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Die Musik ist ihre Berufung

Die Hoyerswerdaer Sängerin Barbara Kayser erlebt die längste Auftrittspause ihrer Laufbahn.

Den Balkon nutzt Barbara Kayser normalerweise nicht zum Musizieren, aber für‘s Bild hat das sommerliche Ambiente ganz gut gepasst.
Den Balkon nutzt Barbara Kayser normalerweise nicht zum Musizieren, aber für‘s Bild hat das sommerliche Ambiente ganz gut gepasst. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Barbara Kayser greift zu ihrer Western-Gitarre, klickt kurz auf dem Laptop und schon beginnt im daneben stehenden, handlichen Lautsprecher das Halb-Playback von Abbas „I Have A Dream“ zu spielen. Dazu greift die Hoyerswerdaerin in die Saiten ihres Instruments und singt die Zeilen, die einst im Original Anni-Frid Lyngstad darbot. Das Equipment ist sozusagen kleines Besteck: Gitarre, Computer und die Box. „Ich will gar nicht mehr vor mehr als 150 Leuten auftreten“, sagt Barbara Kayser.

Es gab andere Zeiten, Auftritte mit 40-köpfigem Orchester in der Stadthalle Cottbus oder vor gut gefülltem Rund auf der Freilichtbühne Junge Garde im Großen Garten zu Dresden. Einige aufregende Dinge sind passiert, seit Barbara Kayser nach ordentlicher Ausbildung zur „Sängerin für Tanz- und Unterhaltungsmusik“ 1977 ihren Berufsausweis bekommen hat. Die schönste Zeit, sagt sie, seien ihre sechs Jahre mit dem Tanz- und Showorchester Astoria gewesen. 1990 reiste sie nach Den Haag zu einem internationalen Song-Festival. Die Produktionsstudios in Scheveningen hinterließen nachhaltigen Eindruck.

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Es gab Rundfunkproduktionen und Fernsehauftritte von Hoy-TV über Sat.1 bis hin zum ZDF. Doch das zur sogenannten Promotion nötige Eigenmarketing hat Barbara Kayser nie gemocht. Sie hat auch keinen Agenten: „Wenn man mich will, dann bestellt man mich und dann bin ich auch gern da, aber aufdrängen – neee.“ Solange wie in den letzten Monaten war sie allerdings noch nie ohne Auftritt. Dass die Pandemie die Künste ganz schön gezaust hat, ist inzwischen allgemein bekannt. Im Juni des vergangenen Jahres sang Barbara Kayser bei einem Sommerfest in Ottendorf-Okrilla. Dann war Schluss.

Wobei das natürlich nicht so ganz stimmt. Wer rastet, rostet. Und so ist im Appartement, das die Sängerin und ihr Mann in Hoyerswerdas Neustadt bewohnen, einmal in der Woche Probe. Die Nachbarn sind daran gewöhnt, dass es immer mittwochs von 17 bis 18 Uhr Schlagermusik im Haus gibt. Manche klatschen, andere berichten hinterher schon mal: „Wir haben getanzt.“ Beschwert hat sich bisher noch niemand. Die Künstlerin ist auch um Abwechslung bemüht. „Ich versuche, jedes Mal andere Stücke zu singen“, sagt die 67-Jährige. Sie ist zwar inzwischen amtlich Rentnerin, wirklich in Rente will sie allerdings vorerst nicht. Denn die Musik ist nicht nur Beruf, sondern Berufung.

So hat sich Barbara Kayser selbst das Gitarrespiel beigebracht. Mit 14, erzählt sie, habe sie Unterricht gehabt. Nach einem Monat starb allerdings der Lehrer. Erst vor einem Jahrzehnt kaufte sie sich dann ein Instrument und begann, zu üben. „Das hat wehgetan. Die Gliedmaßen sind ja nicht mehr wie mit Mitte 20.“ Inzwischen spielt sie ohne Schmerzen und berichtet schmunzelnd, das erste Lied, das sie vor Publikum mit Gitarre dargeboten habe, sei der erzgebirgische Gassenhauer vom Vogelbeerbaum gewesen – auf Hochdeutsch. Mit der Gitarre ist sie auch oft bei den Lesungen der Autorengruppe Pegasus zu erleben, der sie seit einem Jahrzehnt angehört.

Die Pandemie-Bremse war Barbara Kayser zunächst nicht so ganz unrecht. „Ich bin Corona sogar ein bisschen dankbar“, erzählt sie. Denn Anfang vorigen Jahres musste sie sich einer größeren Operation unterziehen. Im März stand sie zwar schon wieder in Bautzen vor Publikum. Aber dass dann bald darauf die erste und im Herbst die zweite Zwangspause griffen, half schon bei der nötigen Erholung. Und nun? Naja, sagt Barbara Kayser, über den heißen Sommer müssten Auftritte zwar jetzt nicht unbedingt sein: „Aber wenn‘s im Herbst wieder losgehen würde, wäre das schon Klasse. Dann bin ich auch das zweite Mal geimpft.“ Der Termin ist im August. Immerhin: Die erste Anfrage ist schon wieder eingetrudelt. Barbara Kayser soll bei der Volkssolidarität in Bautzen singen. Im Advent wird es dort eine Weihnachtsfeier geben.

Die nächste Pegasus-Lesung beginnt am 9. Juli um 18 Uhr im Hoyerswerdaer Bürgerzentrum.

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