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Die Miez im Baum

Was muss die Feuerwehr in Sachen Tierrettung leisten – und was kommt auf den Halter der Tiere zu?

Bei der Feuerwehr Hoyerswerda kommt dieser DogTrailer der Fa. Würz aus Pfinztal bei Karlsruhe mit zwei separaten Boxen zum Einsatz.
Bei der Feuerwehr Hoyerswerda kommt dieser DogTrailer der Fa. Würz aus Pfinztal bei Karlsruhe mit zwei separaten Boxen zum Einsatz. © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Eine rührende Szene beobachtete unsere Leserin Kersten Flohe dieser Tage von ihrem Fenster in der Hoyerswerdaer Straße des Friedens 29 aus. Eine unvorsichtige Kohlmeise war, wie auch immer, in einen Lichtwerbekasten auf dem Mittelstreifen einer Straße gelangt – aber fand nicht mehr hinaus. Schon wurden die Kräfte schwach bei den verzweifelten Versuchen, das hellerleuchtete Gefängnis wieder verlassen zu können. Da erschien als Retter in der Not die Feuerwehr. Sie öffnete das gläserne Verlies, brachte den ermatteten Vogel zum Tierarzt. Noch mal gut gegangen ...

Ist das Aufgabe der Feuerwehr? – Ja. So steht’s in § 2 des Sächsischen Gesetzes über den Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, Satz 2: „Technische Hilfe ist die Hilfeleistung für Menschen, Tiere, Sachwerte und die Umwelt bei Schäden und öffentlichen Notständen durch Naturereignisse und Unglücksfälle unter Einsatz von Kräften und Mitteln der Feuerwehr.“

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TAGEBLATT sprach mit Benny Bastisch, Fachbereichsleiter Feuerwehr bei der Stadtverwaltung Hoyerswerda und Gemeindewehrleiter, sowie Siegmar Knothe, amtierender Fachgruppenleiter Gefahrenabwehr bei der Berufsfeuerwehr Hoyerswerda.

Herr Knothe, wie viele Tierrettungen hat die Berufsfeuerwehr der Stadt Hoyerswerda 2020 und in den Vorjahren schon leisten müssen?

2017 waren es 55 Fälle, 2018 30, im Jahre 2019 38 und im laufenden Jahr 2020 bis jetzt 53 – aber es fehlen ja noch ein paar Tage bis Silvester.

Muss auch die freiwillige Feuerwehr Tierrettungen leisten?

Ja.

Herr Bastisch, lässt sich in etwa beziffern, was das die Stadt gekostet hat?

Wenn man so will: gar nichts. Denn die Stadt Hoyerswerda hält die Berufsfeuerwehr als Daseinsfürsorge vor; da sind also Kosten für solche Einsätze schon mit enthalten. Das heißt aber nicht, dass das Eingreifen der Feuerwehr zum Nulltarif erfolgt. Wenn es sich nicht um echte Notfälle handelt oder Leichtsinn oder Fahrlässigkeit das Handeln der Feuerwehr notwendig machen, werden die Kosten dafür auf den Halter des Tieres umgelegt. Dafür gibt es eine Gebührensatzung.

Was kostet ein solcher Einsatz?

Das kann pauschal nicht beziffert werden, das richtet sich nach der Einsatzdauer und dem notwendigen Equipment, also den Fahrzeugen und sonstigen technischen Hilfsmitteln, die benötigt werden. Ein Wert sei hier stellvertretend genannt: Wenn ein Feuerwehrmann eine Stunde tätig sein muss, kostet das 39 Euro. Der Transporter und gegebenenfalls die Leiter oder andere Dinge kosten extra. Für die Unterbringung geretteter Tiere in einem Tierheim fallen Zusatzkosten an; dafür ist dann aber das Bürgeramt zuständig.

Wie steht es mit dem Alarmierer – muss er für die Kosten aufkommen, wenn sich der Einsatz als Fehlschlag erweist, also wenn die zu rettende Katze sich mit einem kühnen Sprung vom Baum flüchtet, von dem sie scheinbar nicht heruntergekommen war?

Katzenrettung vom Baum ist generell kostenpflichtig, wenn keine Lebensgefahr besteht, also das Tier beispielsweise eingeklemmt ist. Die Halter der geretteten Tiere erhalten einen Bescheid vom Bürgeramt.

Herr Knothe, wann sollte man die Feuerwehr alarmieren? Typische Beispiele für fehlgehende Besorgnis sind ja winters auf Seen und Flüssen scheinbar eingefrorene Wasservögel und Katzen, die sich nicht von Bäumen/Dächern trauen.

Hier gibt es kein allgemeines Rezept. Die Entscheidung ist immer situationsbedingt. Jeder sollte dazu überlegen, ob sich ein Tier nicht auch einmal einfach ausruhen möchte. Das typische Beispiel, auch wenn es in den letzten Jahren nicht mehr vorgekommen ist, ist der „angefrorene Schwan“. Wenn ein Anrufer die Feuerwehr zu einer Tierrettung alarmiert, wird er, falls es sich nicht um einen ganz offenkundigen Notfall handelt, zuerst einmal befragt, was los ist und ob man die Situation nicht anders lösen könnte als durch die Feuerwehr. Beispielsweise, indem man versucht, die Katze, die sich einfach nicht vom Baum heruntertraut, mit Futter zu locken, also zu ermutigen. Das versuchen wir auch meist als erstes in so einer Situation. Ist der Anrufer mit dem Halter identisch, wird er auch darauf hingewiesen, dass der Einsatz kostenpflichtig ist, wenn es sich nicht um einen akuten Notfall handelt.

Gab es denn auch schon echte Katze-auf-Baum-Notfälle?

Na, da geht die Tendenz eher gegen Null. Fast immer ist das Tier doch freiwillig heruntergekommen; hat sich vor unseren Leuten „gerettet“.

Was wäre denn ein akuter, echter Notfall, bei dem unbedingt die Feuerwehr in Aktion treten muss?

Wenn ein Tier angefahren worden ist. Wenn der Besitzer bei einem Spaziergang einen medizinischen Notfall erlitten hat oder in einen Verkehrsunfall verwickelt worden ist und nun sein mitgeführtes Tier in Obhut genommen werden muss. Oder wenn Leib und Leben Gefahr droht.

Herr Bastisch, soll man selbst versuchen, Tiere zu retten, die sich in einer Notlage zu befinden scheinen – oder bringt man sich da selbst in Gefahren, die man besser vermeidet und doch die Behörde in Kenntnis setzt?

Tiere selbst retten wollen, bringt den Retter meist auch in Gefahr. Der Notruf selbst ist kostenfrei, und dem Anrufer entstehen keine Probleme oder gar Kosten, sollte sich der Fall in der Zwischenzeit geklärt haben.

Hat die Feuerwehr spezielles Equipment für Tierrettungen?

Wir haben einen Anhänger für Tierrettung, den „Dog Trailer“ mit zwei separaten Boxen für (meist) Hunde. Außerdem verfügen wir über einen Imkeranzug.

Werden Feuerwehrleute speziell für Tierrettungen geschult?

Zentrale Schulungen gibt es nicht; das ist kommunal selbstständig zu organisieren. Wir sind dabei, die Kontakte mit dem Zoo Hoyerswerda zu erneuern. Damals, zu Dr. Werner Jorgas Zeiten, gab es da eine recht intensive Zusammenarbeit; die wollen wir reaktivieren. Das kommt ja schließlich allen Beteiligten zugute.

Ein leicht heikles Thema: Müsste die Feuerwehr auch her, wenn aus dem Zoo gemeldet würde: „Bär / Giftschlange ausgekniffen?“ Und müssten Sie mit dem Imker-Anzug ran, wenn ein Hornissennest eine Gefahr darstellt?

Zunächst einmal: Ja, wir sind zum Eingreifen verpflichtet. Zweitens: Eigenschutz gilt selbstverständlich auch für unsere Leute! Spezialkräfte können je nach Einsatzlage hinzugerufen werden. Etwa Tierärzte, die über Betäubungstechnik verfügen, um aggressive Tiere „auszuschalten“. Oder private Personen, welche als Halter oder gar Züchter von exotischen Tieren, zum Beispiel Schlangen, einschlägige Erfahrungen vorweisen. Man kann ja bei einem Wohnungsbrand durchaus in einem von 10.000 Fällen mal auf dort gehaltene Schlangen oder Vogelspinnen stoßen ... Generell stehen wir in Verbindung zu Fachleuten wie etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, dem Schädlingsbekämpfungsservice Schreiber, der im Falle von Wespen oder Hornissen fach- und sachkundig agiert und auch über die entsprechende Technik verfügt.

Noch mal zur Selbsthilfe; beispielsweise wenn man ein angefahrenes Wildtier auf der Straße findet. Es hieß ja früher, man solle versuchen, das Tier von der Straße zu schaffen – aber sich an ein verletztes Wildschwein zu wagen, scheint keine gute Idee zu sein ...

Bei Verkehrsunfällen ist die Polizei der richtige Ansprechpartner, sie nimmt den Unfall auf und informiert auch gegebenenfalls die IRLS (Integrierte Rettungsleitstelle). Bei Wildtieren ist der jeweilige Jagdpächter des Gebietes hinzuzuziehen. Eigenschutz für die Unfallbeteiligten sollte immer beachtet werden, vor allem bei Unfällen mit Schwarzwild.

Herr Knothe, gibt es einen besonders kuriosen Einsatz aus der letzten Zeit?

Am 18. Dezember 2019 war ein Dackel am Freizeitkomplex Ost in einem Fuchsbau verschwunden. Wir haben ihn, auch mit Hilfe eines Baggers, wieder ausgegraben.

Herr Bastisch, was würden Sie Tierhaltern generell raten, um Notfällen vorzubeugen oder im Falle des Falles möglichst wenig Ärger zu haben?

Sinnvoll ist es in jedem Fall, wenn das Tier eine Hundemarke oder sonst einen Chip trägt. Wenn es gerettet worden ist, lässt sich so der Halter rasch ausfindig machen – das erspart ihm eine Menge Scherereien beim Wiederfinden seines Tiers.

Ein Statement der Feuerwehr Lauta zu einem schon etwas zurückliegenden Ereignis:

„Seit Tagen saß eine Katze in der Weststraße in Lauta-Nord auf einem Baum und kam von diesem nicht mehr allein herunter. Diese Tatsache sorgte in der Gruppe «Alle Lautawerkschen Mädels und Jungs» für reichlich Diskussion. Wir als Feuerwehr Lauta-Stadt wurden im Kontext dessen teilweise ziemlich kritisch thematisiert. Dazu möchten wir gern Stellung nehmen: Wir haben ein Herz für Tiere, aber wir als Feuerwehr dürfen nicht einfach mit unseren Fahrzeugen zu einem vermeintlichen Notfall – der z. B. über unsere Facebook-Seite / Whatsapp gemeldet wurde – fahren. Für die Feuerwehrmitglieder, die Fahrzeuge und Geräte besteht kein Versicherungsschutz, wenn wir ohne einen Einsatzauftrag der Leitstelle handeln. Wir als Feuerwehr können nur über den Weg der 112 alarmiert werden! Seien Sie sich aber bewusst, dass der Einsatz kostenintensiv sein könnte. Für die Katze in der Weststraße gab es auch ohne die Feuerwehr ein Happy End: Unser Kamerad Toni Hetmank, der nebenberuflich als Baumkletterer arbeitet, konnte sie aus ihrer misslichen Lage unverletzt befreien. Danke dafür! (stark gekürzt)

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