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Ein Mord am Tagebau-See

Schon geraume Zeit entsteht in der Region eine Krimi-Serie für das Fernsehen.

Lawrence Petzer aus Tätzschwitz
ist als Komparse
mit von der Partie.
Den Filmleuten war wichtig, dass die Kleindarsteller tatsächlich Leute aus der Lausitz sein sollten. Die Rede war von „Wirklichkeitsanspruch“.
Lawrence Petzer aus Tätzschwitz ist als Komparse mit von der Partie. Den Filmleuten war wichtig, dass die Kleindarsteller tatsächlich Leute aus der Lausitz sein sollten. Die Rede war von „Wirklichkeitsanspruch“. © Foto: Mirko Kolodziej

Gefilmt zu werden, ist für junge Menschen heute ungefähr so selbstverständlich, wie vor ein paar Jahrzehnten vielleicht, für ein Foto zu posieren. Lawrence Petzer aus Tätzschwitz etwa hat 500 Abonnenten für seinen eigenen Musik-Youtube-Kanal im Internet. Er hat in den Kurzfilmen „Der Drache“ von Angela Schuster sowie „Kopf und Bauch“ von Martin Rattke mitgespielt. Nicht zuletzt war der heute 19-Jährige seit 2010 bei den meisten Projekten von Hoyerswerdas KuFa-Tanzcompany dabei, bei denen eigentlich immer eine Kamera mitlief, meist sogar mehrere.

Trotzdem nennt Lawrence seine jüngste Film-Erfahrung „faszinierend“ und mit den bisherigen kaum vergleichbar: „Da sind so unglaublich viele Leute beteiligt.“ Der junge Mann wirkt als Kleindarsteller bei einem Fernseh-Projekt mit, das in den letzten Wochen in der Region für viel Gesprächsstoff gesorgt hat, obwohl die Macher peinlich darauf bedacht sind, ja nicht zu viel zu verraten. Das TAGEBLATT etwa wollte schon vor geraumer Zeit gern einen der Drehorte für die Krimi-Serie mit dem Arbeitstitel „Lauchhammer“ besuchen, aber die Filmleute lehnten freundlich ab.

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Dennoch: Ein paar der Drehorte sind bekannt. Als der Riesen-Stab vor einigen Tagen in Hoyerswerdas Heckert-Siedlung anrückte, ließ sich das kaum verheimlichen. Auch die Filmarbeiten dieser Tage im Schwarzkollmer Steinbruch blieben nicht unbemerkt. Einige Mitarbeiter gehören zum Komparsen-Team. Auf der anderen Seite der B 96 hat sich die Produktion in Laubusch im Internationalen Informatik- und Begegnungszentrum IBS eingerichtet, also in der einstigen Brikettfabrik-Verwaltung. Der Ort dient zudem auch als Kulisse für „Lauchhammer“. So hat die Wohnungsgenossenschaft Laubusch ein leerstehendes Haus in der Bergmannstraße in der Ortslage Bergmannsheimstätten zur Verfügung gestellt. Eine Wohnung darin wurde so hergerichtet, wie sie zu DDR-Zeiten hätte sein können. „Das war schon Wahnsinn, was die da an Möbeln aus früheren Zeiten reingestellt haben“, berichtet Genossenschafts-Chefin Kerstin Sauer.

Kaffee auch für Anwohner

Die Serie um einen Mord an einem Tagebau-See sowie um die Kommissare Maik Briegand (Mišel Matičević) und Annalena Gottknecht (Odine Johne) spielt also nicht nur im Heute. „Wie die riesigen Schaufeln der Förderbagger, die geduldig Schicht um Schicht abtragen, um der Erde ihre Braunkohle zu entreißen, graben sich die beiden Ermittler in ihren Fall, der sie schließlich Jahrzehnte in die Vergangenheit führt - zurück in Maik Briegands Jugend und zu einem traumatischen Erlebnis“, dichtet die Presseabteilung der über ihre Tochter Moovie beteiligten Constantin-Film (siehe Kasten) in einer Mitteilung mit einer Überschrift, die beim Fernsehfreund Erwartungshaltungen wecken dürfte. „Moovie dreht hochkarätig besetztes ARD-Arte-Serienhighlight «Lauchhammer»“ heißt es da.

Matičević etwa wirkte mehrfach in Tatorten mit, aber auch als Edgar Kasabian alias Der Armenier in „Babylon Berlin“. Johne war ebenso in Tatorten zu sehen. Mit von der Partie sind außerdem unter anderem Uwe Preuss, der in „Charitè“ Hausmeister Fritz Krug gibt oder Ramona Kunze-Libnow, die Hannelotte Kümpner-Sellendorf aus den „Meine-Mutter“-Filmen.

Kerstin Sauer beschreibt die Film-Crew als ausgesprochen freundlich. Die Anwohner in Laubusch hätten aus dem Catering-Zelt schon mal einen Kaffee bekommen, wenn schon August-Bebel- und Bergmannstraße mit Technik verstopft waren: „Da hat sich dann auch niemand beschwert, weil es keine Parkplätze gab.“

Lawrence Petzer, der immerhin so viel verraten darf, dass er verschiedene Komparsen-Rollen übernommen, sich aber vergeblich um eine Sprech-Szene beworben hat, freut sich vor allem, so viele kreative Menschen auf einmal getroffen zu haben. „Für mich waren Filme und Serien immer weit weg. Und plötzlich ist man da mittendrin und sieht im Grunde Menschen, die ihr Handwerk tun“, sagt er. Da der 19-Jährige nun, übrigens genau wie seine ebenso mitwirkende Schwester Salomé, in der Kartei der Agentur für Casting und Komparserie „filmissimo“ geführt ist, könnte es durchaus passieren, dass er künftig ab und an eine Anfrage bekommt.

Beruflich hat er jedoch anderes vor. Am Freitag ist seine erste eigene Single „Ich leide“ erschienen und in ein paar Tagen zieht er in die Oberpfalz, um sich in Sulzbach-Rosenberg an der Berufsfachschule für Musik ausbilden zu lassen. Ziel ist eine Karriere als Popmusiker. Wenn „Lauchhammer“ Ende 2022 erscheint, wird er sich die Serie aber in jedem Fall ansehen.

beteiligte Produzenten

arte: deutsch-französischer Fernsehsender, Schwerpunkt Kultur
Degeto: Deutsche Gesellschaft für Ton und Bild, Filmeinkauf der ARD
mdr: ARD-Landesanstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
moovie: Produktionsfirma, Tochter der Constantin-Film
rbb: ARD-Landesanstalt für Berlin und Brandenburg

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