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Die Geschichte des Stadtfernsehens

Was als Hoy-TV begann, ist heute zur Lausitzwelle gewachsen. Ein Rück- und Ausblick mit den Machern.

Hans-Peter Schreiber (l.) und Bernd Wogawa haben über die Jahre den lokalen Fernsehsender zu einem regionalen Radiosender ausgebaut. Umgebaut wird im kommenden Jahr ihr Studio.
Hans-Peter Schreiber (l.) und Bernd Wogawa haben über die Jahre den lokalen Fernsehsender zu einem regionalen Radiosender ausgebaut. Umgebaut wird im kommenden Jahr ihr Studio. © Foto: Angela Donath

Von Angela Donath

Hoyerswerda. „Ach, das war ja noch im Wohnzimmer!“ Hans-Peter Schreiber, geschäftsführender Gesellschafter der Lausitzwelle – Radio und TV, und Bernd Wogawa, seit November 1993 einer der Hoyerswerdaer Fernsehleute, lachen, als sie das Schwarz-Weiß-Zeitungsfoto aus dem Jahr 1996 betrachten. Die Frage „Wieso Wohnzimmer?“ beantworten die beiden – getrennt voneinander befragt – so: „Na, weil der Raum im damaligen Studio in der Rathenaustraße mal ein Wohnzimmer war“, sagt der Chef. Bernd Wogawas spontane Antwort lautet: „Weil wir den ganzen Tag – vom frühen Morgen bis in den Abend hinein – dort verbracht haben.“

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Eine Handvoll Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen waren sie damals: lokale Fernsehmacher, Außendienstmitarbeiter, Redakteure, Nachrichtensprecher; Kameramänner bzw. -frauen oder Techniker. Weil sie alle neu waren, heute würde man sie wohl Seiteneinsteiger nennen, hatten sie alle vom Metier „Stadtfernsehen in Hoyerswerda“ gleich viel – oder je nach Sichtweise gleich wenig – Ahnung. Und: Fast alle probierten notgedrungen mal alles.

Eine bekannte Stimme

Bernd Wogawa war vorher Elektriker in der Schaltwarte in Laubusch. Als dort das Licht ausging, war es bei Hoy-TV gerade angeknipst worden – das war am 20. Januar 1993. „Ich hatte mich bei Hoy-TV beworben, keine Ahnung, was mich erwarten könnte. Ich wusste nur, dass ich unterhalten kann. Ich hatte schon vorher ‚Disco gemacht‘.“ Wogawa war nebenberuflich Schallplattenunterhalter, wie es damals hieß, sogar mit Berufsausweis. „Ja, reden können wir“, wirft Hans-Peter Schreiber lachend ein. Wogawas Stimme kennt man heute in der ganzen Lausitz.

Seinen Anfang hatte der Sender zunächst im Fahrradkeller des längst abgerissenen Hochhauses Bautzener Allee 32. Der erste Aufstieg folgte wenig später, einen Treppenabsatz rauf in die erste Etage des Hauses, gleich gegenüber dem damaligen Karstadt gelegen. Die Hoyerswerdschen, es waren zu dieser Zeit noch über 60.000, liebten ihren Sender: Nachrichten aus der Stadt, Künstler, die jeder kannte, Werbung in und für Hoyerswerda, gemacht von Leuten, die man ebenfalls kannte und auch mal auf der Straße ansprechen konnte – das war neu und gut. Zum Überleben hätte das bei aller Begeisterung nie reichen können. Hoy-TV musste wachsen, das Sendegebiet musste sich vergrößern.

Ab 1998 kam die Region um Kamenz dazu, KM-TV hieß der Sender dort, zu empfangen war er nun unter anderem auch in Bernsdorf und endlich auch im Hoyerswerdaer Ortsteil Knappenrode. Weitere Pläne lagen da schon in der Luft. Mirko Kolodziej, heute Reporter beim TAGEBLATT, soll nach Volontariat sowie beruflichen Anfängen bei Radio PSR während seiner Stipvisiten in der Heimat immer mal wieder zu Hans-Peter-Schreiber gesagt haben: „Wenn du mal Radio machst…“

Die Chance für den Sender und für den jungen Mann, der Radionachrichten liebte, kam im Januar 2002. Eine Radiofrequenz war ausgeschrieben worden, die Hoyerswerdaer bekamen den Zuschlag. „Mirko ist schuld“, sagt Hans-Peter Schreiber heute und man spürt: Die Entscheidung war richtig. Aus dem ehemaligen Hoy-TV war nun die Elsterwelle geworden, zu hören und zu sehen links und rechts der Schwarzen Elster und darüber hinaus.

Aus der Elster- wurde die Lausitzwelle

Das Gebiet wuchs bis hinein nach Brandenburg, zwischenzeitlich waren die Hoyerswerdaer sogar im Raum Bitterfeld präsent. Unvorbereitete Hoyerswerdaer Besucher in Dessau hielten beim Anschalten des Hotelfernsehers erstaunt inne, als sie Mirko Kolodziejs Stimme erkannten…Seit Januar 2018 heißt das Unternehmen „Lausitzwelle“. In Görlitz war eine Lizenz frei geworden, es ergab sich die Chance, für die ganze Lausitz zu senden. Hans-Peter Schreiber ergriff sie. Das Sendegebiet erstreckt sich auf die Kreise Bautzen und Görlitz. Aus der Handvoll Mitarbeiter sind 18 geworden, freie Mitarbeiter arbeiten in Zittau und in Elsterwerda. Das Wohnzimmer in der Rathenaustraße ist Geschichte. Dort wird wieder gewohnt. Radio und auch Fernsehen werden jetzt in der Schulstraße 15 in Hoyerswerda gemacht.

Neues Studio kommt

„Wie recherchiert man denn Beiträge für dieses große Gebiet?“, wird Bernd Wogawa gefragt. „Na, so wie immer. Es gibt viele Pressemitteilungen, Hörer oder Zuschauer rufen an, man erfährt etwas, dem man nachgehen muss. Auf einen ersten Spatenstich folgt eine Grundsteinlegung, ein Richtfest, eine Einweihung. Da braucht man gute Wiedervorlagen! Hinzu kommt für Recherchen auch das Internet, und kleine Filmproduktionen und Werbung wollen erstellt werden. Meine Arbeit hat sich insofern verändert, dass ich viel mehr Radio mache. Ich bin nicht mehr mit der Kamera unterwegs.“

Sein Tag im Sender beginnt morgens 5.15 Uhr, von 14 bis 18 Uhr werden neue Beiträge vorbereitet. Insofern hat der Begriff „Wohnzimmer“ auch heute noch Berechtigung. Bernd Wogawa lacht. „Ja, so is’ es wohl. Aber es war nie langweilig, der Job war und ist spannend.“

Sein Chef Hans-Peter Schreiber versichert: „Das bleibt auch so. Ab Januar 2022 werden wir ein neues Studio einrichten. Radio ist immer mehr nachgefragt, wir müssen weiter alle Vertriebskanäle nutzen.“ Wenn es so weit ist, wird sicher wieder ein Foto für die Berichterstattung und Nachwelt gemacht. Nicht mehr schwarz-weiß, aber gern wieder von dem Mann mit der Stimme der Lausitz, seinen Chefs und dem Team drumherum.

So sah das Aufnahmestudio von Hoy-TV im März 1996 aus. Vor über 25 Jahren war schon Bernd Wogawa vor und Peter Schreiber hinter der Kamera.
So sah das Aufnahmestudio von Hoy-TV im März 1996 aus. Vor über 25 Jahren war schon Bernd Wogawa vor und Peter Schreiber hinter der Kamera. © Archivfoto: Uwe Schulz

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