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Eine Lösung für immer wäre die Kettensäge

Die Wurzeln einer Schwarzkiefer heben die Pflasterung auf dem Parkplatz-Areal am Tornoer Kulturhaus.

Die ausladenden Wurzeln einer Schwarzkiefer sorgen für diese Aufwölbung auf dem Parkplatz am Tornoer Kulturhaus. Hier droht Gefahr, zu stolpern.
Die ausladenden Wurzeln einer Schwarzkiefer sorgen für diese Aufwölbung auf dem Parkplatz am Tornoer Kulturhaus. Hier droht Gefahr, zu stolpern. © Foto: Ralf Grunert

Lauta/Torno. Das Wurzelwerk mehrerer Bäume bereitet den Ortschaftsräten von Leippe-Torno zunehmend Kopfzerbrechen. Insbesondere eine stattliche Schwarzkiefer sorgt für Schäden auf den Parkplätzen am Kulturhaus Torno. An mindestens sechs Stellen gibt es mehr oder weniger hohe Aufwölbungen in der Pflasterung. Eine davon befindet sich direkt auf der Zufahrt zu einer der beiden Parkbuchten.

Ortsvorsteher Martin Herrmann sprach das Thema in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates an und informierte über eine Zuarbeit aus der Stadtverwaltung. Um das Problem dauerhaft zu beheben, heißt es darin, müsste die Kiefer entfernt, die Pflasterung an den betroffenen Stellen aufgenommen und neu gepflastert werden. Ersatzpflanzungen könnten auf dem benachbarten Sportplatz erfolgen. Das wäre die kostengünstigste Variante, erklärte der Ortsvorsteher und fügte im gleichen Atemzug hinzu: „Ich bin nicht für eine Fällung.“

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Es gibt auch eine andere Möglichkeit, ließ Martin Herrmann anklingen, gab zuvor aber seinen Ratskollegen die Gelegenheit, ihren Standpunkt zu äußern. Dabei kristallisierten sich zwei Lager heraus. „Ein fehlender Parkplatz ist keine Begründung, einen Baum zu fällen“, erklärte Volker Neubert. „Dafür werden wir auch keine Genehmigung bekommen“, vermutet er und stellte klar, dass er ebenfalls gegen eine Fällung ist. Darüber war er sich mit Martina Janko einig. „Der Baum soll stehenbleiben. Dann lieber einen Parkplatz weniger“, meinte sie. Mario Bauer und Jörg Tomke sehen das anders. Auch anderswo seien schon Bäume gefällt worden, deren Wurzeln für Aufwölbungen gesorgt haben. Mario Bauer machte zudem darauf aufmerksam, dass das Kulturhaus gern für Feiern und andere Veranstaltungen gemietet wird. „Da wird jeder Parkplatz benötigt“, so seine Erfahrung. Außerdem sei es zu fortgeschrittener Stunde zappenduster auf dem Parkplatz-Areal. Da könnten Unebenheiten, die man nicht sieht, gefährliche Stolperfallen werden. Die Schwarzkiefer sollte gefällt werden, bekräftigte er. „Sie wird nicht schöner und nicht besser.“

Woraufhin Martin Herrmann auf eine Alternative zu sprechen kam, bei der der Baum stehenbleiben könnte. An den beiden schlimmsten Stellen sollte die Pflasterung aufgenommen und versucht werden, die Wurzeln vorsichtig zu begradigen. Er benutzte in der Ratssitzung den Begriff „abfräsen“, was aber ein falscher Zungenschlag gewesen sei, wie er auf TAGEBLATT-Nachfrage erklärte. Ob sich nach dem Begradigen auch wieder die Pflasterung aufbringen lässt, dass müsse man sehen. Das sei allerdings keine Lösung für die Ewigkeit. „Ewigkeit wäre die Kettensäge.“

Von Letzterem will die für Naturschutz zuständige Rathaus-Mitarbeiterin Antje Weiß nichts wissen. In der Stadtverwaltung stünden momentan noch drei Varianten zu Diskussion. So könnte das Pflaster an den betroffenen Stellen aufgenommen und der Bereich geschottert werden, ohne an die Wurzeln Hand anzulegen. Die Baumfällung frühestens im Herbst sei eine zweite Variante. Nachgedacht werde schließlich auch darüber, einfach die Parkplatzschilder zu entfernen und das Parken auf eigene Gefahr zuzulassen.

Bürgermeister Frank Lehmann als Vertreter der Stadtverwaltung bei der Sitzung des Ortschaftsrates hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Er findet, dass es sich bei der Schwarzkiefer um einen prägenden Baum an dieser Stelle handle und stellte die rhetorische Frage in den Raum: „Was war zuerst da? Der Baum oder die Parkplätze?“ Eine Entscheidung werde der Ortschaftsrat zu einem späteren Zeitpunkt treffen, kündigte Martin Herrmann an.

„Es wäre schön, wenn wir zu einer gemeinsamen Verständigung kommen“, so die Hoffnung des Bürgermeisters.

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