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Ein endgültiges Jetzt-noch-nicht

Von der Kirche Groß Särchen wird nach den Richtfunk-Umbauten kein 5G ausgestrahlt – vorerst.

Evangelische Kirche Groß Särchen, hier noch mit den alten Stab-Antennen.
Evangelische Kirche Groß Särchen, hier noch mit den alten Stab-Antennen. © Foto: Uwe Schulz

Groß Särchen. Auf Begeisterung hie und auf große Skepsis da stößt die 5G-Technik; das „Internet der Dinge“, also ein künftiges System der superschnellen mobilen Übertragung enormer Datenmengen; nicht nur zum Telefonieren. Kritisch gesehen wird die befürchtete Gesundheitsgefährdung durch die Strahlung; zum zweiten ist der Anblick von Richtfunkmasten im Ortsbild störend. Finden in einer Gemeinde Arbeiten statt, die funktechnisch aussehen, erhebt sich sofort die Frage: Wird das 5G?

So auch in Groß Särchen. Dort wurde/wird an Turm und Dach der Kirche gewerkelt. Pfarrer Hans-Christoph Gille bestätigte, dass es sich sogar um „zweigleisige“ Tätigkeiten von vodafone und der Telekom handelt. Vodafone modernisiert, wie schon seit Jahren vertraglich vereinbart, seine Funktechnik („ich hoffe, dass sie die Stab-Antennen entfernen und durch weniger sichtbare Technik ersetzen“); zum anderen installiert die Telekom eine Sendeanlage.

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Ersatz für Knappensee-Mast

„Die Telekom muss ihren Mast am Knappensee rückbauen und hat nach einem Ersatzstandort in Groß Särchen gesucht. Im Gespräch war ein Platz neben Krabat’s Neuem Vorwerk, in der Nähe eines Kinderspielplatzes. Da haben wir gesagt: Ehe dort an dieser sensiblen Stelle etwas hinkommt, was obendrein das Ortsbild verändert – sollen sie doch auf der Kirche bauen; von dort wird ja eh schon Richtfunk abgestrahlt.“ Denn, um es ganz klar zu sagen: Solche Technik „aufs Land zu bringen“, ist verbrieftes Recht der Telekom – und ehe man dieses Feld einem Privaten (Flächenbesitzer) überlässt, ist man als Gemeinde besser beraten, kommunalen/öffentlichen Grund zur Verfügung zu stellen – dann hat man gewissen Einfluss auf den Standort.

Ob die Arbeiten damit verbunden sind, dass 5G in Groß Särchen Einzug hält, wusste Pfarrer Gille freilich nicht. Ganz genau weiß es allerdings für die Telekom Georg von Wagner, Sprecher bei der Hauptrepräsentanz des Unternehmens in Berlin.

Telekom und Vodafone antworten

Kurz und knapp beschied er die betreffende Anfrage: „Vorerst wird es in Lohsa (also auch in dessen Ortsteil Groß Särchen, d. Red.) noch kein 5G geben. Ich gehe zurzeit davon aus, dass die Anlagen bis Jahresende in Betrieb sein werden: Ein Großteil der Technik ist bereits aufgebaut.“

Ausführlichere Auskünfte, nicht nur Groß Särchen betreffend, gab es von Volker Petendorf, Konzernsprecher und Chef vom Dienst (CvD) der Pressestelle von Vodafone Deutschland: „Vodafone nutzt den Kirchturm in Groß Särchen seit 2014 als Mobilfunkstation. Diese versorgt die Einwohner und Gäste in Groß Särchen mit Mobilfunk (GSM 900) und mobilem Breitband (LTE 800). In den nächsten Monaten ist eine Erweiterung der Mobilfunk-Station mit der Technologie LTE 1800 geplant. Diese bringt dann mehr Kapazitäten und höhere Geschwindigkeiten ins LTE-Netz. Die Genehmigung für diese Erweiterung liegt bereits vor. Darüber hinaus werden wir auf dem Kirchturm bestehende Mobilfunk-Antennen durch die neueste Antennen-Generation ersetzen und dabei die neuen Antennen harmonischer ins Landschaftsbild einfügen – architektonisch und farblich.“

5G sei das nicht – noch nicht. Zwar werde Vodafone auch die Mobilfunktechnologie 5G mittelfristig nach Groß Särchen bringen – hier stehe aber kein Termin fest.

Mittelfristig 5G zu 100 Prozent

Petendorf gab zugleich einen 5G-Ausblick für den gesamten Landkreis Bautzen: „Vodafone bringt die neue Mobilfunk-Generation 5G auch in den Kreis Bautzen. Aktuell hat Vodafone an drei der insgesamt 106 Mobilfunkstationen im Kreis die 5G-Technologie bereits in Betrieb genommen. Mittelfristiges Ziel ist es, möglichst die gesamte Bevölkerung im Kreis Bautzen an das 5G-Netz anzuschließen – so, wie es bei der Mobilfunkversorgung mit Sprache (GSM =2G) und bei der mobilen Breitbandtechnologie LTE (=4G) bereits heute nahezu der Fall ist.“ Beim 5G-Ausbau im Kreis Bautzen werde Vodafone zunächst die bereits vorhandene Mobilfunk-Infrastruktur weitgehend mitnutzen und seine 5G-Antennen, wo immer es möglich ist, zunächst an den besagten 106 Stationen anbringen – Zug um Zug; zum Beispiel an Masten, Aussichtstürmen, Kirchtürmen sowie auf den Dächern von öffentlichen (wie Rathäusern und Verwaltungssitzen) und/oder Wohngebäuden. „Netzwerktechnisch ist 5G kein komplett neues Netz, sondern ein «add on» (Hinzufügung/Erweiterung, d. Red.) zum vorhandenen Netz.“ Die bereits bestehenden Mobilfunkstationen würden also nach und nach aufgewertet, indem dort zusätzlich 5G-Technologie installiert werde.

Bis Mitte 2021 sollen im Kreis Bautzen noch sieben weitere LTE-Bauprojekte realisiert werden. Dabei wird Vodafone unter anderem in der Elsterheide an einer bestehenden Mobilfunkstation erstmals LTE-Antennen installieren. „Zudem werden wir drei vorhandene LTE-Stationen in Bautzen, Bischofswerda und Lohsa (Groß Särchen) mit zusätzlichen LTE-Antennen ausstatten.“ Was dort gerade geschieht.

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