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Die Borkenkäfer schwärmen wieder aus

15 Prozent des Waldes im Forstbezirk Oberlausitz sind bereits geschädigt. Jetzt sind wieder alle Waldbesitzer gefragt.

Forstbezirksleiter Holm Karraß und Michael Sachon, Leiter des Forstrevieres Räckelwitz, in einem Privatwald bei Königswartha. Mit dieser gut 100-jährigen Kiefer ist der Borkenkäfer fertig. Sie wird jetzt gefällt.
Forstbezirksleiter Holm Karraß und Michael Sachon, Leiter des Forstrevieres Räckelwitz, in einem Privatwald bei Königswartha. Mit dieser gut 100-jährigen Kiefer ist der Borkenkäfer fertig. Sie wird jetzt gefällt. © Foto: Uwe Schulz

Oberlausitz. Probleme bisher nicht gekannten Ausmaßes gefährden seit drei Jahren den Oberlausitzer Wald. Forstschadinsekten suchen die Bäume heim. Die Dynamik des Befalls lässt sich nur schwierig steuern. Der Gesundheitszustand des Waldes ist daher besorgniserregend beeinträchtigt.

„Vor allem in den nicht standortgerechten Fichtenreinbeständen verzeichnen wir mittlerweile große Systemeinbrüche in Form von kahlen und stark aufgelichteten Waldflächen und damit den Verlust komplexer Waldfunktionen, der weit über die Stetigkeit der Holzproduktion hinausgeht. In den Kieferforsten zeichnet sich in der Dimension noch abgeschwächter, aber grundsätzlich eine ähnliche Entwicklung ab“, sagt Holm Karraß. Der Leiter des Forstbezirks Oberlausitz hat die Zahlen parat, basierend auf der Auswertung von Satellitenbildern der europäischen Raumfahrtagentur. Im Oktober 2017 waren im Forstbezirk 1.325 Hektar Wald geschädigt, davon 17 ha komplett frei, also geholzt. Ein Jahr später waren es schon 4.346 Hektar (51 ha frei), im September 2019 registrierte man insgesamt 8.400 Hektar (236 ha frei) und im September 2020 summierten sich die Schadensflächen auf 18.860 Hektar (davon 1.707 ha frei). Das sind 15 Prozent des gesamten Waldbestandes im Forstbezirk, der die Landkreise Bautzen und Görlitz mit Ausnahme der Fläche des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft umfasst. Von diesem 374.300 ha großen Territorium sind 123.244 ha Wald. Das entspricht etwa 24 % des gesamten Waldes im Freistaat Sachsen. Wird sich die Schadensfläche in diesem Jahr erneut verdoppeln? Man weiß es nicht. Holm Karraß hofft es jedenfalls nicht. Der Forstbezirk bittet angesichts der anstehenden Forstschutzsituation alle Waldbesitzer um aktives Handeln. Mit zunehmenden Tagestemperaturen werden ab April die in der Bodenstreu und bei einem sehr zeitigen Frühlingsbeginn bereits Ende März die unter der Rinde noch stehender Bäume überwinternden Borkenkäfer wieder aktiv, heißt es in dem Schreiben. Der Schwärmflug der holzentwertenden Nutzholzborkenkäfer und einiger Arten an der Kiefer beginnt unter Umständen noch zeitiger. Durch die Trockenheit ist es auch beim Laubholz zu Absterbe-Erscheinungen und zur Besiedelung durch Schadorganismen gekommen.

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Bei Temperaturen ab etwa 16 °C beginnen die ersten Schwärmaktivitäten, in deren Folge es zu frischem Stehendbefall mit der Anlage neuer Käferbruten unter der Rinde kommt. Insbesondere nach Süden ausgerichtete Fichtenränder im Vorjahr geschädigter Flächen werden intensiv vom Buchdrucker angeflogen. Abhängig vom Witterungsverlauf wird das Schadgeschehen auch bei Kiefern und Lärchen weiter voranschreiten. Bei weiter gering ausfallenden Niederschlagsmengen werden auch Laubhölzer zunehmend durch Trockenheit direkt geschädigt bzw. für andere Schadfaktoren anfällig.

„Es bleibt also weiterhin wichtig, das Geschehen aufmerksam zu beobachten und beim Auftreten der bekannten Symptome tätig zu werden. Achten Sie daher auf Einbohrlöcher in der Rinde, auffälligen Harzfluss, Bohrmehl, Spechtabschläge und im Frühjahr auf nicht austreibende Laubbäume“, so Holm Karraß weiter.

Demnach sollten sich Waldbesitzer laufend einen Überblick über den aktuellen Zustand ihrer Waldflächen verschaffen, was einen Abstand von zwei bis vier Wochen meint, weil sich der Befall durch die hohe Vermehrungsrate ständig ausdehnt. Kontrolle ist nur das eine. Entdeckt man Befall mit rindenbrütenden Schädlingen, ist zu handeln. Solche Bäume sind zu fällen und noch vor Ausflug der Käfer aus dem Wald zu transportieren. Was wiederum bedeutet, man muss sich um Holzlagerung, Transport, Holzverkauf kümmern.

Rindenfreie Bäumen, aus denen die Käfer bereits ausgeflogen sind, kann man freilich stehen lassen. Allerdings ist jetzt schon absehbar, dass flächiges Totholz auf Dauer auch problematisch wird.

Die im Sächsischen Waldgesetz verankerte Wiederaufforstungsverpflichtung ist dann das nächste Thema. Holm Karraß weiß, das mancher jetzt einfach auf Naturverjüngung setzt. Laut dem Forstbezirks-Chef ist das bis zu einer Größe unter 0,3 ha eine sinnvolle Wiederbewaldungsoption, wenn genügend standortgerechte Baumarten für die Aussamung zur Verfügung stehen und es die Bodenverhältnisse zulassen. Bei größeren Flächen sollte man laut Karraß eine Wiederaufforstung mit standortgerechten Baumarten in Erwägung ziehen und dafür unter Umständen zur Verfügung stehende forstliche Fördermittel beantragen. Und dabei empfehlen die Förster definitiv nicht mehr die Anlage von Kiefer- und Fichten-Reinbeständen, sondern von Mischwäldern. „Diese mögen hoffentlich klimaangepasster stabil in die Zukunft wachsen, um auch nachfolgenden Generationen in vielfältiger Nutzung zur Verfügung zu stehen“, so Karraß.

Da die meisten Waldbesitzer nur kleine Flächen besitzen, empfiehlt der Forstbezirk, sich bei den Maßnahmen mit weiteren Waldbesitzern abzustimmen oder mit einer Forstbetriebsgemeinschaft Kontakt aufzunehmen: „Gemeinschaftlich lassen sich die Aufgaben besser bewältigen.“ Informationen und Hilfestellungen findet man zum Beispiel im Waldbesitzer-Portal unter www.sachsenforst.de. Über die dortige Förstersuche erhält man auch die Kontaktdaten zum zuständigen Beratungsförster von Sachsenforst. Bei Fragen zum Forstrecht oder zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln steht die Forstbehörde des Landkreises zur Verfügung.

Die reinen Fichten- und Kiefernbestände haben sich in den letzten Jahren als nicht zukunftsfähig erwiesen. Neue Wälder in der Lausitz sehen dann wohl eher so aus – eine Mischung aus verschiedenen Laub- und Nadelbäumen.
Die reinen Fichten- und Kiefernbestände haben sich in den letzten Jahren als nicht zukunftsfähig erwiesen. Neue Wälder in der Lausitz sehen dann wohl eher so aus – eine Mischung aus verschiedenen Laub- und Nadelbäumen. © Foto: Forstbezirk

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