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Der Mann in der Kaufhalle

Hoyerswerdas Stadtoberhaupt würde gern einen bestimmten Umzug herbeiführen.

Oberbürgermeister Torsten Rubah-Zeh
Oberbürgermeister Torsten Rubah-Zeh © Archivfoto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Das Thermometer zeigte neun Grad Celsius unter Null, und der Schnee lag mehr als knöchelhoch. Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) und eine Mitarbeiterin von der Bauaufsicht standen am Montag im WK III neben dem Gebäude, das einmal eine Kaufhalle war. „Es machen sich ganz viele Leute Sorgen um Sie“, sagte das Stadtoberhaupt zu einem Mann, der mit seinem Rollstuhl im Türrahmen eines Seiteneingangs stand.

Großflächige Freiheit

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Der Mann lebt nun seit zwölf Jahren in der ehemaligen Kaufhalle an der Herderstraße. Er hat sie damals erworben und ist eingezogen. Für ihn bedeutet sie Freiheit, einige hundert Quadratmeter Fläche zum Leben – unabhängig von einem Vermieter. Es sind schlechte Erfahrungen, die ihn zu der Überzeugung gebracht haben, dass es so besser ist, auch, wenn es drinnen im Winter vielleicht nur zehn Grad plus sind. 2003 hat er seine Wohnung in der Stadtpromenade verloren. Er war der letzte Mieter vor dem Abriss und zog nicht freiwillig aus.

Im November bekam er erstmals Besuch vom frisch ins Oberbürgermeisterbüro eingezogenen Torsten Ruban-Zeh. Das Stadtoberhaupt findet, dass das schon länger recht ramponierte Gebäude sich nicht unbedingt zum menschenwürdigen Wohnen eignet. Er sei im Wahlkampf auf die Kaufhalle angesprochen worden, erzählt Ruban-Zeh – mehrfach. Es ist kein großes Geheimnis, dass sie nicht wenigen Leuten einfach nur als Schandfleck erscheint.

Im März vor fünf Jahren lud Ruban-Zehs Amtsvorgänger Stefan Skora (CDU) zu einer Bürgersprechstunde vor die einstige Kaufhalle ein. Damals rottete auch noch die angeschlossene Ex-Gaststätte „Freundschaft“ vor sich hin. Das Interesse war so groß, dass Skora Mühe hatte, sich den Leuten in der letzten Reihe verständlich zu machen. Er war von rund hundert Menschen umringt. Der Kaufhallenbesitzer war zugegen und musste sich von seinen Nachbarn ziemlich harsche Kritik anhören. Im Ergebnis kaufte die städtische Wohnungsgesellschaft wenigsten die „Freundschaft“, ließ sie abreißen und die zurückbleibende Fläche parkähnlich gestalten.

Angebote an den Mann in der Kaufhalle hingegen fruchteten bisher nicht. Wie zu hören ist, war die Wohnungsgesellschaft bereit, bei einer anderweitigen Unterbringung des inzwischen über-60-jährigen Invalidenrentners ziemlich weitreichende Zugeständnisse zu machen. Sie stießen jedoch auf freundliche Ablehnung. Nun hat sich also Torsten Ruban-Zeh der Sache angenommen. Der Besuch im Schnee war der nun dritte Vor-Ort-Termin.

Zurück nur in die Stadtpromenade!

Der Kaufhallenbesitzer freilich ist weiterhin nicht zu einem Umzug zu bewegen. Höchstens seine alte Wohnung in der Stadtpromenade wäre ihm recht, sagt er nur halb im Scherz. „Die stand schon nicht mehr, als ich 2011 wieder nach Hoyerswerda kam“, entgegnete der Rathauschef. Er will nun monatlich wieder vorbei schauen.

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