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Die Scharfmacher

Alte Fertigkeit neu entdeckt – der Dengelkurs in der Krabatmühle Schwarzkollm war ein voller Erfolg.

Dengelkurs: Gut 15 Teilnehmer ließen sich von Klaus-Dieter Müller das Schärfen des Sensenblattes und den Umgang mit der Sense erklären.
Dengelkurs: Gut 15 Teilnehmer ließen sich von Klaus-Dieter Müller das Schärfen des Sensenblattes und den Umgang mit der Sense erklären. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Schwarzkollm. Regelmäßig hat die jüngere Generation ihren Großvätern beim Dengeln zugesehen: Das Verfahren zum Schärfen einer Sensenschneide war bei Opa schließlich in guten und erfahrenen Händen. Doch die eher oberflächliche Beobachtung von damals reicht nicht aus, um das „Scharfmachen“ heute allein beherrschen und ausüben zu können. Die Zeit belehrt auch in dieser Hinsicht oftmals eines besseren.

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„Hätte ich doch mal ...“

So lautete die Vorab-Erkenntnis einiger Besucher des Dengelkurses an der Schwarzkollmer Krabatmühle. „Mein Opa hat das Dengeln immer für uns übernommen, bevor es ans Schneiden der Wiese ging. Nun ist mein Großvater nicht mehr da. Und jetzt stehe ich mit der Sense da, weiß aber nicht, wie es richtig funktioniert. Hätte ich ihn doch mal richtig ausgefragt und es mir zeigen lassen ...“, bedauerte Christina Fabian aus Neuwiese. Sie war am letzten Sonnabendmorgen an die Krabatmühle gereist, um Antworten auf ihre Fragen zu bekommen – und noch viel mehr handfeste Unterweisung am stählernen Objekt. Ähnliches treibt die anderen gut fünfzehn Kurs-Teilnehmer um. Monika Zschieschick kennt die alte Kunst des Dengelns noch von ihrem Vater her. Sie weiß um die Vorteile des Sensens, das umweltfreundlicher als eine motorisierte Mahd (vor allem schonender für Insekten) und somit ein Beitrag zur naturnahen Pflege und Erhaltung eines Gartens ist. Und Peter Schreiber aus Schwarzkollm freut sich ganz besonders, dass sich an jenem Sonnabend auch Kinder für diese althergebrachte Tätigkeit begeistern lassen wollen.

Die 12-jährige Nele ist mit ihrem Vater dabei. Das Mädchen ist an ihrem ersten Wochenende vor richtigen Beginn der Sommerferien gern etwas eher aufgestanden: „Ich möchte das Dengeln und Sensen gern lernen. Ich freue mich, wenn ich zu Hause dann mithelfen kann. Denn wir machen auch selbst Heu für unsere Kaninchen.“ Und Neles Vater ist froh, dass es Angebote wie dieses an der Krabatmühle gibt. Auch deshalb, weil der Umgang mit einer Sense oder Sichel nicht ganz ungefährlich ist: Man muss ihn also lernen.

Einerseits bautechnisch gleich ...

Die Teilnehmer fangen an zu fachsimpeln. Die mitgebrachten Sensen werden genauer inspiziert. Unter den Modellen gibt es sowohl ältere als auch modernere Stücke. Im Aufbau sind sie freilich (fast) alle gleich. Es sind Teile wie Rücken, Warze, Bart, Kragen, Hamme, Schneide, Baum und Dengel, aus denen sich eine herkömmliche Sense bautechnisch zusammensetzt.

... aber manchmal auch besonders

Anders sieht es aus bei selbst gebauten Sensen, deren Einzelheiten sogar Fachmann Klaus-Dieter Müller am Sonnabend bisweilen staunen lassen. Der Experte aus Rothenburg (O.L.) betreibt einen Sensen-Service und steht bei Kursen, wie ebenjenem an der Krabatmühle Schwarzkollm, interessierten Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite. Der 66-Jährige sieht die Sense nicht nur als simples Arbeitswerkzeug, sondern als ein Gerät, das seinen Benutzer nicht nur körperlich, sondern auch mental fordert.

Für Heiterkeit sorgt sein Motto, das er den Teilnehmern kund tut: „Wer de Sens köft nah de Klang, um de Fru na de Gesang, is betrog‘n sein Leben lang.“ Aus dem Dialekt übersetzt heißt das: „Wer die Sense kauft nach dem Klang, und die Frau nach dem Gesang, ist betrogen sein Leben lang.“

Schräg und Abstand halten!

Dann geht es endlich an die Arbeit. Die Teilnehmer erfahren, dass das frisch geschärfte Sensenblatt beim Schneiden am besten schräg gehalten wird. Wichtig sei zudem, zwischen den Fingern immer etwas Abstand zu halten – sonst gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit Blasen an den Händen. Unangenehm ... Apropos Abstand: Der ist beim Sensen auch ohne Corona wohl mit am wichtigsten. 1,50 Meter groß sollte die Lücke bis zum/zur nächsten „Sensenmann beziehungsweise -frau“ schon sein, um Unfälle zu vermeiden.

Und dann ist es endlich soweit: Die Teilnehmer dürfen sich auf einer Grünfläche in der Nähe des Erlebnispfades ausprobieren. Gar nicht so einfach! So komme es auch auf die korrekte Körperhaltung, geistige Konzentration und natürlich die für einen passende Sense an, um erfolgreich arbeiten zu können. „Man muss den Dreh raushaben – und dann geht das schon“, so Klaus-Dieter Müller. Dagmar Steuer zeigt sich begeistert und freut sich, dass einstiges Wissen wie dieses nun neu weitervermittelt wird und sich verschiedene Generationen dafür interessieren. Oder wie es Peter Schreiber kurz formuliert: „Das muss unbedingt der jungen Generation gezeigt werden, damit das Wissen nicht verloren geht. Enkel und Kinder sind unsere Zukunft.“ Sonst belehrt die Zeit uns wieder eines besseren – oder schlechteren ...

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