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Die Crux mit den Nachträgen auf dem Bau

Bei der Sanierung der Grundschule am Laubuscher Markt wird nicht nur zusätzlich gezahlt, sondern auch eingespart.

Aus Gründen des Arbeitsschutzes musste dieser Holzsteg auf 190 Metern Länge im Dachboden errichtet werden. „Die Zimmerer haben ausgezeichnete Arbeit geleistet“, so lautet die Einschätzung von Bürgermeister Frank Lehmann.
Aus Gründen des Arbeitsschutzes musste dieser Holzsteg auf 190 Metern Länge im Dachboden errichtet werden. „Die Zimmerer haben ausgezeichnete Arbeit geleistet“, so lautet die Einschätzung von Bürgermeister Frank Lehmann. © Foto: Stadtverwaltung Lauta

Lauta/Laubusch. Laut einer Ende Januar erfolgten Hochrechnung wird die Sanierung der künftigen Laubuscher Grundschule am Markt 10.040.096 Euro kosten. Diese Zahl nannte Lautas Bürgermeister Frank Lehmann in der jüngsten Sitzung des Stadtrates. Darin enthalten sind auch die knapp 50.000 Euro, die der Stadtrat wenige Minuten zuvor für Nachtragsangebote dreier Gewerke beschlossen hat. Das geschah zwar in allen drei Fällen mit großer Mehrheit, allerdings nicht ohne die bei der Entscheidung über Nachträge inzwischen übliche Diskussion.

Das betraf im konkreten Fall die Sanierung des Klinkersockels am Gebäude und Zimmererarbeiten im Dachboden. Beim Sockel hatte sich nach der Reinigung gezeigt, dass ein anderes als das ursprünglich beauftrage Verfugungsverfahren zum Einsatz kommen sollte, um einen einheitlichen Anblick sicherzustellen. Die zusätzlichen Zimmererarbeiten resultieren aus Anforderungen des Arbeitsschutzes. Sie betreffen die Errichtung eines 190 Meter langen Laufstegs im bis zu acht Meter hohen Dachboden. Die Nutzung einer Leiter für die Montage und Wartung der Rauchmelder ist bei dieser Höhe nicht zulässig.

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„Hat da jemand nicht ordentlich geplant?“, fragte Hubert Förster (Freie Wähler) mit Blick auf den Klinkersockel. Auch wollte er wissen, ob es für die zusätzlichen Arbeiten Fördermittel gibt. „Der Nachtrag wird in den Nachförderungsantrag aufgenommen. Wir gehen davon aus, dass das förderfähig ist“, erklärte der Bürgermeister. Was mögliche Versäumnisse bei der Planung angeht, so erinnerte er daran, dass es gerade bei der Sanierung von Bestandsbauten nicht selten vorkommt, dass man im Nachhinein schlauer ist. Allerdings versicherte Bauamtsleiterin Katrin Peter: „Wir schlagen hier nur Dinge vor, die bautechnisch wichtig und richtig sind.“

Der Kritik von Günter Schmidt, wonach jedes Mal Nachträge kommen, begegnete der Bürgermeister mit dem Hinweis, dass es auch Lose gebe, bei denen man unter den veranschlagten Kosten geblieben ist. „Dass alles aus dem Ruder läuft, das kann ich hier nicht erkennen“, betonte er.

Um künftig Nachträge zu vermeiden, schlug Hubert Förster vor, nicht mehr nur den preiswertesten Anbieter zu beauftragen. „Wenn wir mit Fördermitteln arbeiten, müssen wir den günstigsten Anbieter nehmen“, verwies der Bürgermeister auf die Rechtslage. „Ohne unangreifbare Argumente können wir den günstigsten Anbieter nicht ablehnen.“ Zumal in einem solchen Fall davon auszugehen ist, dass der Bieter vor die Vergabestelle zieht. Er sei auch nicht glücklich über Nachträge, versicherte Frank Lehmann und kündigte an, dass man in Zukunft darüber nachdenken müsse, ob vor einer Auftragsvergabe zusätzliche Gutachten angebracht sind, um eine genauere Bauerkundung zu sichern.

Die sprichwörtliche Asche auf sein Haupt streute sich der Bürgermeister hinsichtlich des erwähnten Laufstegs. Der ist nämlich bereits fertiggestellt, sodass der Stadtrat die entsprechende Auftragsvergabe nur noch nachträglich beschließen konnte. „Warum sind wir nicht vorher informiert worden?“, wollte Mathias Matz (Freie Wähler) wissen. „Das haben wir versäumt“, bedauerte Frank Lehmann. Positiver Nebeneffekt der zeitnahen Beauftragung der Zimmererfirma, nachdem das Problem im Dezember aufgetaucht war: Weil sich das gut in den Bauablauf einpassen ließ, blieben der Stadt Mehrkosten erspart, die zu einem späteren Zeitpunkt fällig gewesen wären. Die Nachbeauftragung schlägt mit rund 10.500 Euro zu Buche.

Keine Diskussion gab es hingegen über den Bau eines Podestes mit beidseitiger Rampe am Turnhalleneingang, um einen Höhenunterschied von 13 Zentimetern auszugleichen. Dieser Höhenunterschied resultiert aus der Entscheidung, auf den eigentlich vorgesehenen Abbruch der Bodenplatte in der Turnhalle zu verzichten. „Die Kosten für die Entsorgung wären um ein mehrfaches höher als der jetzige Nachtrag (knapp 16.500 Euro – Anm. d. Red.) gewesen“, erinnerte der Bürgermeister.

Zur Abrundung der Grundschul-Thematik informierte Bauamtsleiterin Katrin Peter über den erst vor wenigen Tagen angepassten Terminplan. Demnach sollen die Hauptgewerke ihre Arbeiten im Juni abgeschlossen haben. Im Juli ist die Reinigung geplant, im August die Möblierung. Der Fertigstellungstermin wird der 24. August 2021 sein. So jedenfalls steht es auf einem Dokument, mit dem die vor wenigen Tagen im Turm der Schule versenkte Zeitkapsel (TAGEBLATT berichtete) bestückt ist.

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