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Die Schweine-Wiese ist nichts für den Bürgerhaushalt

In Hoyerswerda hat die zuständige Steuergruppe die für die Ortsteile eingereichten Projekte bewertet.

Die Sanierung des Knappenroder Sportplatzes lässt sich nicht finanzieren.
Die Sanierung des Knappenroder Sportplatzes lässt sich nicht finanzieren. © Foto: Mirko Kolodziej

Stadt Hoyerswerda und Ortsteile. Es war im Herbst letzten Jahres, als Wildschweine die Knappenkampfbahn in Knappenrode zerwühlten. Wäre Kreisliga-Fußball für die Spielvereinigung Knappensee – Zeißig derzeit möglich, dann jedoch ganz sicher nicht hier. Denn der Platz sieht aktuell verheerend aus. Und so landete als ganz dringender Wunsch die „Aufarbeitung des zerstörten Sportplatzes sowie das Einsäen von Rasen“ auf der Liste der durch den Hoyerswerdaer Bürgerhaushalt 2021 zu finanzierenden Projekte.

Am Donnerstag traf sich die verantwortliche Steuergruppe, um über die Zulassung von Vorschlägen für die im Mai vorgesehene Abstimmung durch die Bürgerschaft zu beraten. Wegen der Vielzahl der Ideen waren zunächst nur jene aus den Ortsteilen an der Reihe. Der Sportplatz fiel durch. Nach Angaben des Rathauses schlägt eine ordentliche Wiederherstellung mit fast 50.000 Euro zu Buche. Nun beläuft sich aber das gesamte Bürgerhaushalts-Budget nur auf 70.000 Euro, 50.000 für die sogenannte Kernstadt und jeweils 4.000 Euro für jeden Ortsteil. „Da würden zehn Bürgerhaushalte nicht ausreichen, um das zu sanieren“, sagt Ortsvorsteherin Ulrike Neumann. Für die Knappenkampfbahn muss also eine andere Finanzierung gefunden werden. Die Knappenroder werden indes nicht viel abzustimmen haben. Der einzige Vorschlag, der sonst noch einging, ist die Fertigstellung der schon mit Bürgerhaushalts-Geld aus den Vorjahren begonnenen Einrichtung einer kleinen Küche im örtlichen Bürgerzentrum.

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Folgekosten oder nicht?

Auch in den anderen Ortsteilen schafften es nicht alle eingereichten Projekte auf die Abstimmungsliste. Mal war die Kostengrenze der Grund, wie in Dörgenhausen, wo eine Verlängerung des Geländers an der Elsteraue mehr als 4.000 Euro erfordern würde. Mal hat die Stadt ein Vorhaben ohnehin schon über eine andere Finanzierung geplant, wie in Schwarzkollm, wo die Bewohner des Eigenheimgebietes „Am Wiesengrund“ sich einen Spielplatz für ihre Kinder wünschen. Und mal ist die Stadt schlicht nicht zuständig. Das trifft etwa auf den Wunsch zu, den vom Kreis Bautzen verantworteten Recycling-Containerplatz am Zeißiger Sender so zu befestigen, dass bei Regenwetter nicht jedes Mal eine Schlammwüste daraus wird.

Und weil Regeln wie jene, dass ein Bürgerhaushalts-Projekt keine Folgekosten bedeuten soll, immer einen Interpretationsspielraum bedeuten, gab es am Donnerstag sogar eine Art kleiner Kampfabstimmung. In Zeißig wünscht sich jemand Hundetoiletten, was etwa eine regelmäßige Leerung und die Auffüllung der zugehörigen Tüten-Spender bedeuten würde. Mit sieben zu sechs Stimmen wurde die Idee nach kurzer Diskussion schließlich zugelassen.

Anders als in Knappenrode wird es in den restlichen vier Ortsteilen immerhin doch eine Auswahl geben können. Das beginnt mit Bröthen/Michalken, wo der Bau eines Unterstandes für Landtechnik und die Anschaffung von elektronischen Geschwindigkeits-Anzeigen für die Hauptstraße zur Abstimmung gestellt werden. Die Dörgenhausener werden ihre Stimmen zwischen fünf Projekten verteilen können, darunter ein alter Bekannter: Schon für den Bürgerhaushalt 2020 war die Restaurierung von drei steinernen Wegweisern vorgeschlagen worden. In Schwarzkollm gibt es ein ähnliches Ansinnen. Ein Gedenkstein, der an eine Brandkatastrophe im Jahr 1847 erinnert, ist so verwittert, dass die Aufschrift kaum mehr lesbar ist.

Viele Ideen aus Zeißig

Im Krabat-Dorf stehen aber auch die Anschaffung einer elektronischen Geschwindigkeitsanzeige für die Dorfstraße sowie das Aufstellen von zwei Sitzbänken samt Papierkörben zur Auswahl. Ganz besonders viele Ideen kamen in Zeißig zusammen, wo der Ortschaftsrat im Herbst die Vorschlagsformulare an die Haushalte im Dorf verteilt hat. Von 32 Vorschlägen, darunter Dopplungen, sind nach dem Begutachten durch die Steuergruppe sieben übriggeblieben. Es könnten neun werden. Denn ob ein Fassadenanstrich an der Ortsteilverwaltung und der Kauf einer Weihnachtspyramide theoretisch zu finanzieren wären, ist bis zur Sitzung der Bewertung für die Kernstadt-Projekte am nächsten Donnerstag noch zu klären.

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