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Der Schatz von Lauta

Die Stadt sieht eine Chance, die Abwärme der Verbrennung in der T. A. Lauta zur Errichtung eines Fernwärmenetzes zu nutzen.

Von Ralf Grunert
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In der Thermischen Abfallbehandlungsanlage Lauta werden jährlich 225.000 Tonnen Hausmüll, Sperrmüll sowie hausmüllähnlicher Industrie- und Gewerbemüll verbrannt.
In der Thermischen Abfallbehandlungsanlage Lauta werden jährlich 225.000 Tonnen Hausmüll, Sperrmüll sowie hausmüllähnlicher Industrie- und Gewerbemüll verbrannt. © Archivfoto: Uwe Schulz

Lauta. Als „Schatz, den es hier in Lauta gibt“, wurde die bei der Verbrennung in der Thermischen Abfallbehandlungsanlage anfallende Abwärme bezeichnet. Knapp 100 Interessierte erfuhren am Dienstagabend bei einer Einwohnerversammlung, warum das so ist. Derzeit verpufft die Abwärme noch zum größten Teil ungenutzt. „Wir sehen in ihrer Nutzung die realistische Chance für die Fernwärmeversorgung von Lauta, in welchem Umfang auch immer“, fasste Bürgermeister Frank Lehmann nach rund eineinhalb Stunden das zuvor Dargelegte zusammen.

„Jeder für sich soll durchdenken, ob der Anschluss an ein Fernwärmenetz etwas für ihn sein könnte. Irgendwann wird es eine Abfrage geben, wer sich dafür interessiert. Das wird die Grundlage für eine Kalkulation sein, mit welchen Kosten ein Anschlussnehmer zu rechnen hat. Erst dann müssen sich die Bürger (und Unternehmer) entscheiden“, so der Bürgermeister, der versicherte: „Es wird keinen Anschluss- und Benutzungszwang geben.“

Erstmals öffentlich vorgestellt wurde am Dienstag das Ergebnis einer Studie mit der sperrigen Bezeichnung „Energetisches Quartierskonzept für das Stadtumbaugebiet Lauta“. Als der Stadtrat im November 2020 die Erarbeitung beschlossen hat, waren nicht alle Stadträte Feuer und Flamme, erinnerte der Bürgermeister bei der Einwohnerversammlung. „Heute können wir sagen: Alles richtig gemacht“, verwies er auf die aktuelle weltpolitische Lage. „Wir brauchen in der Kommune weniger Ideologie, sondern vielmehr Pragmatismus. Wir brauchen tragfähige Lösungen für unsere Stadt.“ Frank Lehmann betonte, dass es drei Themenschwerpunkte gebe, die da heißen: Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit, Bezahlbarkeit. „Und das im Gleichklang, nicht im Ungleichgewicht.“

Bei der Erarbeitung des Quartierskonzeptes betrachteten die Experten der seecon Ingenieure GmbH und der KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland das Untersuchungsgebiet Lauta-Nord und Teile von Lauta-Süd sowie Laubusch mit Ausnahme der Siedlung. Sie untersuchten unter anderem, wie Energie alternativ angeboten werden kann und wie Objekte energetisch saniert werden können. Sie erstellten ein Solardachkataster. Das wird demnächst auf der Stadt-Homepage (www.lauta.de) veröffentlicht. Da kann jeder nachschauen, ob und in welchem Umfang das Dach seines Hauses geeignet ist. „Und wir haben uns auch mit der Möglichkeit der Abwärme-Nutzung der TA Lauta auseinandergesetzt“, so der seecon-Projektleiter Ronny Kutzsch. Denn diese Abwärme erfülle alle drei vom Bürgermeister genannten Kriterien. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet, da die Abwärme rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung steht. Industrielle Abwärme ist als unvermeidbare Abwärme den Erneuerbaren gleichgesetzt, also umweltverträglich. Und was die Bezahlbarkeit angeht, so soll in Lauta versucht werden, die Errichtung eines Fernwärmnetzes über ein Pilotprojekt zu realisieren.

„Das Ziel muss es sein, etwas aufzubauen, was für einen Investor interessant und trotzdem günstiger als eine Einzellösung ist“, so der seecon-Projektleiter. Woraufhin aus der Runde der Einwohner sofort die Frage kam: Wer wird der Investor? „Die Entscheidung, in welcher Konstellation Investitionen und Betreiberschaft erfolgen sollen, ist noch nicht gefallen“, erklärte der Bürgermeister. „Wir müssen erst mal nach Lösungen suchen, wie wir alle, die etwas beisteuern können, in dieses Konstrukt einbringen.“ Dieses Konstrukt trägt den Arbeitstitel „Wärmeverbund Lauta“. Frank Lehmann sprach die nötige Pilotförderung an. „Wir haben die Chance, schnell zum Ziel zu kommen. Bis Ende 2025 kann es gelingen. Aber nur, wenn alle Rädchen ineinandergreifen.“ Soll heißen: Genehmigungsbehörden und Fördermittelstellen müssen mit an einem Strang ziehen. „Wir brauchen eine neue Qualität, ein neues Tempo und die Unterstützung in Dresden und Berlin.“ Sylvio Piatke von der Stabsstelle Strukturwandel im Lautaer Rathaus ergänzte: „Lauta hat die Chance, in kürzester Zeit eine Energiewende hinzubekommen, ein stabiles, neues und bezahlbares Wärmeversorgungssystem aufzubauen.“

Ziel ist es, so der Bürgermeister weiter, möglichst viele Anschlussnehmer zu gewinnen, denn letztlich müsse das Konstrukt auch wirtschaftlich darstellbar sein und bleiben. Momentan gibt es drei Wärmenetze in Lauta und Laubusch, die mit Braunkohlenstaub bzw. Erdgas betrieben werden. „Diese drei vorhandenen Wärmeversorger sind bereit, in den Verbund mit einzutreten“, ließ Silvio Piatke wissen. Und auf Nachfrage versicherte er: „Wenn alle sich anschließen lassen, auch die gesamte Industrie, selbst dann bekommen wir die TA Lauta nicht an die Grenze.“

Rainer Kühne, der Betriebsleiter der TA Lauta betonte, dass es der unbedingte Wille aller Beteiligten ist, dass eine kommunale Lösung für die Wärmeversorgung entsteht. „Letztlich entscheide der Stadtrat, wie es gemacht werden soll“, merkte der Bürgermeister an. „Fördermittel für das Pilotprojekt kann nur die Kommune beantragen. Insofern ist Lauta federführend mit im Boot.“ Die Preise bei einer Fernwärmelösung sollen gegenüber den fossilen Brennstoffen deutlich günstiger ausfallen, erklärte Sylvio Piatke. „Das klappt aber nur mit einer Pilotförderung“, machte der Bürgermeister deutlich. Daran wird gearbeitet.