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Ein beruflicher Neuanfang in Hoyerswerda

Nach elf Jahren in Löbau praktiziert die Lautaer Orthopädin Dr. Elisabeth Petsch nun in der Altstadt.

Auch sie müssen mit Mund- Nasen-Bedeckung ausgerüstet sein, wenn sie in der Anmeldung der Praxis die Patienten empfangen. Frau Dr. Elisabeth Petsch, vorn/in der Mitte sitzend, wird flankiert von Schwester Sabine (links) und Schwester Heike (rechts).
Auch sie müssen mit Mund- Nasen-Bedeckung ausgerüstet sein, wenn sie in der Anmeldung der Praxis die Patienten empfangen. Frau Dr. Elisabeth Petsch, vorn/in der Mitte sitzend, wird flankiert von Schwester Sabine (links) und Schwester Heike (rechts). © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Schon länger, sagt Dr. Elisabeth Petsch, habe sie darüber nachgedacht, irgendwann einmal beruflich in die Heimat zurückzukehren. Dass es jetzt so rasch ging, hat die Medizinerin allerdings nicht geplant. Doch die Lebensumstände passten nun einmal ganz gut, als die Kassenärztliche Vereinigung einen Arztsitz in Hoyerswerda anbot. Und deshalb gibt es nun seit ein paar Wochen an der früheren Stomatologie diese Schilder in Lindgrün. „Dr. med. Elisabeth Petsch – Fachärztin für Orthopädie, Chirotherapie und Unfallchirurgie“ steht darauf.

Elf Jahre täglich 160 Kilometer

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Die Lautaerin ist elf Jahre lang nach Löbau gependelt. Ihre Praxis dort hatte beste Lage, direkt am Löbauer Berg. Aber es waren eben auch täglich 80 Kilometer Fahrweg, 160 hin und zurück. „Jetzt kann ich mehr für die Familie da sein“, freut sie sich.

Elisabeth Petsch ist in Lauta aufgewachsen. Ihre Mutter, Dr. Helga Petsch, praktizierte als Augenärztin im Reichsbahnclubhaus Hoyerswerda, der heutigen Villa Alvin Stein. Die Tochter besuchte unweit davon im Pionierhaus an der Schulstraße die Russisch-AG. Später trat sie in die mütterlichen Fußstapfen, studierte erst in Greifswald, dann in Dresden Medizin. Die Ausbildung zur Fachärztin für Orthopädie schloss sie 2006 am Klinikum Hoyerswerda ab. Just in dieser Zeit wurde das Fachgebiet mit einem anderen zusammengelegt. Also folgte noch ein weiterer Abschluss als Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Es ist ein Neuanfang

„Wir sind am Aufbau“, sagt Dr. Elisabeth Petsch. Natürlich werden schon Patienten empfangen. Aber wie das nach Umzügen so ist: Bevor alles an seinem Platz ist, dauert es etwas. Die Räume beherbergten bisher eine Doppelpraxis. Dr. Barbara Künze ist in den Ruhestand gegangen, während Diplommediziner Bernd Henning im Sommer ans Medizinische Versorgungszentrum des Seenland-Klinikums gewechselt ist. Im Juli kam die Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung zur Praxisübernahme. „Aber eigentlich ist es ein Neuanfang“, schätzt die Orthopädin ein. Das betrifft Ort und medizinisches Spektrum, andererseits aber auch das Personal.

Die Mitarbeiterinnen aus Löbau sind nämlich nicht mit nach Hoyerswerda gekommen. Frau Dr. Elisabeth Petsch hat also hier zwei neue Schwestern eingestellt. Schwester Sabine kennt sie noch aus dem Klinikum. Dort hat sie in der Orthopädie lange die Ambulanz und die Chefarztsprechstunden geleitet. Und dann wohnen die beiden Frauen in Lauta auch noch in derselben Straße. „Sie sieht den Menschen als Ganzes“, sagt Schwester Sabine über ihre neue Chefin. Das gefalle ihr. Schwester Heike war früher beim stadtbekannten Orthopäden Dr. Bodo Zienert beschäftigt. Zuletzt pendelte sie nach Kamenz in eine Radiologiepraxis. Auch ihr Arbeitsweg hat sich also verkürzt.

Die Praxis-Neueröffnung in der Straße am Lessinghaus fällt zeitlich mit der Schließung einer weiteren Orthopädie- und Chirurgiepraxis zusammen. Im Ärztehaus am Krankenhaus haben Dr. Christina Winkelmann und Dr. Jörg Bähnisch aufgehört. Dr. Elisabeth Petsch sieht nicht nur auf sich und ihre verbliebenen Fachkollegen Dr. Thomas Wetzlich und Dr. Thomas Engelbrecht im Ärztehaus am Jahnstadion so Einiges zukommen, sondern auch auf die Hausärzte und das Klinikum: „Das wird schwierig. Da werden wir wohl an die Kapazitätsgrenzen stoßen.“

Wobei die Ärztin darunter nicht etwa die Menge an Patienten verstanden wissen will, die zeitlich einzuordnen sind. Sie meint vielmehr die Vorgaben der Krankekassen, die Ärzten ein Kontingent zuordnen. Behandeln die Mediziner mehr Patienten, werden Straf-Regresse fällig. Zeit wäre durchaus, sagt Dr. Elisabeth Petsch. Sie hat zum Beispiel schon bisher privat, also auf Rechnung, bestimmte Leistungen in den Räumlichkeiten der Hans-Sachs-Orthopädieschuhtechnik in Kühnicht angeboten. Zwar gibt es keine Praxisbudgets mehr, aber Regelleistungsvolumen ist Regelleistungsvolumen – unabhängig vom recht hohen Altersdurschnitt der Hoyerswerdaer. Er liegt bei 53 Jahren. Und so kommt es, dass Dr. Petsch einen Großteil ihrer Patienten nicht erst neu kennenlernen muss. In Löbau kamen etwa 40 Prozent der Klienten aus dem Raum Hoyerswerda gefahren. Und auch sonst ist die Nachfrage nach Terminen hoch. Wenn in Hoyerswerda ein neuer Arzt oder eine neue Ärztin kommen, spricht sich das eben in der Regel wie ein Lauffeuer herum.

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