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Eigner Herd ist Goldes wert

Eine Frau lebt in der eigenen Wohnung, geht arbeiten und hat Kontakt zu Freunden. Das ist normal - und auch nicht.

Franziska Danka vor ihrem Hauseingang.
Franziska Danka vor ihrem Hauseingang. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Eine Frau lebt in der eigenen Wohnung, geht arbeiten und hat Kontakt zu Freunden. Das ist normal – und auch wieder nicht. Erzählenswert wird die Geschichte, weil Franziska Danka eine leichte Körperbehinderung hat und lernbeeinträchtigt ist. Sie arbeitet in den Lausitzer Werkstätten und hat nach dem Tod ihrer Mutter von 2016 bis zum September 2020 in der Wohnstätte dieser Einrichtung gelebt.

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Von 2016 bis 2019 hatte Franziska Danka eine gesetzliche Betreuerin, die verschiedene gerichtlich festgelegte Aufgaben übernahm, sie zum Beispiel vor Behörden vertreten hat. Anfangs war Franziska Danka in der Wohnstätte gut aufgehoben und lernte von den Betreuern das Putzen, Kochen und Wäschewaschen und die Organisation des Alltags. Später wurde die heute 32-Jährige in der Einrichtung zur Selbstversorgerin, was bedeutete, dass sie pro Woche Geld zugeteilt bekam und entscheiden konnte, ob sie dafür beispielsweise Nahrungs- und Körperpflegemittel einkauft oder neue Schuhe.

Ihre Selbstständigkeit wuchs, und sie entwickelte die Idee, die Wohnstätte zu verlassen und eine eigene Wohnung zu beziehen. Die gesetzliche Betreuerin traute Franziska Danka diesen großen Schritt noch nicht zu, aber die junge Frau wollte ihn unbedingt gehen. Also holte sie sich Hilfe bei der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB), die seit Ende 2018 auch im Einstein-Haus Hoyerswerda ein Büro hat. Mittlerweile ist Franziska Dankas Cousin aus Leipzig ihr gesetzlicher Betreuer und unterstützt sie auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben. Das tut auch Mareike Jessing von der EUTB, die vom Lebendiger leben! e.V. aus Dresden organisiert wird.

„Seit Oktober 2020 hab ich eine eigene Wohnung und kann am Wochenende endlich in Ruhe ausschlafen“, erzählt Franziska Danka begeistert. Das sei in der Wohnstätte selten möglich gewesen, weil morgens immer jemand auf dem Gang herumgelaufen ist. In ihrer Wohnung hat sie insgesamt dreimal pro Woche Unterstützung durch eine ambulante Betreuerin und eine Haushaltshilfe. Die ambulante Betreuerin geht zum Beispiel mit zum Geldautomaten oder sie erklärt Wege von der Wohnung zum Arzt oder zu einer Freundin. „Zum ersten Mal habe ich ohne die Assistentin Geld abgehoben“, berichtet Franziska Danka von einem weiteren Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. Den Antrag auf ambulante Betreuung hat sie vor dem Einzug in die eigene Wohnung mit Mareike Jessing gestellt. Diese konnte ihr eine Mitarbeiterin des Helen-Keller-Hauses Hoyerswerda als Assistentin organisieren. Mithilfe der Krankenkasse ist noch das Bad behindertengerecht umzubauen, sagt Franziska Danka.

Die EUTB berät Menschen mit Behinderung und deren Angehörige unabhängig und kostenlos mit dem Ziel, dass diese nach ihren Wünschen möglichst selbstbestimmt leben können. Im gemeinsamen Gespräch wird festgestellt, welche Ressourcen vorhanden sind und welche Hilfen gebraucht werden. Finanziert werden diese für Franziska Danka über die Eingliederungshilfe und das Pflegegeld, erklärt Mareike Jessing. Die Miete, den Strom und andere Ausgaben des täglichen Bedarfs deckt sie über die Grundsicherung und ihren kleinen Lohn von den Lausitzer Werkstätten. „Jeder Mensch kann in einer eigenen Wohnung leben, auch wenn er eine 24- Stunden-Hilfe braucht“, macht Mareike Jessing den Betroffenen Mut. Die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte EUTB ist jeden Montag 11-13 Uhr und Mittwoch 9-11 Uhr im Erdgeschoss des Einstein-Hauses, Eingang A erreichbar. Telefonische Auskunft gibt es unter 03571 4508989 und 0159 06489650.

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