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Ein Stück Heimat lebt auf

Schrotholzhaus in Lieske wird wieder sicher begehbar – Sanierungsarbeiten werden aber auch jetzt weiter fortgeführt.

Edelbert Niedan (Zimmerer) und Cornelia Schnippa (Vorsitzende des Fördervereins HeimatHOF Lieske) sichten Stücke des originalen Holzes: Was ist wiederverwendbar – und was wird auf Grund zu starker Abnutzung durch neue Bauelemente ersetzt werden müsse
Edelbert Niedan (Zimmerer) und Cornelia Schnippa (Vorsitzende des Fördervereins HeimatHOF Lieske) sichten Stücke des originalen Holzes: Was ist wiederverwendbar – und was wird auf Grund zu starker Abnutzung durch neue Bauelemente ersetzt werden müsse © Foto: Christine Primpke

Von Christine Primpke

Lieske. Schrotholzhäuser prägten einst das Bild der Dörfer der nördlichen Oberlausitz im Grenzgebiet zur Niederlausitz. Heute sind sie eher rar. Darum ist es notwendig, die noch vorhandenen Exemplare zu erhalten und zu sanieren – so wie das über 300 Jahre alte Schrotholzhaus im brandenburgischen Lieske, gleich hinter der sächsischen Landesgrenze, am Sedlitzer See im Landkreis Oberspreewald-Lausitz gelegen. Hinzu kommt, dass dieses Haus eine besondere Geschichte hat: Es beherbergte einst die erste Schule des Ortes.

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Leben vor 300 Jahren ...

Da dieses Holzhaus an Ort und Stelle seines Entstehens, also original, erhalten ist, soll es als Museum und Tourist-Info am Sedlitzer See im Ort Lieske kulturell die Heimat bereichern. Als Zeitzeuge veranschaulicht es authentisch, wie vor über 300 Jahren gelebt wurde. Das soll den Heutigen und Künftigen nahe gebracht werden. Unsere Vorfahren, die Wenden, hatten viele Sitten und Bräuche, welche nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Mit Veranstaltungen und Angeboten soll das Ensemble ein lebendiger Hof werden.

... und Träume von Künftigem

Ein bisschen Zukunftsmusik sei gestattet: Es ist angedacht, dass die kleine Bahn „Seeschlange“ am Schrotholzhaus hält und die Gäste / Urlauber können sich dann im neu gestalteten Museum samt Tourist-Information im Schrotholzhaus umschauen und viel unterhaltsames Wissen erwerben.

Aber das ist, wie gesagt, Zukunftsmusik, denn möglich wird all dies erst sein, wenn das Haus wieder aufgearbeitet ist, denn drei Jahrhunderte haben zum Teil tiefe Spuren hinterlassen. Eine Menge zu tun gab und gibt es also an diesem Haus, ehe es wieder vollkommen besuchsfein ist; sprich; so wieder hergestellt, wie es dem Originalzustand entspricht. Dem hat sich der Verein HeimatHOF Lieske verschrieben – und er ist dabei ein gutes Stück vorangekommen. Die rechte Haushälfte wurde schon 2017 in Ordnung gebracht; nun also ist der linke Teil dran. Ein Quartett an Schwerpunkten war beziehungsweise ist in diesem Jahr 2020 dabei zu bewältigen. Erstens die denkmalgerechte Dachsanierung mit Schornstein-Erneuerung. Zweitens die Instandsetzung und Reparatur des vorhandenen Fußbodens. Drittens die Fenstersanierung und viertens die Reparatur des historischen Küchenherdes. Im Frühling dieses Jahres haben die Sanierungsarbeiten begonnen, haben sich durchs gesamte Jahr hinweg gezogen. Das milde Wetter im November hat es ermöglicht, dass auch im Spätherbst; eigentlich ja schon Frühwinter, weiter gewirkt werden konnte. Gut beraten war man, auf einheimische Lieferanten zu setzen – so kam es zu keinerlei Verzögerungen, wie sie an manchen anderen Bau-Objekten auf Grund fehlenden Materials entstanden.

Nach außen hin sichtbar

Cornelia Schnippa, die Vorsitzende des Vereins HeimatHOF Lieske und zugleich Projektleiterin des Vorhabens, ist demzufolge auch glücklich darüber, dass in diesem Jahr ein Großteil wichtiger Sanierungsarbeiten an dem drei Jahrhunderte alten Gebäude durchgeführt werden konnte – und dass das auch nach außen sichtbar ist. So wurde das gesamte Dach mit historischen handgestrichenen Biberschwänzen aufgearbeitet und ist nun für die nächsten Jahrzehnte dauerhaft wetterfest. Gegenwärtig arbeitet der Zimmereimeister Edelbert Niedan aus Kolkwitz-Krieschow daran, die Fußböden im Haupt- und Nebenraum der unteren Etage wieder sicher begehbar zu machen. Das größte Augenmerk wird darauf gelegt, so viel wie nur möglich des historischen Materials, also der Balken und der Dielung, wieder zu verwenden. Der Fachmann Niedan prüft exakt, welches alte Holz wieder zum Einsatz kommen kann und welche Dielenbretter doch zu marode für ein „zweites Leben“ sind und durch neues Holz ersetzt werden müssen. Sobald die Arbeiten am Fußboden im Haupt- und Nebenraum realisiert wurden, beginnt Anfang Dezember die Fenstersanierung. Dabei sind die Zier-Umrahmungen schon getreu dem historischen Vorbild wieder hergestellt worden. Zusätzlich wird im Dezember eine viertelgewendelte Treppe mit Podest zum Obergeschoss restauriert.

Viele Helfer und Förderer

Das Land Brandenburg (über den Lausitz-Beauftragten) hat mit Fördermitteln ermöglicht, dass 2020 ein gutes Jahr für den Fortgang der Arbeiten am Liesker Schrotholzhaus wurde. Der Förderverein HeimatHOF Lieske e. V. bedankt sich ebenso bei allen beteiligten Sponsoren, Förderer und Helfern – und ganz besonders bei allen beteiligten Firmen (der Fa. Hildebrandt, der Fa. Thienelt, der WAS GmbH mit Dachdeckermeister Strenge, der Senftenberger Ofenbauer- und Fliesenleger GmbH und der Fa. Niedan), die die Bauarbeiten in bester Qualität trotz teils sehr schwieriger Bedingungen vor Ort und unter Beachtung strenger Vorgaben ausgeführt haben. Wobei Vorgaben nicht nur durch Corona erzwungene Einschränkungen meint, sondern auch Aspekte des Denkmalschutzes.

Noch manches ist wünschenswert

Auch wenn hinter alle vier eingangs genannten Bau-Teilprojekte das berühmte Häkchen gemacht werden kann – fertig ist das Schrotholzhaus Lieske noch lange nicht. Zwar kann konstatiert werden, dass das Haus wieder begehbar ist – von einer umfassenden Nutzung ist das alles aber noch weit entfernt. Ein konkreter Einweihungstermin kann derzeit nicht genannt werden, weil sowohl innen und außen noch umfangreiche Nacharbeiten erforderlich sind. Die Schaffung von Toiletten, Küche und Gastraum sowie die Sanierung des Backhauses stehen noch auf der Liste des Wünschenswerten/Notwendigen. Um diese Arbeiten realisieren zu können und nach deren Abschluss das Schrotholzhaus wirklich umfassend nutzen zu können, ist der Förderverein weiterhin auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

2021 gibt’s „Offene HOF-Tage“

Auf alle Fälle werden im Jahr 2021 wieder „Offene HOF-Tage“ stattfinden und der Verein wird sich am „Tag des offenen Denkmals“ beteiligen, um Interessierte einzuladen und ihnen den Baufortschritt zeigen zu können.

Wer den Verein finanziell unterstützen möchte, kann folgende Bankverbindung zur Einzahlung nutzen:
Institut: Sparkasse Niederlausitz
IBAN: DE 50 1805 5000 0380 0342 04
BIC: WELADED1OSL
Verwendungszweck: Aufbau HeimatHOF

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