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Eine Frage des Vertrauens

Christian Hoffmann ist neuerdings persönlicher OB-Referent in Hoyerswerdas Rathaus.

Christian Hoffmanns neuer Schreibtisch ist eingerichtet, die Akten-Regale im Büro sind aber derzeit noch leer.
Christian Hoffmanns neuer Schreibtisch ist eingerichtet, die Akten-Regale im Büro sind aber derzeit noch leer. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Mag auch das Rathaus einer Stadt eines der wichtigeren Gebäude sein, hat man doch allgemein privat eher selten darin zu tun. Christian Hoffmann sagt, er habe das Hoyerswerdaer Rathaus lange Zeit wohl nur einmal betreten. Seine Kinder waren mit der katholischen Sternsinger-Aktion auf Achse und er als betreuender Vater mit von der Partie. Seit ein paar Tagen jedoch führt der allmorgendliche Weg zur Arbeit den 37-Jährigen an den Markt. Denn Christian Hoffmann ist nun der persönliche Referent von Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD).

Der Stadtrat hat Ende Januar gegen die Stimmen von Marco Gbureck und Toni Schneider (beide AfD) für seine Einstellung den Langzeit-Einstellungsstopp aufgehoben – ein formaler Akt, der regelmäßig vonnöten ist, wenn in der Verwaltung eine Stelle mit einem Neuzugang besetzt werden soll. Seinen engsten Mitarbeiter, so hieß es allgemein, müsse sich so ein Stadtoberhaupt schon selbst aussuchen können. Schließlich sei das eine Frage des Vertrauens. Als Stefan Skora 2006 ins Rathaus einzog, holte er sich Bernd Wiemer ins Vorzimmer. Die beiden kannten sich seit Studientagen an der Bergakademie Freiberg, und Wiemer hatte als Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Kamenz-Hoyerswerda Skoras Wahlkampf koordiniert.

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Er ist inzwischen in die Wirtschaftsförderung gewechselt, und Ruban-Zeh hat nur lobende Worte für seine Tätigkeit dort. Hoffmann hingegen ist weder Mitglied einer Partei, noch hatte er eine tragende Rolle in Ruban-Zehs Wahl-Team. Der OB erzählt gern, dass die beiden sich richtig kennengelernt haben, als er noch Chef der örtlichen Arbeiterwohlfahrt war und Christian Hoffmann dort ein Praktikum absolvierte. Hoffmann habe ihn beeindruckt, sagt der Rathaus-Chef. Sein persönlicher Referent war, genau wie er selbst, lange im Handel tätig. Hoffmann hat, nachdem er die damalige Mittelschule „Am Planetarium“ abgeschlossen hatte, eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann beim Kaufland im Industriegelände begonnen. „Ich habe jede Station vom Azubi bis zum Hausleiter mitgemacht“, sagt er. Tätig war er für das Unternehmen unter anderem in Kamenz, Großröhrsdorf und Großenhain. Am Schluss leitete er vier Jahre lang die Filiale, in der er einst Lehrling war. Er und Ruban-Zeh, von 2000 bis 2007 Chef des örtlichen Globus, kannten einander zwar, aber eher flüchtig. Seine 19 Jahre bei Kaufland, meint Hoffmann, möchte er nicht missen. Er fühlt sich dem Unternehmen nach wie vor verbunden. Im Handel, sagt er, lerne man unter anderem, sich in ein Gegenüber hineinzuversetzen. Der Hausleiter wird doch eher gerufen, wenn einem Kunden etwas nicht passt: „Man muss dann versuchen, ihn mit Fingerspitzengefühl und Freundlichkeit von der emotionalen auf die Sachebene zu holen.“ Und natürlich sammelt ein Supermarkt-Leiter auch Erfahrung, Menschen zu führen und zu motivieren.

Die Stelle als Kaufland-Hausleiter hing der Familienvater aus privaten Gründen an den Nagel, und startete in eine neue Aus- beziehungsweise Weiterbildung. Zwischen dem Abschluss als Wirtschaftsfachwirt und dem Betriebswirtschaftsstudium war etwas Zeit, und Hoffmann bewarb sich als Praktikant bei der Awo. Er sollte in seinen fünf Wochen dort ein Konzept erarbeiten, wie die Reinigung im Unternehmen von der Fremdfirmen-Beauftragung auf die Beschäftigung eigener Mitarbeiter umgestellt werden kann. Das Konzept ist inzwischen umgesetzt. Ruban-Zeh sagt, Hofmann habe die Fünf-Wochen-Arbeit in drei Wochen erledigt, was ihm imponiert habe. „Und dann meinte er, dass wir uns mal zusammensetzen sollten“, berichtet Hoffmann. Es war die Zeit des Wahlkampfs.

Eine Kultur der Information

Seit zwei Wochen ist Hoffmann also OB-Referent und hatte noch keine Zeit, das Regal im neuen Büro einzuräumen. Olaf Dominick, der Leiter des OB-Stabes bleibt, und Corinna Stumpf von der Öffentlichkeitsarbeit sind dabei, ihn in die wichtigsten Vorgänge und Abläufe einzuarbeiten. „Ich bin gut aufgenommen worden“, sagt er. Er soll sich unter anderem darum kümmern, Verwaltungsabläufe transparent zu machen. Es geht zum Beispiel um den Aufbau eines digital gestützten Info-Punktes im Rathaus-Lichthof oder um den Einstieg bei Facebook, Twitter und Co. „Wir wollen eine Kultur der Information schaffen“, gibt Hoffmann den ausdrücklichen Wunsch seines Chefs wieder. Und das gelte nicht nur in Bezug auf die Bürgerschaft, sondern betreffe auch die Rathaus-Mitarbeiter.

Wenn Christian Hoffmann von den Hoyerswerdaern spricht, dann rutscht ihm in seinem ersten Gespräch mit der Zeitung statt eines „Bürger“ gern schon einmal ein „Kunde“ über die Lippen. Alte Gewohnheit, meint er. Aber die Formulierung entspricht durchaus dem Wahlprogramm von Torsten Ruban-Zeh. „Gemeinsam schaffen wir eine kundenorientierte Verwaltung“, war darin versprochen worden.

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