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Die Härtefallkommission überzeugt

Eine Flüchtlings-Familie aus Indien darf dieser Tage auf eine Zukunft in Hoyerswerda hoffen.

Das Ehepaar Patel, hier mit Birgit Radeck und Jörg Michel vom Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ kann für sich und seine Töchter Hoffnung auf eine Bleibeerrlaubnis haben. Sachsens Härtefallkommission hat sich jedenfalls vor ein paar Tage
Das Ehepaar Patel, hier mit Birgit Radeck und Jörg Michel vom Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ kann für sich und seine Töchter Hoffnung auf eine Bleibeerrlaubnis haben. Sachsens Härtefallkommission hat sich jedenfalls vor ein paar Tage © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Ein wenig an Romeo und Julia erinnert die Geschichte von Priyanka und Amit Patel. Die Montagues und die Capulets wären in diesem Fall die Kshatriyas und die Vaishyas – indische Kasten, zwischen denen Eheschließungen nicht unbedingt gern gesehen sind. Priyanka und Amit Patel freilich sind nun 15 Jahre verheiratet. Ihre Verwandten haben es ihnen nicht leicht gemacht.

Die Eheleute erzählen von psychischem Druck und auch von körperlicher Gewalt. Nicht einmal ein Umzug aus dem heimischen Bundesstaat Gujarat ins benachbarte Rajasthan brachte Ruhe. „Sie sind uns gefolgt. Wir waren sehr unglücklich“, berichtet Priyanka Patel.

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Also verkaufte Amit Patel 2016 schließlich sein Ackerland, und mit dem Erlös machten sich die Eheleute mit ihren zwei Töchtern auf den Weg nach Europa. „Wir wollen, dass unsere Kinder eine gute Zukunft haben“, sagt Priyanka Patel. Die Organisation SOS-Kinderdörfer bringt auf den Punkt, was die junge Mutter meint: „In Indien gelten Mädchen vielen als Last und Fluch. Denn wer Töchter hat, muss sie mit einer Mitgift ausstatten, die sich arme Familien nicht leisten können. Wer Söhne verheiratet, bekommt dagegen eine Mitgift.“ Amnesty International, in Indien gerade unter Druck, berichtet über jede Menge Straftaten an Frauen und Mädchen.

Fotos mit dem Regierungschef

Über Leipzig, Chemnitz und Schneeberg landete Familie Patel schließlich im Asylbewerberwohnheim an Hoyerswerdas Thomas-Müntzer-Straße. Es war Dezember, und der Zauber der Adventszeit nahm insbesondere Yashvi (heute 12) und Bhavya (heute 10) gefangen. Nur sind kulturell-gesellschaftlich begründete Repressalien in Indien nicht unbedingt das, was das Gesetz in Deutschland als einzigen Asylgrund festschreibt: politische Verfolgung. Auch ein bewaffneter, militärischer Konflikt, der den Schutz als Kriegsflüchtling rechtfertigen würde, ist aus dem Nordwesten Indiens nicht bekannt. Es gab also 2019 und 2020 von staatlicher Seite zweimal den Versuch, Familie Patel nach Indien zurückzuschicken. Zweimal wurde in letzter Minute jeweils nichts daraus. Und trotz der jeweiligen Verzweiflung im Moment: Priyanka Patel hat beeindruckt, wie korrekt sich die beteiligten Polizisten jeweils verhielten.

Dann schaltete sich schließlich das Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ ein. Denn insbesondere Priyanka Patel hat sich über die letzten Jahre stark eingebracht. „Sie war bei so vielen Veranstaltungen dabei und hat geholfen, hat sich bei Samofa und im Immigrants Network engagiert, war mit im Bundestag und hat sich wirklich Mühe gegeben“, sagt Birgit Radeck vom Bündnis. Es gibt Fotos, die zeigen Priyanka Patel mit Ministerin Petra Köpping (SPD) sowie mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), und im aktuellen Kalender des Marketing-Vereins Hoyerswerda lacht sie vom Oktober-Bild. Auch ihr Mann setzt sich unentgeltlich für Mitmenschen ein, repariert zum Beispiel für andere Flüchtlinge kaputte Technik. „Wenn sie nicht so aktiv gewesen wären, wäre es nicht dazu gekommen“, erklärt Birgit Radek. Dazu – das war eine Petition an die Härtefallkommission des Landes Sachsen. Sie kann, heißt es vom Freistaat, „bewirken, dass vollziehbar ausreisepflichtigen Ausländern aus dringenden humanitären oder persönlichen Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird“. Die Kommission wurde 2005 eingerichtet. Das Ehepaar Patel musste sich persönlich erklären und Unterstützungsschreiben vorlegen.

Eine Unterschrift fehlt noch

Es kamen acht solche Briefe zusammen. Sogar das allgemein als recht streng geltende Ausländeramt des Kreises Bautzen sprach sich für eine Aufenthaltserlaubnis aus. Ende Februar wurde der Fall von der Kommission positiv bewertet und das Vorliegen einer Härte festgestellt. Jetzt liegt die Angelegenheit beim Innenministerium, das letztlich die Ausnahme erlauben muss.

Patels würden sich gern auf Dauer in Hoyerswerda einrichten. Sie mögen die Größe der Stadt und die Mädchen machen schon Berufspläne – was in Indien zumindest deutlich schwieriger wäre.

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