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Hoyerswerda

Die Realität hinter der Legende

Die Krabat-Mühle in Schwarzkollm unterstützt ein Forschungsprojekt. Dabei hoffen die Heimathistoriker auf alte Familiengeschichten.

Die Krabatmühle Schwarzkollm aus der Vogelperspektive.
Die Krabatmühle Schwarzkollm aus der Vogelperspektive. © Foto: Gernot Menzel

Schwarzkollm. Wo treffen sich Mythos und Wahrheit in Schwarzkollm? Welche realgeschichtlichen Hintergründe hat die Krabat-Sage in Bezug auf den Ort? Welche Verbindungen zu dem Obristen Johann von Schadowitz, der als Vorbild für die Figur des Krabat gilt, lassen sich tatsächlich historisch nachweisen? – Diese und viele weitere Fragen stehen aktuell im Zentrum eines Forschungsprojektes, das unter der Regie der Krabatmühle am Schwarzkollmer Koselbruchweg 22 läuft.

Krabat ist mehr als Mythos. Der zaubernde Müllerbursche gehört zu den bekanntesten Sagen-Figuren der sorbischen Oberlausitz. Sein historisches Vorbild ist Johann von Schadowitz. Unter diesem Namen heuert der kroatische Offizier 1658 in der Elitetruppe des sächsischen Kurfürsten an – und bekommt für seine Dienste als „Bodyguard“ durch Johann Georg IV. das Gut Särchen, das heutige Groß Särchen (mittlerweile ein Ortsteil von Lohsa), als Lohn. Um noch mehr über den geheimnisvollen Krabat herauszufinden, läuft derzeit ein Forschungsprojekt der Krabat-Mühle in Schwarzkollm. Die neuesten Erkenntnisse sollen am 12. Juni auf dem Dorfplatz im Krabat-Ort präsentiert werden.

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Ein Duo leistet die Hauptarbeit

Seit Anfang des Jahres arbeiten Susann Wuschko und Hans-Jürgen Schröter an der Klärung und Erforschung historischer Hintergründe, teilt Tobias Zschieschick, Geschäftsführer der Krabatmühle Schwarzkollm mit. Der Wittichenauer Genealoge befasse sich seit Jahren intensiv mit der Geschichte um Krabat und den kroatisch-stämmigen Obristen Johann von Schadowitz. Susann Wuschko stammt ursprünglich aus Schwarzkollm und ist als Gästeführerin in Dresden und Umgebung tätig. Zu ihren Spezialgebieten gehören neben der mittelalterlichen und sächsischen Landesgeschichte auch Mythologie, Magie und Sagenbildung bei den Sorben.

Die öffentliche Präsentation soll zugleich den Auftakt für weitere Recherchen bilden. Die Heimathistoriker hoffen dabei auf Unterstützung von Schwarzkollmern und Geschichtsinteressierten.

Warum der Koselbruch so heißt

Das Besondere an diesem Forschungsprojekt sind zum einen die Akteure selbst, die unterschiedliche methodische Herangehensweisen sowie historisches Wissen und Erkenntnisse neu kombinieren. Zum anderen wurde die Geschichte Schwarzkollms in Bezug auf die Krabatsage bisher noch nicht so tiefgründig untersucht. In Kooperation mit der Krabatmühle verknüpfen Hans-Jürgen Schröter und Susann Wuschko die Version der Krabatsage von Martin Nowak-Neumann mit wissenschaftlich fundierten, belegbaren Fakten zur Geschichte Schwarzkollms und der Region.

„Aus der Krabatsage heraus, aus der Mythologie dahinter und dem Brauchtum der Sorben sowie der Dorfgeschichte Schwarzkollms entstehen Thesen, wie es zu diesen Erzählungen gekommen sein könnte und welcher geschichtliche Fakt dahinterstehen könnte. Die Überraschungen, woher etwas kommt und wie nah es wirklich an der realen Geschichte ist, sind ein Antrieb, immer tiefer in die Geschichte des Ortes und die Verknüpfung zu Krabat, und auch zum historischen Johann von Schadowitz, einzutauchen“, sagt Susann Wuschko.

So soll auch geklärt werden, woher der Koselbruch seinen Namen hat und warum Schwarzkollm durch den Steinberg und das Wasser des Mühlgrabens bereits vor Jahrhunderten eine außerordentliche Bedeutung zukam. Außerdem bringt eine Karte des Ortes Colm (heutiges Schwarzkollm) aus dem 18. Jahrhundert interessante Erkenntnisse zu damaligen örtlichen Gegebenheiten und Flurnamen. (red/JJ)

Vorstellung der neuen Krabat-Forschungsergebnisse am 12. Juni, 17 Uhr auf dem Dorfplatz.

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