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Der lange Weg zum Spielplatzbau

An der Zeißiger Dorfaue soll in wenigen Wochen mit der heiß ersehnten Neugestaltung begonnen werden.

Ortsvorsteher Jens Sarodnik hat mit anderen Zeißigern selbst schon dafür gesorgt, dass ein Teil des Spielplatzes neue Geräte bekommen konnte.
Ortsvorsteher Jens Sarodnik hat mit anderen Zeißigern selbst schon dafür gesorgt, dass ein Teil des Spielplatzes neue Geräte bekommen konnte. © Foto: Mirko Kolodziej

Zeißig. Lutken wohnen in der Erde und hüten die Bodenschätze. Meist sind sie den Menschen wohlgesonnen. Und recht hilfsbereit sollen sie obendrein sein, angenehme Nachbarn sozusagen. All das weiß die sorbische Sagenwelt. Und: Lutken sind recht kleine Leute. Wohl auch deshalb trägt der Zeißiger Kindergarten den Namen „Lutki-Haus“. Man muss wohl genau hinschauen, wenn man die Lutken und die menschlichen Knirpse unterscheiden will.

In Sichtweite der Kita liegt einer der zwei öffentlichen Zeißiger Spielplätze. Eine Adresse hat er schon. Vor reichlich einem Jahr hat die Stadt Hoyerswerda all ihren Spielplätzen eine offizielle Anschrift verpasst, damit im Fall der Fälle der Rettungsdienst genau weiß, wohin er Hilfe zu schicken hat. Nun wird man also in Bälde an der Zeißiger Dorfaue 31 den Lutki-Spielplatz finden können. „Der Kindertag wäre ein passender Eröffnungstermin. Wenn es eher wird, ist es aber natürlich auch schön“, sagt Ortsvorsteher Jens Sarodnik.

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Er räumt ein, der Spielplatz habe ihm über die letzten Jahre durchaus das eine oder andere graue Haar eingebracht: „Das kann man schon so sagen.“ Es war 2014, als die Zeißiger erstmals mahnten, eine Erneuerung sei dringend erforderlich. Die Stadt war in der Folge aus Zeißiger Sicht vorsichtig gesagt nicht immer sehr enthusiastisch bei der Sache. Oder zumindest hatte man im Dorf diesen Eindruck von einigen Leuten, die als Unterstützer für so ein Vorhaben nun einmal vonnöten sind. Inzwischen hat sich das geändert. Jetzt endlich scheint das Ringen ein gutes Ende gefunden zu haben. Denn das Rathaus hat zwei Ausschreibungen für Holzspielgerätebau sowie für Garten- und Landschaftsbau veröffentlicht. Anfang März sollen die Bauarbeiten zwischen dem Dorfteich und dem Zeißighof demnach beginnen.

Holz ist das Material der Wahl

Die Dissonanzen zwischen dem Ortschaftsrat und der Stadtverwaltung drehten sich im Wesentlichen um die Finanzierung und um die Gestaltung. Eine Erneuerung mit Spielgeräten der Ausführungsart 0-8-15 wäre wohl schon drin gewesen. Aber Metall und Plastik in knallbunten Farben passen nicht so richtig auf die Dorfaue, finden die Zeißiger. Sie setzen auf Holz. Während der Diskussionen mit der Stadt haben sie unter der Führung von Sarodnik auch schon gezeigt, wie sie sich das vorstellen. Der Ortsvorsteher höchstselbst betätigte sich als Holzbildhauer. Es entstanden eine Wippe, eine Balancier-Strecke mit Kletter-Stümpfen sowie eine kleine Ecke zum Schule spielen: Ein Holzgestell mit einer Tafel und davor eine Sitzbank für Leute in Lutki-Größe mit Metall-Ranzen an einer Seite.

Fürs Große und Ganze musste Sarodnik hingegen mehrfach öffentlich auf die Unzufriedenheit im Dorf hinweisen. Er hielt im Stadtrat regelrechte Wut-Reden. Das Protokoll der Sitzung vom 25. September 2018 zum Beispiel vermerkt: „Der Spielplatz als solches verfällt immer mehr. Der TÜV legt jedes Jahr mehr Geräte still und es werden immer wieder welche zurückgebaut. Nur dank der Arbeit des Bauhofes hat man überhaupt noch ein Großspielgerät.“ Die Schilderung insgesamt ist recht lang. Die Protokollnotiz dazu endet mit den Worten, „dass der Ortsteil Zeißig über das Zusammenleben mit der Stadt Hoyerswerda absolut unzufrieden ist.“

Irgendwie muss der Druck letztlich wohl Eindruck gemacht haben. Jedenfalls bemühte sich die Stadt schließlich um Fördergeld. Das Problem: Im Haushalt waren für die Erneuerung von Spielplätzen zuletzt 10.000 Euro im Jahr reserviert. Und es war schnell klar, dass man in Zeißig damit nicht hinkommen würde. Also musste von irgendwoher Fördergeld besorgt werden. Zum Ende des letzten Jahres stand schließlich die Finanzierung. Genau 47.936,76 Euro bekommt die Stadt aus dem EU-Förderprogramm für Investitionen im ländlichen Raum – im Verwaltungssprech auch bekannt als Leader. Anfang Dezember gab der Stadtrats-Verwaltungsausschuss die Mittel frei. In den erwähnten Ausschreibungen heißt es nun zum Vorhaben: „Der 855 Quadratmeter große Spielplatz im Nordwesten des Zeißiger Dorfangers soll sich weiterhin harmonisch in das Dorfbild einfügen, weshalb eine Verwendung von Spielgeräten aus naturbelassenem Holz mit einer freien Gestaltung eindeutig favorisiert wird.“

Das Konzept sieht vor, dass die Gesamt-Anlage sich an die schon von Jens Sarodnik gestalteten und 2018 aufgestellten Elemente anpasst. Das Material der Wahl ist also naturbelassenes Robinienholz. Vorgesehen sind unter anderem eine neue Schaukel und ein Großspielgerät. Letzteres wird etwa die Funktionen des jetzigen haben, das 1999 aufgestellt worden war. Sogenannte Lümmelbänke, ein Sandkasten mit Sitzpodest und Federgeräte sollen den Lutki-Spielplatz komplettieren.

Nahrung für Bienen

Die durch Ulrike Kühne vom Hoyerswerdaer Gartenbau-Atelier erstellte Planung sieht vor, die Koniferen in Richtung des Zeißighofes durch neue Sträucher zu ersetzen, welche besonders für Bienen Nahrung bieten. In Richtung des Dorfgrabens ist ein Weidenzaun geplant und an einer Stelle auf dem Gelände ein kleines Hügelchen. Ortsvorsteher Jens Sarodnik hofft auch auf neue Papierkörbe. Denn die beiden, die jetzt auf dem Spielplatz stehen, machen den Eindruck von Altmetall.

Dass der Spielplatz direkt vor dem Zeißighof sowie am Frosch-Radwanderweg zu finden ist, macht ihn nicht nur zu einer Zeißiger Angelegenheit. Jens Sarodnik erzählt, dass auch viele Familien, die das Dorf besuchen, ihre Kinder hier spielen lassen. Der Ortsvorsteher freut sich, dass nach langen Jahren nun ein Problem aus der Welt geschafft wird. Für die Pflege des Holzes mit jährlichem Firniss-Anstrich wollen die Zeißiger schon sorgen.

Und neue Projekte stehen schon an: So haben Diskussionen dazu begonnen, wie wohl die beengte Kita „Lutki-Haus“ am besten zu ersetzen sein wird.

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