SZ + Hoyerswerda
Merken

Der lange Atem des Herbstes

Wochenlang hat man es im Zoo Hoyerswerda mit viel Laub zu tun, dann kommt schon der Winter.

Von Uwe Schulz
 4 Min.
Teilen
Folgen
Klaus Rammel und Kollegen von der Technik der Zookultur haben es bis in den Dezember mit Laub zu tun. Die ersten Winterdienste waren aber auch schon zu leisten.
Klaus Rammel und Kollegen von der Technik der Zookultur haben es bis in den Dezember mit Laub zu tun. Die ersten Winterdienste waren aber auch schon zu leisten. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Mitte Dezember, zum dritten Advent, da denkt doch kein Kleingärtner oder Grundstückseigentümer mehr wirklich an Laub. Winterfestmachung ist längst abgeschlossen. Aber im Zoo Hoyerswerda ist das etwas anders. Auf dem sechs Hektar großen Areal mit seinem üppigen Baumbestand endet die gut zweieinhalb Monate dauernde Laubberäumungssaison erst jetzt. Und es ist ein direkter Übergang vom Herbst- auf den Winterbetrieb für die technische Abteilung.

Ende September werden die ersten Laubblätter zusammengefegt und dann geht es immer so weiter. Dreimal pro Woche werden dann die Wege gereinigt, das Laub bläst man meist an die Seite oder sammelt es auf der großen Zoowiese. Oder man verlädt es gleich in Schubkarren und bringt es zu einem der bereitstehenden Container, in denen es gesammelt wird. Wer öfters Laub harkt, der weiß, dass sich das Volumen beim Lagern schnell reduziert. Also werden die Container nicht gleich abgeholt, wenn sie das erste Mal voll sind, sondern erst, wenn nichts mehr hineinpasst. Zoo-Sprecherin Stefanie Jürß und der Technische Leiter Christian Trunsch sind sehr froh, dass beim Herbstputz durch die Zoofreunde Hoyerswerda stets eine große Menge Laub abgeharkt und in die Container gebracht wird. Doch das macht nur rund 25-30 Prozent des gesamten Herbstlaubs aus. In den Gehegen dürfen und müssen die Tierpfleger ran, es sei denn, es handelt sich um eine Anlage wie beispielsweise der Mandschurenkraniche. Und ganz zum Schluss im Dezember widmen sich die Techniker und die Gärtner dem Laub in den Bereichen, die weder den Besuchern noch den Zootieren zur Verfügung stehen, also beispielsweise der Sicherheitsbereich zwischen Bärenanlage und Außenzaun. Und auch die Anlagen der Pelikane oder Flamingos werden erst, wenn die Tiere ins Winterquartier gebracht wurden, gründlich von Laub gereinigt.

Besonderes Augenmerk gilt den Dächern der Ställe und Tierunterkünfte. Die haben teilweise kaum eine Dachneigung, und auf einigen von ihnen bleibt das Laub bis zu 20 Zentimeter dick liegen. Wenn man nicht aufpasst, wird das schnell zu Humus. Dauerhaft stehende Feuchtigkeit und natürlich auch das Gewicht (wenn man dann vielleicht noch mit üppiger Schneelast rechnen muss) sind nicht förderlich für ein Dachleben. Und auch sämtliche Wassereinläufe, ob nun an Dächern oder im Boden, müssen freigehalten werden, wenn man nicht böse Überraschungen oder hohe Folgekosten provozieren will.

Hinzu kommen Sondereinsätze zum Beispiel nach Sturmschäden wie im Oktober. Da war so viel Holz, auch bedingt durch die dreijährige Trockenphase, abgebrochen, dass der Zoo für 1.000 Euro Extrakosten dieses entsorgen musste. Unabhängig von den Laubcontainern, die im Herbst gefüllt werden, wird jede Woche ein großer Container voller Mist abgefahren. Hinzu kommt noch ein kleiner, der bei den Zebras steht, damit der schwere Mist nicht erst allzuweit von den Pflegern transportiert werden muss. Um gut durch den Winter zu kommen, werden alljährlich in den verschiedenen Depots rund zehn Tonnen Stroh und rund 30 Tonnen Heu eingelagert. Denn im Winter bekommen nicht nur die Huftiere Einstreu, sondern beispielsweise auch die Stachelschweine und die Fischotter. Und wenn sie nicht gerade im Zoo Augsburg wären, würde auch bei den beiden Braunbären Stroh im Innenstall für mehr Behaglichkeit sorgen.

Ende vergangener Woche ging es im Zoo tatsächlich von einem Tag auf den anderen in den Winterbetrieb über. Wenn Winterdienst ansteht, dann geht es stets für zwei Techniker morgens um 6 Uhr los, um Zuwegungen zu beräumen und den Tierpflegern den Weg frei zu machen. Bis zur Öffnung für Besucher sind natürlich auch die Wege allesamt einmal zu beräumen und gegebenenfalls mit Splitt abzustumpfen.

Christian Trunsch verweist bei der Gelegenheit aber auch auf die Anliegerpflichten der Zookultur. Und das sind im Falle von Zoo und Schloss mehrere hundert Meter vor allem der Straßen Am Burgplatz und teilweise Am Haag, die ebenfalls laut Satzung der Stadt zu beräumen sind. Dafür und für alle anderen großen zu beräumenden Wege hält die Zookultur einen Minitraktor mit Räumschild vor.