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Ein Fleischermeister auf zwei Rädern

Der Hoyerswerdaer Frank Sinapius nutzt für den Lieferverkehr neuerdings auch ein Lasten-Fahrrad.

Wenn man das Lenken geübt hat, gehts auch in der Kurve recht sportlich voran: Frank Sinapius auf seinem Lasten-Fahrrad.
Wenn man das Lenken geübt hat, gehts auch in der Kurve recht sportlich voran: Frank Sinapius auf seinem Lasten-Fahrrad. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Es war vor reichlich drei Jahren bei einer Radtour mit Freunden in Holland, als dem Hoyerswerdaer Fleischermeister Frank Sinapius immer wieder Menschen auf Lasten-Fahrrädern begegneten: „Die Infrastruktur zum Radfahren dort ist ja auch sehr gut“, sagt er. Seit ein paar Monaten ist Sinapius nun selbst Eigentümer eines Lasten-Fahrrades.

Er würde sein „Prophete Cargo Bike“ nicht wieder hergeben: „Wenn es zum Lebenswandel passt, ist so etwas sehr zu empfehlen. Du bewegst Dich, bist an der frischen Luft und kannst durchaus etwas wegtransportieren.“

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Seine Beobachtungen aus den Niederladen kamen Frank Sinapius wieder in den Sinn, als die Entscheidung zum Kauf eines dritten Lieferwagens anstand. Der Handwerksmeister überlegte sich, wie oft das Fahrzeug effektiv tatsächlich bewegt werden und wie oft es hingegen nur den Hof blockieren würde. Er begann, sich im Fahrradhandel umzusehen, beschäftigte sich mit unterschiedlichen Modellen, deren Vor- und Nachteilen sowie den Kosten. Wegen der Anti-Viren-Maßnahmen im Frühling war es dann gar nicht so einfach, einen Händler zu finden, der liefern konnte.

Sachsens älteste Fleischerei

Im Mai kam das Lastenrad schließlich per Paketdienst in der Kirchstraße an. „Es stand auf einer Palette, war verschnürt und schön eingepackt“, sagt Sinapius. Seither wird der Prophete jeden Tag benutzt. Man müsse, schildert der Eigentümer, aufgrund der Länge des Gefährts schon etwas üben. Da das Vorderrad relativ weit vom Lenker entfernt angebracht ist, ist zum Beispiel in Kurven ein früheres Einlenken erforderlich. Aber das, versichert Sinapius, verinnerliche sich eigentlich recht schnell.

Der Chef von Sachsens mit 306 Jahren ältester Fleischerei radelt nun geschäftlich zum Großhandel oder zum Privateinkauf in den Supermarkt. Seine Partnerin Janina Gräser nutzt den zweirädrigen Lastenesel, um die freitäglichen Lieferungen für die örtliche Marktschwärmerei im Industriegelände sicherzustellen. Genutzt werden Tranportboxen, die exakt auf die Ladefläche passen. Frank Sinapius erzählt, dass eine Fleischlieferung ins „All Jerk“ im WK I in zwölf Minuten erledigt sei. Mit den nötigen Ampel-Pausen wäre das im Lieferwagen wohl kaum unter 20 Minuten zu schaffen. Da dauere mitunter schon das Verlassen des Hofes wegen des Verkehrs auf der Kirchstraße so seine Zeit.

Maximalgewicht zu beachten

Natürlich hat der Long John, wie ein zweirädriges Lasten-Fahrrad auch genannt wird, so seine Grenzen. Bestellt jemand beim Fleischerei-Catering Spanferkel oder Kassler im Brotteig, ist das kein Problem. Für belegte Schnittchen nimmt Frank Sinapus dann aber doch lieber den Lieferwagen. Die Straßen sind schließlich nicht so glatt, dass es auf dem Fahrrad nicht ruckeln würde. Sinapius hat es einmal probiert und der Brotbelag blieb nicht dort, wo er hingehört. „Empfindliche Sachen gehen also damit nicht“, lautet das Fazit – ebenso wenig wie eine rasche Lieferung zum Beispiel nach Bernsdorf. Generell muss auf das Gewicht geachtet werden. Denn für jedes Cargo Bike gibt es eine maximal zulässige Transport-Last. Im Falle des Prophete sind das 170 Kilogramm. Dies schließt die 50 Kilo ein, die das Rad wiegt und ebenso das Gewicht des Fahrers oder der Fahrerin.

Wegen des Gewichtes ist das Anfahren aus dem Stand nicht so einfach. Unter anderem daher gibt es eine Unterstützung durch einen fünfstufigen Elektromotor. Je nach Zuschaltung muss das Gefährt also an die Steckdose. Hundert Kilometer sind aber kein Problem. Janina Gräser war mit dem Lasten-Fahrrad auch schon in Elstra. Wegen des Gewichtes empfiehlt Frank Sinapius in jedem Fall eine Scheibenbremse.

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Für all das legt man eine vierstellige Summe hin. Unter ganz bestimmten Umständen kann man für gewerblich genutzte Lasten-Fahrräder einen Zuschuss vom Bundesumweltministerium bekommen. Sachsens Regierung hat so eine Förderung gerade erst am Dienstag beschlossen. Frank Sinapius sagt, die Reaktionen auf seinen Prophete seien durchweg positiv. Häufig würden Leute Details wissen wollen und nicht selten gebe es ein freundliches Lächeln, wenn er an jemandem vorbei radele.

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