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Ein Ort der Ruhe und Besinnung soll entstehen

Der Friedhof in Riegel mit seiner Trauerhalle und dem Glockenturm soll langfristig neu gestaltet werden.

Zum „Ort der Ruhe und Besinnung“ soll der Friedhof in Riegel neugestaltet werden. Dominic Knote (links) und Hagen Aust vom Ortschaftsrat setzen sich dafür ein.
Zum „Ort der Ruhe und Besinnung“ soll der Friedhof in Riegel neugestaltet werden. Dominic Knote (links) und Hagen Aust vom Ortschaftsrat setzen sich dafür ein. © Foto: Andreas Kirschke

Riegel. Liebevoll eingedeckt und gepflegt sind die Gräber auf dem kleinen Friedhof in Riegel. Ringsherum ist frisch geharkt. Am Glockenturm der Trauerhalle erinnert ein Christuskreuz an die Geschichte. Die Jahreszahl 1895 steht darauf. Sie ist das Baujahr des Glockenturms „Ursprünglich gab es nur den Glockenturm. Die Trauerhalle als Anbau entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Einwohner errichteten sie in vielen Stunden in freiwilliger Arbeit durch das «Nationale Aufbauwerk»“, erzählt Hagen Aust (47), seit 2004 Gemeinderat und seit 2019 auch Mitglied im Ortschaftsrat.

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Von den älteren Einwohnern erfuhr er mehr zur Geschichte des Gebäudes. Der Anbau als kleine Trauerhalle entstand zwischen 1963 und 1968. Bauleiter war damals Richard Dutschmann. Beteiligte beim Aufbau waren Max Aust (Hagen Austs Großvater), Christian Knote (Dominic Knotes Urgroßvater), Johann Burchard, Max Petschick, Dieter Knote, Kurt Stiller, Heinz Dutschmann und Manfred Aust (Hagen Austs Vater). Die Glocke wurde 1955 installiert. Zunächst läutete zu gegebenen Anlässen Emma Knote, später Ralf Knote. Seit über 50 Jahren läutet jetzt Heinz Dutschmann, wenn im Ort ein Einwohner verstorben ist und bei den Beerdigungen. Der Wasser-Anschluss sowie die Baum-Allee entstanden Anfang der 1950er Jahre. Mit beteiligt war dabei unter anderem Reiner Knote (Dominic Knotes Großvater). „Der kleine Friedhof mit Trauerhalle gehört zur Geschichte in Riegel. Er hat gewissen Charme und Wert für den Ort. Sehr schön ist die kleine Baum-Allee von der Staatsstraße S 108 zum Friedhof“, findet Dominic Knote (24), seit 2019 Mitglied im Ortschaftsrat.

Seit über 15 Jahren kämpfen die Einwohner um die Sanierung der Trauerhalle mit Glockenturm. Das Vorhaben ist der erste Schritt im Gesamtprojekt „Neugestaltung des Friedhofs Riegel zum Ort der Ruhe und Besinnung“. Die Ideen dazu hatten der Lohsaer Bürgermeister Thomas Leberecht (CDU) und Jens Kieschnick, Sachbearbeiter Bergbau und Tourismus in der Gemeinde Lohsa. Diese Ideen wurden durch Hagen Aust und Dominic Knote vom Ortschaftsrat verfeinert und im November 2020 den Einwohnern in Riegel vorgestellt.

Weder Heizung noch Strom

Dringend notwendig ist die Sanierung der Trauerhalle mit Glockenturm. Bis auf kleinere Ausbesserungen gab es noch keine Restaurierung. Inzwischen durchziehen Risse das Mauerwerk. Feuchtigkeit steigt in den Wänden hoch. Entsprechende Feuchtigkeits-Sperren sind kaputt, oder sie fehlen ganz. Undicht ist bereits das Dach, es hat keine Dachrinne. Im Gebäude selbst gibt es weder Heizung noch Stromanschluss. Nur der Fußboden ist noch intakt.

Knapp 40.000 Euro Kosten

Der Friedhof in Riegel befindet sich ebenso wie der in Hermsdorf Spree, in Steinitz und in Weißkollm in Verantwortung der Gemeinde Lohsa. Der Friedhof Lohsa wiederum gehört zur Evangelischen Kirchengemeinde. 2021 soll die Trauerhalle in Riegel saniert werden. Rund 39.000 Euro betragen die Gesamtkosten. 8.000 Euro steuert die Gemeinde Lohsa bei. 31.000 Euro kommen als Leader-Förderung.

Die Sanierung ist der erste Schritt im Gesamt-Vorhaben Friedhof Riegel. Trocken zu legen sind die Wände der Trauerhalle. Der Sockel muss zum Teil neu verputzt werden. Der alte Fußboden ist aufzustemmen und neu zu verlegen. Eingesetzt werden müssen neue Fenster. Ebenfalls zu erneuern sind die Eingangstür und das Dach. Es soll erstmals Dachrinnen erhalten. „Die Außenfassade lassen wir verputzen und neu streichen“, erläutert Hagen Aust.

Am 14. November 2020 lud er mit Dominic Knote zu einer Bürgerversammlung an frischer Luft ein. Dabei stellten beide das Gesamtprojekt Friedhof vor. Sie riefen die Einwohner auf, ihre Ideen, Anregungen, Hinweise und Kritiken einzubringen. Zum „Ort der Ruhe und Besinnung“ soll der Friedhof werden. Vorstellbar sind eine Sitzecke zum Verweilen für Besucher und Radwanderer. Vorstellbar ist ebenfalls eine Informationstafel zur Geschichte der Trauerhalle mit Glockenturm. „Für Hinweise und Fakten zur Geschichte sind wir dankbar. Einwohner und Interessierte können sich gern an uns wenden“, sagt Dominic Knote.

Vorstellbar sind zudem ein kleiner Rastpunkt für Radwanderer, ein neuer Rasen und ein neuer Zaun für das Objekt. „Die Einwohner sind jetzt gefragt. Wir wollen so viele Ideen wie möglich realisieren“, betont Hagen Aust.

Eigenleistungen der Einwohner

Rund 120 Einwohner leben heute in Riegel. Sie sollen sich tatkräftig ins Projekt einbringen. Möglich sind prinzipiell Arbeiten in Eigenleistung durch die Bürger. Dazu gehören vor allem Abrissarbeiten. Den Hauptteil der Sanierung sollen Fachfirmen stemmen. Die Gemeinde Lohsa bereitet jetzt die Ausschreibung vor. Der Technische Ausschuss vergibt die Aufträge. Die Sanierung der Trauerhalle soll bis Ende dieses Jahres erledigt sein. Die weitere Neugestaltung des Friedhofes soll dann folgen.

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