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Die Nummer 1 der deutschen Bibliotheks-Azubis

Pia Gutsche aus Hoyerswerda hat ihre dreijährige Lehre mit dem bundesweit besten Ergebnis abgeschlossen.

Von Mirko Kolodziej
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Pia Gutsche macht in Bibliotheksfragen so leicht niemand etwas vor – und das bundesweit nicht.
Pia Gutsche macht in Bibliotheksfragen so leicht niemand etwas vor – und das bundesweit nicht. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Nach dem Abitur im Sommer 2016 am Hoyerswerdaer Lessing-Gymnasium ist Pia Gutsche in die Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek marschiert. Es ging um Zeit zum Überlegen, um Orientierung, kurz um eine sogenannte Bufdi-Stelle. „Ich sage jedem, der nicht weiß, was er machen soll: Mach‘ einen Freiwilligendienst“, blickt die heute 24-Jährige auf die damalige Entscheidung zurück. Sie hat nach dem Jahr in der Bücherei ein Studium in Leipzig begonnen und stellte schnell fest: Es war trockener als die Arbeit im Stadtzentrum, nicht so, wie sie es erhofft hatte.

Ein neuer Plan musste her. Die Lehre zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, die Pia Gutsche schließlich in Angriff nahm, absolvierte sie für die Praxis an ihrer Bufdi-Wirkungsstätte in Hoyerswerdas Stadtzentrum und für die Theorie an der Gutenbergschule, einem beruflichen Schulzentrum der Stadt Leipzig. Als zu Anfang der Woche bei der Industrie- und Handelskammer in Dresden die Prüfungsergebnisse verkündet wurden, stellte sich heraus, dass es für die Hoyerswerdaerin zwei weitere Würdigungstermine geben wird. Sie ist nämlich nicht nur die beste Bibliotheks-Auszubildende aus dem Kammerbezirk Dresden, sondern auch in ganz Sachsen und sogar bundesweit. Hundert Punkte können Lehrlinge am Ende auf dem Konto haben, bei Pia Gutsche waren es 94,87. „Woop Woop. Dreifache Auszeichnung für unsere Azubine [...] Was für eine Ehrung! Wir sind soo stolz auf Dich“, meldete die Bibliothek am Dienstag via Internet. Und im Zusatz: „#azubipower“.

Vier Abschlussprüfungen

Auch Büchereichef Mladen Vukovic konnte sich in der Landeshauptstadt eine Urkunde abholen. „Dem Ausbildungsunternehmen Zoo, Kultur und Bildung Hoyerswerda gemeinnützige GmbH wird für herausragende Leistungen in der dualen Berufsausbildung besondere Anerkennung ausgesprochen“, steht darauf zu lesen.

Pia Gutsche lernte während ihrer Lehre alle Teilbereiche der Bibo in der Bonhoefferstraße genau kennen. Im ersten Jahr war sie in der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt, die unter anderem Bibliothekspädagogik umfasst, also die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dieser Aspekt der Tätigkeit war ihr schon aus dem Freiwilligendienst gut bekannt. Im zweiten Lehrjahr standen der Service beziehungsweise der Benutzerdienst im Fokus, also das Annehmen und Ausgeben von Medien, das Beantworten von Kunden-Fragen, das Lösen von Problemen, die Bibliotheksmitglieder so haben können. Schwerpunkt des dritten Lehrjahres war das, was hinter den Kulissen passiert: Bücher und andere Medien aussuchen, bestellen, inventarisieren und in den Regalen so platzieren, dass sich eine sinnvolle Anordnung ergibt.

In der Leipziger Berufsschule wurde das entsprechend flankiert. Die in der Messestadt gelehrte Theorie umfasste Aspekte wie die Funktion des Marktes für Bücher, Videos oder Tonträger, juristische Fragen im Umgang mit der Kundschaft, die Details der Personalplanung oder grundlegende betriebswirtschaftliche Vorgänge. Am Ende standen drei schriftliche Prüfungen sowie ein mündlicher Vortrag. Pia Gutsches Thema war die Veranstaltungsorganisation, mit der sie sich ja schon seit Bufdi-Zeiten befasst hatte. „Das hat mir tatsächlich sehr in die Karten gespielt“, sagt sie. Trotzdem: Der Abschluss als Beste der deutschen Bibliotheks-Azubis im Jahrgang 2021 hat sie überrascht. Die junge Frau sagt, sie sei schon ehrgeizig, aber der Plan sei ein anderer gewesen: „Mein Anspruch war ja nicht, die Beste zu sein, sondern das Beste aus der Ausbildung zu machen.“

Arbeitsvertrag unterschrieben

Dennoch hat sie sich natürlich gefreut, nicht nur über die Würdigungen der IHK, sondern auch über die Blumen, die die inzwischen in den Ruhestand getretenen Kolleginnen Angelika Hentschel und Hansi Kunisch vorbeigebracht haben. Nicht zu vergessen ist zudem ein großer Dank an Ausbilderin Heike Lehmann, die stellvertretende Bibliothekschefin. Und an diesem Wochenende wird der Abschluss mit den Eltern in Seidewinkel gefeiert.

Pia Gutsche ist nach dem glänzenden Bestehen der Prüfungen mittlerweile natürlich auch keine Auszubildende mehr. Sie hat das Festanstellungs-Angebot der Stadtbibliothek dankend angenommen und ist an der Bonhoefferstraße nunmehr für die Öffentlichkeitsarbeit und den Benutzerservice zuständig.