merken
PLUS Hoyerswerda

Ein prominenter Gast und 90 Motorräder

„Gasthof & Pension Kühnel“ – seit drei Jahrzehnten in Maukendorf. Eine Jubiläums-Feier musste ausfallen.

Ingrid (72) und Gerd Kühnel (75) haben vor 30 Jahren in Maukendorf erst eine Gaststätte und wenig später eine Pension eröffnet – und das Geschäft ausgebaut.
Ingrid (72) und Gerd Kühnel (75) haben vor 30 Jahren in Maukendorf erst eine Gaststätte und wenig später eine Pension eröffnet – und das Geschäft ausgebaut. © Foto: Ralf Grunert

Maukendorf. Das 20-jährige Bestehen wurde mit der Party-Band „Jolly Jumper“, mit DJ Charity und dem Blasorchester „Glückauf“ Knappenrode zwei Tage lang gefeiert. Zehn Jahre später, am vergangenen Sonntag, gab es keine Party. Corona ließ das nicht zu. Und so blickten Ingrid und Gerd Kühnel im Stillen auf den 9. Mai 1991 zurück, als sie in Maukendorf ihre Gaststätte eröffneten. „Wir wollten im Mai starten. Da bot sich Himmelfahrt an. Wir hatten ein volles Haus“, wird Ingrid Kühnel nie vergessen.

Der Schritt in die Selbstständigkeit war für Gerd Kühnel, der viele Jahre an der Trasse in der damaligen Sowjetunion gearbeitet hat, und für seine Ehefrau als gelernte Sekretärin ein Sprung ins kalte Wasser. Gleichzeitig erfüllten sie sich damit aber auch einen Wunsch. „Ursprünglich wollten wir eine Eisdiele eröffnen. Wir waren aber nicht sicher, ob sich das gelohnt hätte. Daher haben wir uns auf das Gaststättengewerbe orientiert“, erzählt Ingrid Kühnel. Ihr Mann absolvierte eine Umschulung zum Koch, sie zur Restaurantfachfrau.

Anzeige
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!

Mit einem Crowdfundingprojekt unterstützt die Volksbank Dresden-Bautzen eG gemeinnützige Projekte.

Statt Garage ein Eigenheim

Nach Maukendorf hat es das Paar eher zufällig verschlagen. Sie stammt aus Weißwasser, er aus Oberoderwitz. Gemeinsam lebten sie in den 1980er-Jahren in Hoyerswerda. „Wir haben ein Grundstück gesucht, auf dem wir eine Garage bauen wollten“, erinnert sich Ingrid Kühnel. Angeboten bekamen sie ein Grundstück für den Eigenheimbau in Maukendorf. 1985 sind sie in ihr neues Haus eingezogen. Gleich nebenan errichteten sie später die Gaststätte, die kurz darauf um vier Pensionszimmer erweitert wurde. Seither heißt ihr Familienbetrieb „Gasthof & Pension Kühnel“.

Wunsch nach Übernachtung

Und der entwickelte sich weiter. 1996 wurde der mehrgeschossige Pensions-Neubau mit zwölf Zimmern und einem großen Gastraum auf dem heimischen Grundstück fertiggestellt. Kühnels haben sich zu dieser Investition entschlossen, da sie bemerkt hatten, dass viele Gäste nach Feiern gern auch gleich vor Ort übernachten würden. Bei größeren Veranstaltungen haben die Kapazitäten bis dahin nicht ausgereicht.

Drei Jahre später übernahmen Kühnels die direkt am Knappensee-Rundweg gelegene „Fischerhütte“ am Maukendorfer Ufer. „Wir wollten gern am See sein und eine Sommergaststätte betreiben.“ Ingrid Kühnel spricht von „Völkerwanderungen“ in der Saison. „Am Wochenende haben wir bei schönem Wetter in der «Fischerhütte» mehr Umsatz gemacht als im Gasthof und in der Pension.“ Personell war das problemlos zu bewältigen, blickt Ingrid Kühnel zurück. „Wir haben sehr viele Lehrlinge gehabt und wussten oft nicht, wie wir sie einsetzen sollen.“ Die 72-Jährige schätzt, dass im Verlauf der Jahre in ihrem Unternehmen rund 100 Lehrlinge und Umschüler eine Ausbildung erhalten haben.

Daher fiel es Kühnels auch nicht allzu schwer, im Jahr 2000 die Kobermühle in Wittichenau zu übernehmen. „Das war eine reizvolle Aufgabe“, sagt Ingrid Kühnel. Die Nähe der Stadt hatte etwas für sich. Auch die Größe der Gaststätte, die seit 2007 der Sohn betreibt. „In Maukendorf sind wir auf Feiern mit 25 bis 30 Gästen eingerichtet“, erklärt Gerd Kühnel. „Die Kobermühle bietet sich für Feiern von 40 Personen an aufwärts geradezu an.“

Die Gastwirtsfamilie erlebte, wie viele Selbstständige, arbeitsreiche Zeiten. „Wir hatten sehr lange keinen einzigen Ruhetag“, erzählt Ingrid Kühnel. „Nach 14 Jahren gönnten wir uns den ersten Urlaub.“ Für vier Tage ging es außer Landes.

Ein Rückschlag am Knappensee

Vor etwa zehn Jahren änderte sich die Gesamtsituation schlagartig, schildert Ingrid Kühnel. „Plötzlich gab es keine Bewerbungen mehr für eine Lehrstelle. Angestellte zu finden ist seither ebenfalls nicht leicht.“ Für einen Rückschlag sorgte auch die 2014 gestartete Knappensee-Sanierung. „Als es hieß, der Knappensee wird dichtgemacht, ging es mit den Gästezahlen in der «Fischerhütte» abrupt abwärts. Und das schon drei Jahre vor Sanierungsbeginn.“

In dieser Phase des Umbruchs platzte auch ein langgehegtes Vorhaben von Familie Kühnel. 20 Jahre lang hatte sie sich um die ehemalige Gaststätte „Goldene Traube“ an der B 96 bemüht. Vor zehn Jahren klappte es dann damit. Der ursprüngliche Plan sah vor, den Saal auszubauen und zu expandieren. Sogar eine Baugenehmigung habe es bereits gegeben, sagt Ingrid Kühnel. Letztlich scheiterte es am fehlenden Personal. „Außerdem wollten wir nichts riskieren.“ Immerhin: Auf einem Teil des Grundstücks sind ein Spielplatz und Parkplätze für die Pensions-Gäste entstanden. Wie es allerdings mit dem baufälligen Gebäude weitergehen soll, vermag sie nicht zu sagen. Aktuell befindet sich eine Photovoltaikanlage auf einem Teil des Daches.

Pension hilft in Corona-Krise

Ingrid und Gerd Kühnel haben in den zurückliegenden 30 Jahren viel erlebt. Mal standen 90 Motorräder auf dem Hof. Mit Heinz Quermann hatten sie 1997 einen prominenten Gast für eine Nacht im Haus. Weniger gern denken Kühnels an die jüngere Vergangenheit. Die Gaststätte ist seit Monaten geschlossen. Aber wenigstens die Pension läuft. Das rettet den Familienbetrieb zumindest ein Stück in der Corona-Krise. Zwar genießen sie es, an den Wochenenden frei zu haben. Die jetzige Situation zu nutzen, um endgültig zu schließen? „Das wollen wir nicht“, versichert der 75-jährige Gerd Kühnel und kündigt an: „Wenn es wieder zulässig ist, werden wir den regulären Gaststättenbetrieb aufnehmen und auch kleine Feiern ausrichten.“

Mehr zum Thema Hoyerswerda