SZ + Hoyerswerda
Merken

Der Neuwagen wird zur Geduldsprobe

Chip-Mangel. Corona-Krise ... Automobilwerke können, wird geklagt, nicht wie bestellt liefern an hiesige Autohäuser. Es gibt freilich Ausnahmen.

Von Uwe Jordan
 4 Min.
Teilen
Folgen
Liefersorgen? Nicht beim Dörgenhausener Mitsubishi-Autohaus Nieß. Fachverkäufer Thomas Grebe vor „vollem Hof“.
Liefersorgen? Nicht beim Dörgenhausener Mitsubishi-Autohaus Nieß. Fachverkäufer Thomas Grebe vor „vollem Hof“. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Erinnerungen werden wach an Zeiten, da vom Abgeben der Bestellung bis zur Auslieferung des fabrikneuen Pkw Wartezeiten um die zehn und mehr Jahre als übliche Gepflogenheiten galten. Immerhin hatte man dann Zeit genug, die Endsumme für den Zwickauer Trabant oder den Eisenacher Wartburg anzusparen; Autokäufe auf Kredit waren in der DDR nicht üblich.

Gut, so schlimm ist es derzeit (noch) nicht – aber wer sein Wunsch-Auto, sprich: in einem bestimmten Farbton, mit individueller Ausstattung oder auch nur eines bestimmten Typs haben möchte, ist mitunter zur Geduld aufgerufen. Haupt-Ursache ist die „Chip-Krise“: Automobilhersteller hatten in Zeiten des Überflusses Lieferverträge mit Halbleiterherstellern gekündigt. Die suchten sich daraufhin andere Kunden – und sind nun, da die Fahrzeugwerke wieder händeringend nach den Mini-Bauteilen verlangen, von denen die Herstellung entscheidend abhängt, anderweitig gebunden: Hinten anstellen, bitte! Über 20 Chip-Fabriken sind weltweit im Bau, damit die Lieferketten wieder stabilisiert werden – aber bis diese neuen Werke produzieren, dauert es eben.

Chip-Mangel und Modell-Wechsel

Hinzu kommt der manchenorts praktizierte Modellwechsel, infolgedessen die Produktion „alter“ Typen eingestellt wurde, die Nachfolger aber noch nicht vom Band rollen und so ein Engpass entsteht, den die örtlichen Händler auszubaden haben.

Etwa das Ford-/Volvo-Autohaus Kieschnick im Hoyerswerdaer Autopark: Sechs bis neun Monate müsse ein Kunde, der jetzt bestelle, auf den Neuwagen warten. Immerhin sei für Leasing-Inhaber ein klein wenig Hoffnung: Wer ein Auto geleast hatte und dessen Vertrag nun auslaufe, ohne dass er den kalkulierten „Anschluss“ an den nächsten Neuwagen erreiche, der könne eine Leasing-Verlängerung aushandeln, sagt Betriebsleiter Enrico Trunschke. Allerdings aus rechtlichen Gründen nur bis zu sechs Monate – dann aber sollten die neunen Fords/Volvos verfügbar sein.

Der Nachbar im Autopark, das Autohaus Mosig, sieht sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Bei Dacia und Renault könne man zwar auf Grund des Bestell-Vorlaufs schon georderte Modelle ausliefern, habe auch noch einen Bestand „ab Hof“ – aber wer jetzt neu Anlauf nehme und keinen der vorrätigen Wagen wünsche, sondern ein individuell gefertigtes Stück, müsse mit einem halben Jahr Wartezeit rechen. Holger Spies, der Geschäftsführer der Nissan-Sparte beim Autohaus Mosig, konnte ein bisschen bessere Zahlen verkünden: Circa drei Monate, also bis Februar/März 2022, könne es dauern, bis ein Neubesteller sein Wunschmobil erhalte. Auch hier gelte: „Das hängt von der Ausstattung ab“. Vor allem davon, welche elektronischen Assistenzsysteme verlangt werden, die wiederum von der Chip-Verfügbarkeit im Herstellerwerk abhängig seien.

Ungewiss scheint die Situation beim Autozentrum Bläse. Lothar Bläse sagt, er könne zwar Suzukis bestellen – aber wann die geliefert würden, sei nicht absehbar und liege völlig im Ermessen der Fabrik. Immerhin eine Gewissheit gibt es, wenngleich eine unschöne: Der Jimny, ein sehr gefragter leichter Geländewagen, sei zur Zeit nicht lieferbar.

Nicht ganz so dramatisch stellt sich die Situation im Citroën-Autohaus „Am Wasserturm“ dar. Inhaber Lars Eibisch räumt zwar ein, der Hof sei „leerer als sonst“; da auch der Gebrauchtwagenmarkt als Folge der Nichtverfügbarkeit von Neuwagen angezogen habe; auch seien, modellabhängig, längere Lieferzeiten nicht auszuschließen, aber es gebe ein klares Versprechen: „Wir lassen unsere Kunden nicht im Regen stehen oder gar zu Fuß laufen.“ Es würden Lösungen gefunden; Leasing-Verträge beispielsweise könnten verlängert werden.

Die Diamanten strahlen

Völlig unangefochten scheint man nur bei Mitsubishi. Im Dörgenhausener Autohaus Nieß weiß Fachverkäufer Thomas Grebe, dass es bei einzelnen Modellen zwar auch Wartezeiten von drei Wochen bis zu drei Monaten geben könne, aber generell seien alle Typen da. Zwar in einer schmaleren Palette, da Mitsubishi sich 2022 neu aufstelle, aber generell stünden die Autos mit den drei Diamanten im Firmenlogo bereit – so wie es Christian Andersen, General Manager Marketing & PR bei Mitsubishi in Friedberg, am 27. November, versprochen hatte: „Wer heute ein Fahrzeug unserer aktuellen Modellpalette kauft, erhält es in weniger als zwei Monaten.“

P.S.: Der Vollständigkeit halber sei angemerkt: Das Autohaus Elitzsch erteilte unter Berufung auf den „Datenschutz“ keine Auskünfte. // Bei weiteren Autohäusern haben wir mehrfach angerufen bzw. E-Mail-Anfragen gestellt, allerdings nicht mit den zuständigen Mitarbeitern sprechen können bzw. keine Antworten erhalten.