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Ein fester Ankerplatz für die „Seabreeze“

Dauerhaft soll man sich am Geierswalder See über Flucht und Vertreibung informieren können.

Dirk Rolka, Frank Hirche, Gabriele Wulff und Dr. Jens Baumann während der Lagebesprechung vor Ort.
Dirk Rolka, Frank Hirche, Gabriele Wulff und Dr. Jens Baumann während der Lagebesprechung vor Ort. © Foto: Christine Primpke

Von Christine Primpke und Mirko Kolodziej

Geierswalde. Viel geschrieben und gesagt worden ist über die „Wilhelm Gustloff“, jenes Schiff, das am 30. Januar 1945 mit tausenden Flüchtlingen an Bord von einem sowjetischen U-Boot versenkt wurde. Es gibt Bücher wie „Die Gustloff-Katastrophe“ oder „Vom Flaggschiff zum eisernen Sarg“. Es gibt Filme wie „Nacht fiel über Gotenhafen“ oder „Die letzte Fahrt der Wilhelm Gustloff“. 

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Und es gibt das wahrscheinlich letzte verbliebene Beiboot, das vor nunmehr acht Jahren ins Lausitzer Seenland geholt und hier aufgearbeitet wurde, sowie hier seinen Namen „Seabreeze“ erhielt. Nun kümmert sich der Verein „Segelschul- und Traditionsschiff Seabreeze e.V.“ darum, von dem es immer mal Neues zu berichten gibt – so auch aktuell.

Kürzlich trafen sich Vereinsmitglieder beziehungsweise -verantwortliche, um sich über Planungen abzustimmen. Gast war dabei mit Dr. Jens Baumann vom sächsischen Innenministerium der Beauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler des Freistaates Sachsen. Zuvor besichtigte er das leer gezogene Empfangsgebäude des Bergbaumuseums Energiefabrik in Knappenrode, in dem eine Stiftung des Landesverbandes der Vertriebenen ihr Bildungs- und Begegnungszentrum „Transferraum Heimat“ einrichten will.

Vorstand neu konstituiert

Am Geierswalder See wollte sich Baumann über die Initiative des Fördervereins informieren. Gemeinsam mit Hoyerswerdas CDU-Vorsitzendem Frank Hirche, dem Chef des sächsischen Vertriebenenverbandes, informierte er sich bei Gabriele Wulff und Dirk Rolka vom Vereinsvorstand über die erwähnten neuesten Vorhaben.

Erst im Frühjahr hat sich die Vereinsspitze neu konstituiert. Dirk Rolka, im Hauptberuf Geschäftsführer der Lausitzhalle, hat den Vorsitz an den Anwalt und Hoyerswerdaer SPD-Stadtrat Jan Kregelin abgegeben. Er lenkt die Vereinsgeschicke nun gemeinsam mit Rolka sowie Hoyerswerdas früherem Bürgermeister Thomas Delling. Wie es hieß, könnten die anstehenden Aufgaben nun auf breitere Schultern verteilt werden. Trotz der vielen Probleme durch die Restriktionen zur Eindämmung von Covid-19 nutzte die Vereinsspitze die Zeit, um Entscheidungen vorzubereiten. Sie wollte nach eigener Erklärung keinen Stillstand zulassen.

Drei Schiffscontainer erworben

Mit Elsterheide-Bürgermeister Dietmar Koark (CDU) war bereits im vorigen Jahr abgestimmt worden, dass die „Seabreeze“ als Kulturdenkmal im Lausitzer Seenland verbleiben soll. Koark war das wichtig. Er sagt, auch als touristische Attraktion müsse das Boot seinen festen Platz im Geierswalder Hafen haben. Im Zuge der weiteren Entwicklung im Seenland ergebe es durchaus Sinn, für die „kleine Gustloff“ hier den Anker zu setzen. Das war wiederum für den Förderverein ein ausschlaggebendes Signal für weitere Aktivitäten.

Mit den baulichen Veränderungen bei Grill & Chill sowie den Böschungsverdichtungen im Zusammenhang mit dem Setzen von Spundwänden für das Hafenbecken wird das Segelschul- und Traditionsschiff „Seabreeze“ künftig zwischen dem Hafen des 1. Wassersportvereins Lausitzer Seenland sowie dem Grill-&-Chill-Gelände seinen Liegeplatz bekommen. Im nächsten Jahr soll es damit so weit sein. Somit wäre der Verbleib des Bootes verbindlich und dauerhaft geklärt.

Als zweiter Schwerpunkt lief schon längere Zeit ein Projekt, das über das Crowdfunding-Angebot „99 Funken“ der Sparkasse realisiert werden sollte. Bei der Aktion ging es darum, bessere Bedingungen für die an der „Seabreeze“ interessierten Schulklassen sowie sonstige Gäste zu schaffen. Bisher gab es nur provisorische Lösungen am Ufer. Aber mit einfachen Stühlen im Sand zu sitzen und dabei historische Fakten zu vermitteln, war nach Auffassung der Beteiligten keine wirklich gute Lösung. Wegen der steigenden Nachfrage, am Geierswalder See eine Begegnungsstätte zu errichten, reifte im Verein die Idee, zwei Schiffscontainer im maritimen Charakter zu beschaffen und als eine Art kleines Museum einzurichten. Die Spenden-Aktion war auch erfolgreich. Es wurden mittlerweile insgesamt drei Container gekauft. In der Zwischenzeit wurden sie für die Aufstellung auf dem neuen Vereinsgelände hergerichtet. Während der gemeinsamen Lagebesprechung beim Besuch von Baumann und Hirche sah man sich den Stellplatz für die aufgemöbelten Container an.

Der Förderverein der „Seabreeze“ möchte nun am neu geschaffenen Vereinsgelände landseitig eine Art Außenstelle der Knappenroder Ausstellung schaffen, die sich genau wie diese mit den Themen Flucht und Vertreibung beschäftigt. Helfen sollen große Schaufenster in den besagten Containern. Hier sollen während der Saison Schulklassen und andere Gäste die Möglichkeit haben, etwas über die Historie der „Gustloff“ und ihres Beibootes zu erfahren. Als Ziel wurde das Ansinnen formuliert, Geschichte auf hohem Niveau erlebbar zu gestalten.

Wie ein Schiffsbug

Überdies haben die Vereinsmitglieder sich engagiert bemüht, direkt am Radwanderweg eine „Seabreeze-Bar“ mit Loungebereich zu schaffen. Auf rund 200 Quadratmetern können sich die Gäste dort wohlfühlen, Erfrischungsgetränke genießen, ins Gespräch kommen und ihr Wissen zu historischen Hintergründen vertiefen. Besucher können sich hier entspannen, Cocktails trinken, verweilen und sich gleichzeitig mit der Geschichte der „Seabreeze“ vertraut machen. Nach dem Aufbau der drei Container begannen die Einräumarbeiten und die Ausgestaltung. Ihre Funktion: Während zwei das kleine Museum beherbergen, dient der dritte Container als Aussichtsturm. Das Dreier-Ensemble soll in der Form an einen Schiffsbug erinnern.

Aktuell nicht im Wasser

Konzipiert ist eine öffentliche Nutzung während der Saison. Wie es vor Ort hieß, wolle man für schulische und sonstige Interessenten ein niveauvolles Gesamtpaket anbieten können. Künftig sind auch touristische Events zur Unterhaltung geplant. Dirk Rolka erklärt, es gehe darum, die Geschichte des Beibootes der „ Gustloff“ auf eine zeitgemäße Ebene zu bringen.

Der große Traum der Mitglieder des Fördervereins für die Zukunft ist es, dauerhaft über das ganze Jahre im Zuge der touristischen Entwicklung im Lausitzer Seenland ein niveauvolles Schulungszentrum zu schaffen, eine Außenstelle des „Transferraum Heimat“ am Wasser. Wenn die „Sea-breeze“ im kommenden Jahr ihren festen Liegeplatz erhalten hat, sollen vorbei fahrende Radler nicht nur gemütlich ein Eis schlecken, Erfrischungsgetränke genießen oder im Liegestuhl verweilen, sondern auch die Geschichte der „Gustloff“ und der „Seabreeze“ studieren. Die Vereinsmitglieder sind überzeugt, dass es besonders für die junge Generation wichtig ist, die Themen Flucht und Vertreibung im Container-Museum zeitgerecht zu vermitteln sowie erlebbar zu gestalten.

Die „Seabreeze“ selbst befindet sich bis zur Verfügbarkeit des fixen Ankerplatzes im kommenden Jahr in Hoyerswerda im Trockendock. Deshalb nutzt der Förderverein „Segelschul- und Traditionsschiff Sea-breeze e.V.“ die Zwischenzeit zur Realisierung der oben geschilderten Aufgaben und Ziele. Die Gesellschaft für Aus- und Fortbildung (GAF) im Hoyerswerdaer Industriegelände hat in Verantwortung ihres Mitarbeiters Michael Ratzing, in Hoyerswerda auch Stadtrat der AfD, die Restaurierung der erwähnten drei Schiffscontainer übernommen. (ChP/MK)

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