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Die Zukunft liegt im Alter

Ein Forschungsprojekt befasst sich in Hoyerswerda mit Technologien für gelingendes Altern im ländlichen Raum.

Yves Tschentscher und Sybille Babick von der örtlichen Awo gehören zum Kernteam des Projektes „ZukunftAlter“. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen konnten die anderen Bündnispartner und Mitarbeiter leider nicht mit auf das Bild.
Yves Tschentscher und Sybille Babick von der örtlichen Awo gehören zum Kernteam des Projektes „ZukunftAlter“. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen konnten die anderen Bündnispartner und Mitarbeiter leider nicht mit auf das Bild. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „ZukunftAlter“ ist bestrebt, ein starkes Netzwerk an Bündnispartnern aufzubauen, um gemeinsam Entwicklungen und Vorhaben rund um „Zukunftstechnologien für gelingendes Alter(n) im ländlichen Raum“ anzustoßen. Momentan befindet sich das Projekt in der Konzeptphase. Wir fragten bei Dr. Kristina Barczik (wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Medienzentrum der TU Dresden), Marcus Beier (Chef des Awo-Kreisverbandes Lausitz) und Awo-Projektmitarbeiter Yves Tschentscher nach. Die drei gehören zum neu gebildeten Kernteam des Projektes.

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Warum braucht Hoyerswerda und die Region Oberlausitz so ein Projekt?

Kristina Barczik: Die Oberlausitz ist demografisch gesehen geprägt von einem hohen Anteil an älteren Erwachsenen. Zukünftig werden der Anteil dieser Menschen und die damit verbundenen Bedarfe zunehmen. Dazu kommt die sehr ländliche Prägung der Oberlausitz, verbunden mit vor allem infrastrukturellen Herausforderungen. Auch ist angesichts des bevorstehenden Strukturwandels zu überlegen, wie ein solches Profil als Chance für die Region interpretiert und genutzt werden kann. Hier ist die Wissenschaft gefordert, innovative Konzepte voranzutreiben und aus den strukturellen Risiken zukunftsweisende Gestaltungsansätze wie mit dem Projekt „ZukunftAlter“ zu entwickeln.

Sie verbindet mit der Umsetzung des Projektes auch etwas ganz Persönliches…

Kristina Barczik: Mein persönlicher Eigenantrieb ist darin zu sehen, dass es sich um meine Heimatregion handelt, weil ich ursprünglich aus Bernsdorf stamme. Jetzt bin ich Wahl-Dresdnerin. Ich freue mich, in meiner jetzigen Tätigkeit etwas für meine ehemalige Heimat anstoßen und bewegen zu können.

In welcher Form soll das Projekt ZukunftAlter dahingehend greifen?

Marcus Beier: In der Oberlausitz und besonders in Hoyerswerda eröffnen sich im Struktur- und Demografie-Wandel auch Chancen, die Region auf eine nachhaltige, diversifizierte Wirtschaft mit hochwertiger Beschäftigung und hoher Lebensqualität zu etablieren. Dafür bedarf es innovativer Ansätze, die die Teilhabe der Menschen am Wandel ermöglicht, Barrieren abbaut und Kompetenzen bündelt. Insbesondere das Projekt ZukunftAlter mit seinen Netzwerken, könnte sektorübergreifend Verknüpfungen zwischen Medizin, Pflege und Wohnumfeld schaffen sowie die Entwicklung, Erprobung und Evaluierung von Zukunftstechnologien ermöglichen, welche ohne ein solches Projekt in dieser Form nicht möglich wären.

Was wurde bisher erreicht und welche Ziele stehen als Nächstes an?

Yves Tschentscher: Wir haben gemeinsam mit dem Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) und der TU Dresden viele bilaterale Gespräche mit Bündnispartnern geführt. So haben wir über 30 Mitwirkungserklärungen und damit Bündnispartner vorliegen. Als Nächstes werden wir gemeinsam an unserem Leitbild arbeiten, um uns anschließend auf konkrete Umsetzungsvorhaben festzulegen.

Studien sollen bei der Umsetzung auch weiterhelfen…

Kristina Barczik: Ja. Wir konnten, wenn auch durch Corona verzögert, mit zwei Studien beginnen. Es handelt sich um eine Onlineumfrage bei ambulanten und stationären Pflegekräften. Wir möchten gern herausfinden, wie es sich in der Region mit der Einstellung gegenüber digitalen Technologien, wie Patientenakte, Sensor- und Robotertechnik, verhält. Die zweite Studie setzt direkt bei älteren Erwachsenen an. Wir befragen zu Faktoren, die der Wohnort bieten sollte, um ein gutes Altern zu ermöglichen. Auch diskutieren wir anhand eines konkreten Fallbeispiels die Aufgeschlossenheit gegenüber digitalen Technologien und mögliche Hürden, die sich beim Technikeinsatz stellen.

Die Idee, digitale Technologien im direkten Alltag der Senioren einzusetzen, stößt nicht bei allen Netzwerkspartnern auf Gegenliebe.

Kristina Barczik: Bei unseren Netzwerkpartnern besteht dahingehend ein Konsens, dass digitale Technologien einen Mehrwert unter anderem im und für das Alter bereithalten können. Aber, und da sind wir uns im Bündnis schon einig, kann Technik letztlich nur unterstützen. Es sind soziale Themenfelder, insbesondere die der Förderung und Teilhabe im Alter, zu bedenken, aber auch ethische Fragen, speziell im Pflege- und Betreuungsbereich. So erhöhen digital oder sensor-gesteuerte Überwachungssysteme zwar die Sicherheit, können aber im Gegenzug auch einen massiven Eingriff in die Privatsphäre bedeuten. Auch kann ein Roboter nicht die emotionale Ebene ersetzen.

Dennoch ist es heutzutage und speziell für ländliche Regionen wichtig, die digitale Teilhabe zu unterstützen und zu fördern.

Kristina Barczik: Richtig! Vieles wird von der Technik hergedacht, ohne dass herstellerseitig Bedienkonzepte für den Umgang geboten werden. Es fehlt häufig an Hilfestellungen! Daher ist gemeinsam zu überlegen, und im Sinne einer partizipativen Forschung zu ergründen, wo Technik tatsächlich Mehrwerte fürs Alter bieten kann oder welche Szenarien unter Hinzunahme von digitalen Technologien eine Unterstützung ermöglichen. Auch sind innerhalb unseres Projektes Angebote zum Erlernen des Umgangs für Technik denkbar um überdies entsprechende Erprobungsräume zu etablieren, damit Technik im Nahraum ausprobiert und getestet werden kann.

Im Zuge der Digitalisierung war auch die Zusammenarbeit mit dem geplanten Zuse-Campus angedacht. Gibt es eine Alternative?

Kristina Barczik: Ja, für unser Projektvorhaben wird damit ein grundlegender Eckpfeiler genommen. Aber wir wissen, dass unser Rektorat hier weiterhin im Gespräch mit dem Hoyerswerdaer Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh ist. Auch wird erwogen, wie wir alternativ Lehrangebote schaffen könnten. Wir sehen im Rahmen des Wir – Gedankens mit regionalen Akteuren und auch weiteren wissenschaftlichen Institutionen in und für die Region bemerkenswerte Potenziale, die wir sukzessive erschließen wollen.

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