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Ein zweiter Neuanfang für Terra Nova

Der einstige Ponyhof unweit von Seidewinkel existiert nicht mehr. Was sich am Spreetaler See tut, ist vielversprechend.

Die Landschafts-, Nutz- und Wildtierpflege GmbH verfügt über 30 Pferde, darunter auch zwei Kaltblüter (im Bild mit Geschäftsführer Dr. Mario Stenske), die immer mal wieder zu Kremserfahrten eingespannt werden.
Die Landschafts-, Nutz- und Wildtierpflege GmbH verfügt über 30 Pferde, darunter auch zwei Kaltblüter (im Bild mit Geschäftsführer Dr. Mario Stenske), die immer mal wieder zu Kremserfahrten eingespannt werden. © Foto: Ralf Grunert

Seidewinkel. Mario Stenske läuft ein Schauer über den Rücken, wenn er daran denkt, dass er und seine Mitarbeiter sich nur wenige Tage vor der großen Rutschung auf den betroffenen Bergener Kippenflächen aufgehalten haben. Sogar mit schwerer Technik. „Und am 13. Oktober mussten wir eine Schafherde auf sicheres Gebiet bringen. Wobei niemand wissen konnte, was sicher ist.“ 

Der Geschäftsführer der Landschafts-, Nutz- und Wildtierpflege (LNW) GmbH sprach von etwa 30 Schafen, die der Rutschung am 12. Oktober zum Opfer gefallen sind. Zurückblickend bezeichnet er es als einen glücklichen Zufall, dass der Schäfer eine andere Herde unmittelbar vor der Rutschung auf eine benachbarte Fläche getrieben hat. „Früh war er noch dort, wo sich der Grundbruch ereignet hat.“

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Eine falsche Prognose abgegeben

Von diesem Ereignis erfahren hat Mario Stenske per Telefon. Er begab sich sofort zur Deponie bei Bergen, in deren Nachbarschaft der Untergrund in Bewegung geraten war und wo sich bereits ein größerer Personenkreis eingefunden hatte. „In den folgenden Tagen haben sich unsere lokalen Politiker aus dem Fenster gelehnt und gesagt, dass es nicht so lange dauern wird wie in Nachterstedt.“ Dort war im Jahr zuvor ein riesiges Uferstück des Concordia-Sees abgebrochen und hatte zwei Häuser mit in die Tiefe gerissen. Drei Menschen waren ums Leben gekommen. Es folgte eine weiträumige und langwierige Flächensperrung.

Nach dem Grundbruch in der Elsterheide war die Verunsicherung groß. „Anfangs gab es die wildesten Gerüchte“, erinnert sich Mario Stenske. „So hieß es zum Beispiel, dass Klein Bergen und Klein Seidewinkel evakuiert werden müssen.“ Auf den Pony- und Erlebnishof Terra Nova, der von der LNW betrieben wurde, traf das allerdings nicht zu. Dessen Standort befand sich rund drei Kilometer vom Rutschungsgebiet entfernt. Die etwa 60 Rinder, 40 Pferde und die kleine Herde Schafe auf dem Ponyhof konnten bleiben, wo sie waren. Ebenso der Ponyhof selbst. „Dass die LMBV das Gebiet von Terra Nova für geotechnisch unsicher erklärt hat, geschah erst viel später.“

Frische Baugenehmigung hinfällig

So glimpflich der Grundbruch für den Ponyhof und die fünf Beschäftigten verlaufen ist, so gravierend waren die Folgen. Rund zehn Jahre hatte die Landschafts-, Nutz- und Wildtierpflege GmbH bereits in den Aufbau des Erlebnishofes gesteckt. Im Juni 2010 war der 10. Geburtstag gefeiert worden. Ein nächster wichtiger Entwicklungsschritt hin zu einer touristischen Nutzung stand unmittelbar bevor. „Ende September 2010 haben wir die Baugenehmigung für einen Pferdestall, Koppeln und Übernachtungsmöglichkeiten bekommen.“ Jahrelange Vorarbeiten waren nötig gewesen. „Und einen Monat später ist alles hinfällig“, ärgert sich Mario Stenske.

Große Flächen, von denen sich viele im Eigentum der LNW befinden, wurden sehr schnell nach der Rutschung als Sperrgebiet ausgewiesen, erinnert sich der Geschäftsführer. Für einen Teil der Flächen gilt nach wie vor ein Betretungsverbot. „Einen Großteil der Flächen können wir aber bewirtschaften.“ Hierbei gilt das übliche Melde-Regime der LMBV. Die Mitarbeiter müssen sich per SMS beim Betreten und Verlassen der betreffenden Flächen an- und abmelden. Was das angeht, so hat sich seit der Rutschung kaum etwas geändert.

Viel passiert am neuen Standort

Das galt anfangs auch für den Ponyhof. Es änderte sich aber im Jahr 2011. Für Terra Nova gab es einen Neubeginn knapp zwei Kilometer Luftlinie vom alten Standort entfernt auf der anderen Seite des Spreetaler Sees. Anfang 2012 wurde eine neue Rundbogenhalle mit 14 Boxen für Pferde eingeweiht. Mittlerweile sind ein Spielplatz, ein Reitplatz, ein Technik-Unterstand, diverse Lagermöglichkeiten und erst vor Kurzen das Torhaus als Übernachtungsstätte entstanden. Der erst in diesem Jahr geschaffene Trinkwasseranschluss machte vieles einfacher.

Aktuell kümmern sich die inzwischen sieben Mitarbeiter der Landschafts-, Nutz- und Wildtierpflege GmbH um 50 Rinder, 30 Pferde und etwa 200 Schafe. Geld verdient das Unternehmen unter anderem mit der Direktvermarktung von Rindern, mit dem Verkauf von Lämmern und dem Einsatz der Schafe zur Landschaftspflege. Pensionspferde sind eine weitere Einnahmequelle, ebenso wie EU-Beihilfen und Nutzungsausfallentschädigungen für Flächen, die bis heute nicht betreten werden dürfen. In Zukunft soll auch der Tourismus zunehmend Geld in die Kasse spülen.

Wie Mario Stenske sagt, hat Terra Nova am neuen Standort allerdings ein Handicap, solange die Flächensperrungen nicht aufgehoben sind. „Unser Ansatz war ja, im Kerngebiet der Kippenflächen einen Reiterhof zu errichten und auf unseren ringsum befindlichen Flächen ein freies Reiten und Bewegen der Gäste zu ermöglich.“ Derzeit können allerdings nur Reitwege am Rande genutzt werden. Das birgt Konflikt-Potenzial zu Waldbesitzern und Jägern.

Acker- und Grünland wird Wald

Problematisch ist nach Auskunft des LNW-Geschäftsführers auch die Sukzession auf den gesperrten Flächen. Eigentlich handle es sich um Acker- und Grünland. Doch Sträucher und Bäume breiten sich ungestört aus. „Irgendwann haben wir dort Wald“, sorgt er sich. Zur Bewirtschaftung benötigt sein Unternehmen allerdings das Acker- und Grünland.

Neues Grünland ist derweil am ehemaligen Standort von Terra Nova entstanden. „Nach dem Umzug an den neuen Standort wurden sämtliche Gebäude abgerissen und die Flächen aufgefüllt.“ Nächstes Jahr stehen diese Flächen wieder zur Verfügung, für eine landwirtschaftliche Nutzung.

Ein Schild an der ehemaligen B 97 aus Richtung Spreetal kommend weist dem Weg zum neuen Erlebnishof Terra Nova, der seit 2012 Schritt für Schritt vergrößert und entwickelt wird.
Ein Schild an der ehemaligen B 97 aus Richtung Spreetal kommend weist dem Weg zum neuen Erlebnishof Terra Nova, der seit 2012 Schritt für Schritt vergrößert und entwickelt wird. © Foto: Ralf Grunert

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