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Ein Tag für die Johanneskirche und das Lutherhaus

... oder: Eine Birne kehrt zurück von einstiger Weltreise an den Ursprungs-Ort – Hoyerswerda.

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Jens Guske zeigt die Johanneskirche Hoyerswerda am Kirchplatz 1. Die „Grüne Hoyerswerdaer“ ist freilich hier noch nicht mit im Bild – die soll ja auch erst am 17. November im Pfarrgarten angepflanzt werden.
Jens Guske zeigt die Johanneskirche Hoyerswerda am Kirchplatz 1. Die „Grüne Hoyerswerdaer“ ist freilich hier noch nicht mit im Bild – die soll ja auch erst am 17. November im Pfarrgarten angepflanzt werden. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Den diesjährigen Buß- und Bettag, den 17. November, nutzt der Kirchbauverein der Johanneskirche, um dieses Gotteshaus und das zu dessen 70. „Geburtstag“ frisch sanierte Lutherhaus den Hoyerswerdaern bekannter zu machen. Um 10 Uhr wird am Mittwoch nächster Woche ein Gottesdienst in der ältesten Kirche von Hoyerswerda gehalten, und um 11.30 Uhr stellt die Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e. V. den gleichnamigen Architekten des Lutherhauses vor. Der Vortrag kann kostenfrei besucht werden.

Vor 70 Jahren als Notkirche genutzt

1951 erhielt Hoyerswerda das Gebäude als Notkirche aus dem Kirchenbauprogramm des Bauhaus-Architekten Otto Bartning, weil die Johanneskirche 1945 bei Kampfhandlungen im Zuge des II. Weltkrieges komplett zerstört worden war – all das erklärt Jens Guske, der sich zweimal pro Woche ehrenamtlich am Projekt „Offene Johanneskirche“ beteiligt.

Am 17. November um 11 Uhr wird im Pfarrgarten eine „Grüne Hoyerswerder Birne“ gepflanzt. Dieser seltene, erst vor kurzer Zeit als Sorte noch existierende wiederentdeckte Baum kehrt zu seinem Ursprung zurück. Jens Guske hat im Internet zu dem Thema recherchiert und informiert nun gern interessierte Besucher über jene Inhalte, die Friedrich Pollack 2017 in seiner Schrift „Haben Früchte eine Nationalität? Zur Wissensgeschichte der Obstbaukunde im 19. Jahrhundert“ zusammentrug.

Johann Friedrich Benade (1743-1829), sorbischer Pastor primarius (Hauptpfarrer) der Johanneskirche, beschäftigte sich in seiner Freizeit mit der Obstbaukunde. Er entdeckte zufällig Ende des 18. Jahrhunderts in der Nachbarschaft in der Baumschule eines befreundeten Pomologen (Garten- beziehungsweise Obstkundlers) eine bisher unbekannte Birnensorte. Wahrscheinlich ist diese durch die unbeabsichtigte Kreuzung der Sorten „Sucree verte“ und „Ambrette“ entstanden, erzählt Jens Guske. Benade hat den Baum umgehend veredelt und vermehrt, so dass dieser schon 1797 im „Handbuch über die Obstbaumzucht und Obstlehre“ von Johann Ludwig Christ aus dem Taunus erstmals als „grüne Sommerzukkerbirne von Hoyerswerda“ beschrieben wurde. Schnell verbreitete sich die exquisite Tafelfrucht, die nach ihrem „Entdecker“ auch „Benadine“ heißt, in Deutschland, Frankreich, Russland und selbst in den USA. Die Herkunft der Birnensorte verwischte leider mit der Zeit. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die „Grüne Hoyerswerder“ aus fast allen deutschen Gärten verschwunden.

Gut so: Nicht großmarktfähig

Mit ihrer geringen Größe und kurzen Lagerfähigkeit ist sie für den professionellen Obstanbau uninteressant. 2012 hat aber ein Hoyerswerdaer Journalist die Birnensorte wieder nach Hause geholt. Heute wächst sie an verschiedenen Stellen in der Stadt. Einen Baum hat Ursula Philipp vom Johanneskirchen-Kirchbauverein in der Baumschule Prietitz gefunden und für den Pfarrgarten der Johanneskirche erworben, beendet Jens Guske seine Geschichte. Vielleicht ist ja gerade das Nischendasein eine Chance für die „Grüne Hoyerswerdaer“.

P.S.: Zum Abschluss dieses Buß- und Bettages 2021 erklingt ab 17 Uhr in der Johanneskirche Musik.