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Ein Hoyerswerdaer hilft in Schlesien

Lothar Beloch möchte das deutsch-polnische Verhältnis nicht weiter abkühlen zu lassen.

So beladen startet Lothar Beloch seine Hilfstransporte nach Polen.
So beladen startet Lothar Beloch seine Hilfstransporte nach Polen. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Die Unterstützung der deutschstämmigen Minderheit in Polen beim Erhalt ihrer Kultur und Sprache ist Lothar Beloch aus Hoyerswerda schon seit Jahren ein wichtiges Anliegen. Er entwickelt immer neue Ideen, um Kontakte zu deutschstämmigen Schlesiern und den Gemeinden zu pflegen, in denen sie leben.

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Seine bisher letzten Hilfstransporte gingen an die Warsztaty Terapii Zajęciowej (zu deutsch Werkstatt für Beschäftigungstherapie) nach Lubsko (Sommerfeld). Dort lernen behinderte Menschen die Arbeitsbereiche Floristik und Küche kennen und sollen dann über Betriebspraktika in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Die Corona-Krise lässt aber auch in Polen die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehen, weil soziale Einrichtungen kein höheres Budget bekommen, aber Hygieneauflagen erfüllen müssen, erläutert Lothar Beloch. Deshalb nimmt die Werkstatt in Lubsko gern jede Art von Hilfe an. Der Hoyerswerdaer hat schon mehrfach mit seinem Privat-Pkw in der Freizeit Besteck, Geschirr sowie Bekleidung für Erwachsene und Kinder in den polnischen Ort gefahren. Zu der Polin Halina Rogoz, welche die Transporte mitorganisiert und als Dolmetscherin begleitet, sagte er jüngst: „Morgen um 8 Uhr hole ich Dich ab, aber keine Handtasche mitbringen, nur Maske und Reisepass. Das Auto ist voll.“ Die Sachen spenden deutsche Kollegen und Freunde von Lothar Beloch mit großer Bereitschaft.

Doch auch gesponserte Lehrbücher der deutschen Sprache und deutsche Romane helfen der deutschen Minderheit in Schlesien weiter. In Dobrzen Welki (Groß Döbern) bei Opole (Oppeln) hat Lothar Beloch im Jahr 2018 eine Büchertauschbox aufgebaut, ähnlich der am Mehrgenerationenhaus in der Albert-Schweitzer-Straße in Hoyerswerda. Er verweist auf die neue Schulreform der PiS-Regierung, nach der Deutsch nur noch als zweite Fremdsprache oder Minderheitensprache unterrichtet werden darf. Das heißt, die Stundenzahl für den Deutschunterricht pro Woche ist halbiert worden.

Um die Sprachausbildung zu unterstützen, hat Lothar Beloch mit seinem Sohn Alexander ehrenamtlich eine deutsch-polnische Handreichung für junge Erwachsene erarbeitet. Dreimal brachte er mit dem Auto Bücher für den Deutschunterricht an polnische Schulen. Eine Fahrt führte Lothar Beloch nach Bilawy in den niederschlesischen Heimatort seines Vaters. Das war genau 75 Jahre nach jenem Tag, als seine Großeltern von dort vertrieben wurden.

Der Hoyerswerdaer erläutert auch die Gebietsreform der PiS-Regierung, nach der Dörfer wie Dobrzen Welki zum Teil gegen ihren Willen Ortsteile polnischer Gemeinden wurden. Sinkt in den Gemeinden der Anteil der deutschstämmigen Bevölkerung auf unter 20 Prozent, dürfen sie keine zweisprachigen Ortsschilder mehr aufstellen. Deutschstämmige Gemeinderäte können leicht überstimmt werden. Dies hat auch Auswirkungen auf die Bewilligung von Fördergeldern für die Minderheit.

Lothar Belochs Aktivitäten an polnischen Schulen und die Hilfstransporte an soziale Einrichtungen haben den Zweck, das deutsch-polnische Verhältnis nicht weiter abkühlen zu lassen. „Deutschfeindliche Äußerungen soll nicht auf fruchtbaren Boden fallen“, so sein Anliegen.

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