem Strukturstärkungsgesetz zu stellen. Wenn es rein nach dem Bundesverkehrswegeplan geht, haben wir in den nächsten Jahren keine Chance, an die Reihe zu kommen.

Mit Strukturwandel-Geldern soll also alles beschleunigt werden?

Richtig, es ist wichtig, dass überhaupt etwas passiert. Und es ist genauso wichtig, dass etwas passiert, bevor die Tieflage der B 97 neu gebaut wird. Ziel muss es sein, die Realisierung der Ortsumfahrung zu forcieren. Und das sagen wir auch den Blunoern.

Anderes Thema: Da der Spreetaler See noch viele Jahre nicht nutzbar sein wird, stellt sich die Frage, wo das Jetski-Fahren ab 2022 möglich sein soll? Nach der Saison 2021 soll ja im Bereich der jetzigen Strecke auf dem Partwitzer See mit dem Bau der Mole für den Schiffsanlieger begonnen werden ...

Als der Jetski-Standort am Geierswalder See aufgegeben werden musste, stand der eigentlich dafür vorgesehene Spreetaler See noch nicht zur Verfügung. Das sollte erst 2018 oder 2019 der Fall sein. Da habe ich schon gesagt, dass wir aufpassen müssen, dass sich die Jetski-Szene nicht aus dem Lausitzer Seenland verabschiedet. Daraufhin haben wir mit der privaten Grundstückseigentümerin am Partwitzer See vereinbart, dass die Jetski-Anbieter dort ihre Zwischenlösung etablieren konnten. Wir wollen jetzt aber angesichts der aktuellen Entwicklung prüfen, inwieweit der Standort für das Jetski-Angebot ein Stück am Seeufer in nördliche Richtung verlagert werden kann, sodass er nicht mit der Baustelle in Konflikt gerät. Das ist im Moment die Vorzugsvariante. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir die Jetski-Szene unbedingt im Seenland halten müssen.

Was sagen Sie zur Entwicklung an den benachbarten Seen?

Wie befinden uns im interkommunalen Wettbewerb. Und da stimmt es mich sehr unglücklich, wenn ich sehe, dass die Strände am Senftenberger See top sind, dass der Strand am Großräschener See top ist und nächstes Jahr fertig wird, dass am Sedlitzer See in Lieske und am Sedlitzer Ufer die Strände ebenfalls top sind – und wir auf sächsischer Seite bleiben auf der Strecke. Hier fehlt mir die Bereitschaft unserer Landesregierung, sich kreativ mit einzubringen. Vielmehr wird uns immer erst einmal erklärt, wie etwas nicht geht.

Welche größeren Maßnahmen hat die Gemeinde 2020 in den Orten realisiert?

Die bauliche Abnahme nach der Sanierung der Trauerhalle und Friedhofskapelle auf dem Friedhof Bergen ist vor wenigen Tagen erfolgt. Am Geierswalder See haben wir eine sehr ansprechende Wanderschutzhütte An der Windspitze errichtet. Es wurde relativ viel im Straßenbau erledigt. Dazu gehört unter anderem das wichtige Verbindungsstück zwischen der B 156 bis zur Landesgrenze in Richtung Proschim. Asphaltarbeiten erfolgten auf der Zufahrt zum Bereich der Kortitzmühle, in Nardt passierte das auf der Straße an den Linden, wo gleichzeitig ein Regenentwässerungs-Problem behoben wurde. Am Thrunegraben in Nardt wurde eine Profilierung vorgenommen. Straßenbauarbeiten gab es in fast allen Ortsteilen. In Tätzschwitz haben wir die Fenster in der Heimatstube erneuert. In Geierswalde wurde eine behindertengerechte Toilettenanlage eingebaut sowie der Gesellschaftsraum und die Küche umgebaut. Das geschah unter der Regie des Ortschaftsrates. Außerdem ist es gelungen, Geld für den Spielplatz in Geierwalde über den Mitmachfonds zu akquirieren. Die ersten Spielgeräte sind schon da, die letzten werden im Januar kommen. Die erste malertechnische Instandhaltung der Gemeindeverwaltung nach 20 Jahren wurde kürzlich abgeschlossen. Es gab auch gleich einen neuen Fußbodenbelag. In den Feuerwehrbereich sind ca. 60.000 Euro geflossen, den Hauptteil des Geldes für zwei Abgasabsaugvorrichtungen für die Fahrzeughallen in Bluno und Klein Partwitz.

Was haben die Orte 2021 zu erwarten?

Wir werden in Tätzschwitz die Heizung in der ehemaligen Ortsteilverwaltung erneuern müssen. Das ist bereits angeschoben. Gerade was die Straßeninstandsetzung betrifft, so werden wir wieder in der Lage sein, einige Abschnitte in Ordnung zu bringen. Man wird wieder überall etwas sehen. Und ich hoffe natürlich, dass wir sichtbar vorankommen mit der Erschließung der Südböschung. Ein ganz wichtiger Wunsch ist natürlich auch, dass wir im Herbst mit dem Bau der Mole für den Schiffsanleger auf dem Partwitzer See beginnen können. Es ist äußerst wichtig, dass es dort ein wahrnehmbares Zeichen gibt, dass es keinen Stillstand am See gibt. Der See ist zwar per Boot und Schiff erreichbar, es gibt aber de facto keine Möglichkeit, irgendwo vernünftig anzulegen. Das kann es doch nicht sein. Und wir wollen im Januar auch den nächsten Förderantrag stellen, für die Erschließung des B-Plan-Gebietes „Servicegelände“ am Geierswalder See, also für den Bereich, wo sich bereits ein Schiffsanleger befindet. Auch das wird ein Vorhaben im Umfang von mehreren Millionen Euro.

Interview: Ralf Grunert

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