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Hoffnung auf ein Ende der langen Ungewissheit

Das Hoyerswerdaer CineMotion-Kino ist seit vier Monaten geschlossen – und jederzeit startbereit.

Toni Züchner leitet seit 2017 das CineMotion-Kino in Hoyerswerda. Wie viele seiner Kollegen in der Kino-Branche wartet er auf klare, konkrete und verbindliche Signale der Politik. Er hofft auf eine baldige Wiedereröffnung des Kinos.
Toni Züchner leitet seit 2017 das CineMotion-Kino in Hoyerswerda. Wie viele seiner Kollegen in der Kino-Branche wartet er auf klare, konkrete und verbindliche Signale der Politik. Er hofft auf eine baldige Wiedereröffnung des Kinos. © Foto: Andreas Kirschke

Hoyerswerda. Die Beinfreiheit ist großzügig. Die roten Kinosessel – bequem zum Sitzen – gehören zum Stil des Hauses. Modern ausgestattet sind die vier Säle. Insgesamt 550 Besucher finden im Hoyerswerdaer CineMotion-Kino Platz. „Wir können jederzeit wieder starten. Wir warten auf verbindliche Signale der Politik. Wir hoffen auf die Wiedereröffnung im April. Realistisch ist wohl Anfang Mai – trotz der jetzt angekündigten Lockerungen“, erklärt Toni Züchner. Der 30-Jährige ist seit 2017 Leiter des Kinos.

In der Zeit des harten Einschnitts aufgrund der Corona-Pandemie braucht er mit seinen acht festangestellten Mitarbeitern einen langen Atem. Seit November ist das Kino geschlossen. Es ist der zweite harte lange Einschnitt. „Bereits Mitte März 2020 mussten wir Corona-bedingt schließen“, erzählt Toni Züchner. „Laut Behörden hätten wir dann im Sommer 2020 wieder öffnen können. Doch der Film-Markt gab es nicht her. Es gab infolge Corona keine aktuellen Filme. Hinzu kamen die strengen Auflagen des Gesundheitsamtes. Mit nur 20 bis 30 Prozent erlaubter Auslastung der Sitzplätze brauchten wir das Haus nicht zu öffnen. Das hätte sich nicht gelohnt.“

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Bundeshilfen sichern Existenz

Erst im September und Oktober 2020 öffnete das CineMotion wieder. Damals liefen Streifen wie „Das perfekte Geheimnis“, „Tenet“, „Max und die wilde 7“ und „Meine Freundin Conny“. Sie kamen bei den Besuchern gut an. Toni Züchner und sein Team hofften auf eine film- und zuschauerreiche Weihnachtszeit. Doch die blieb aus. Im November musste das Kino erneut schließen. Das Weihnachtsgeschäft entfiel vollends. Ebenso blieb das gesamte Gutschein-Geschäft aus. Dank der Bundeshilfen besteht das CineMotion-Kino in Hoyerswerda weiter. Alle acht Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit gesetzt. Das heißt, sie sind zwangsläufig zu Hause, erhalten jedoch 80 Prozent ihres früheren Gehaltes. „So konnten wir alle acht Mitarbeiter halten. Nicht halten konnten wir indes unsere sechs Saisonkräfte. Sie waren auf 450-Euro-Basis im Kino beschäftigt“, sagt der junge Kino-Leiter. Hierarchien kennt er in seinem Team nicht. Jeder kann im Prinzip jede Tätigkeit leisten. Das reicht von der Kasse über Einlass, Reinigung, Verkauf von Süßwaren und Popcorn bis hin zum Bedienen des Filmprojektors.“ Eine genaue Planung des Filmprogramms 2021 ist noch nicht möglich. Mit anderen Kino-Leitern tauscht sich Toni Züchner darüber aus. Mit den Filmhäusern Pirna, Bautzen und Görlitz steht er in Kontakt. Die Leiter hören einander zu, ermutigen sich und motivieren sich.

Viel Solidarität spürt Toni Züchner zugleich von den Zuschauern. Er erzählt von einer Gruppe Mittzwanziger. Mindestens einmal im Monat gehen sie ins Kino. „Haltet bitte durch. Wir brauchen euch“, schrieben sie jetzt an das Kino-Team. Die Älteren indes vermissen das monatliche „Seniorenkino“. „Hoffentlich geht es weiter. Wir würden uns sehr freuen“, schrieben sie an das Hoyerswerdaer Kino.

Viele Maßnahmen ergriffen

Viel investierte die Einrichtung voriges Jahr ins Hygienekonzept. Es wurden zahlreiche Desinfektions-Spender beschaffte und installiert. Es erfolgte eine Anpassung des Empfangsbereiches mit Plexiglas-Scheiben, Plakaten und Vorschrifts-Hinweisen. Sorgfältig geprüft wurden die Möglichkeiten für ein regelmäßiges, intensives Lüften. „Es gab und gibt ein Hygiene-Konzept“, unterstreicht Toni Züchner. „Doch ähnlich wie für Theater und für Konzertsäle kam es nicht zum Tragen. Wir alle hoffen auf ein Ende der langen Ungewissheit.“ Eine Öffnung, so betont er, würde nur Sinn ergeben, wenn zumindest 40 bis 50 Prozent der Sitzplätze ausgelastet sein dürfen.

Das Gemeinschaftserlebnis zählt

Dann könnte das Kino auch wieder zu regelmäßigen Sonderveranstaltungen einladen. Dazu gehören das monatliche Seniorenkino, Opern-Übertragungen aus der Metropolitan Opera New York, Konzertfilme und Kinderkino. „Das Gemeinschaftserlebnis Kino vor der großen Leinwand ist durch Fernsehen und Live-Streams im Internet nicht zu ersetzen. Ebenso nicht die gute Akustik“, ist Toni Züchner überzeugt. Das gibt ihm Hoffnung für die Zukunft.

Der gebürtige Hoyerswerdaer und ehemalige Lessing-Gymnasiast entdeckte seine Leidenschaft fürs Kino schon frühzeitig in der Schulzeit. An der Hochschule Zittau/ Görlitz studierte er bis 2013 Kultur und Management. Von 2014 bis 2016 leitete er in Pirna den Filmpalast. Seit 2017 leitet er das Kino Hoyerswerda. Es gehört zur bundesweiten CineMotion-Kette mit insgesamt 15 Filmhäusern. „Unser Kino hier in Hoyerswerda ist der südlichste Zipfel. Die meisten Häuser sind im Raum Hamburg“, sagt der 30-Jährige. In Hoyerswerda übernahm Toni Züchner die Leitung vom langjährigen Leiter Gerd Sprecher. Dessen Erfahrungen werden nach wie vor gebraucht und von den Kollegen wertgeschätzt. Sie geben dem Team Rückhalt. „Gerd Sprecher gehört zum «Inventar»“, meint Toni Züchner.

Kein Mangel an tollen Filmen

Sein eigener Film-Geschmack sei sehr vielseitig, erzählt der 30-Jährige. Von Romantik über Komödien, Serien, Fantasy-Filmen, Geschichts- und Monumentalfilmen bis hin zu Dokumentationen füllen viele Streifen seine Film-Regale zu Hause. Wie viele Kinofreunde hofft er auf den Neustart der Einrichtung. „Sie sollte auch unter Corona-Bedingungen möglich sein. Alle Filme, die 2020 starten sollten, stehen auf der Warteliste. Unter anderem wurde drei Mal der neue James Bond Film angekündigt“, sagt der Hoyerswerdaer. „Einen Mangel an Filmen dürfte es dieses Jahr nicht geben.“

Seit November ist das Hoyerswerdaer Kino Corona-bedingt geschlossen. Es ist der zweite lange Einschnitt. Das Foyer ist verwaist.
Seit November ist das Hoyerswerdaer Kino Corona-bedingt geschlossen. Es ist der zweite lange Einschnitt. Das Foyer ist verwaist. © Foto: Andreas Kirschke
Auch der moderne Projektor – das Einlegen von Filmrollen ist längst Geschichte – zaubert momentan keine Filme auf die Leinwand.
Auch der moderne Projektor – das Einlegen von Filmrollen ist längst Geschichte – zaubert momentan keine Filme auf die Leinwand. © Foto: Andreas Kirschke

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