merken
PLUS Hoyerswerda

„Einer trage des anderen Last“

Seit 20 Jahren besteht das Senioren-Landhaus in Klein Partwitz. Die Bewohner schätzen die Nähe und Zuwendung.

Die Gründer Gisela (li.) und Uwe Blank (re.) feierten am 1. Juli 2021 mit Senioren und Mitarbeitern das 20-jährige Bestehen des Hauses. Zu den Bewohnern gehören Georg Graf und seine Frau Elisabeth (Mitte), die seit Anfang 2021 dort leben.
Die Gründer Gisela (li.) und Uwe Blank (re.) feierten am 1. Juli 2021 mit Senioren und Mitarbeitern das 20-jährige Bestehen des Hauses. Zu den Bewohnern gehören Georg Graf und seine Frau Elisabeth (Mitte), die seit Anfang 2021 dort leben. © Foto: Andreas Kirschke

Klein Partwitz. Elisabeth Graf (82) und ihr Mann Georg (85) verbringen ihren Lebensabend im Senioren-Landhaus Klein Partwitz. „Wir sind gern aktiv. Wir können uns mit einbringen. Es wird nie langweilig. Wir finden auch viel geistige Anregung“, meinen die Eheleute über Gymnastik, Singen, Ratespiele, Zeitunglesen und weitere Inhalte. Seit Anfang des Jahres leben sie in der Senioren-Wohnstätte auf dem früheren Dreiseiten-Bauernhof Marie Pattoka.

Als Katholiken nehmen sie regelmäßig im Senioren-Landhaus an Andachten teil. Den Sonntagsgottesdienst hören sie im Radio oder sehen ihn im Fernsehen. „Wir können unseren Glauben weiterleben. Jeder Bewohner wird mit Respekt, Würde und Anstand behandelt. Die Betreuung ist von hoher fachlicher Qualität“, meinen sie dankbar.

Anzeige
Das SHK-Handwerk ist seine Passion
Das SHK-Handwerk ist seine Passion

Lukas Kurz ist vor allem von der modernen Technik und den handwerklichen Herausforderungen in seinem Beruf fasziniert.

Seit 20 Jahren besteht die Einrichtung. Von oben betrachtet gleicht ihre Form einer Bienenwabe. Gisela und Uwe Blank – verwurzelt in der Evangelischen Kirchengemeinde Bluno – leiten und betreiben das Haus privat. 25 Senioren leben heute hier. Die älteste Bewohnerin ist 97 Jahre alt.

Denkmalschutz und ein Umbau

„Der Hof gefiel uns von Anfang an. Wir wollten ihn erhalten und neu nutzen“, erzählt Gisela Blank. Das Wohnhaus, die Stallung und das beide verbindende Torhaus standen unter Denkmalschutz. 1999 kauften Gisela und Uwe Blank das 6.000 Quadratmeter große Anwesen. Von Oktober 2000 bis Ende Juni 2001 gelang der Umbau. „Wohn- und Torhaus wurden saniert“, erzählt Architekt Wilfried Merkel und fügt an: „In diesem Altenpflegeheim sind die Zimmer nicht entlang von Fluren, sondern um Innenräume wie Bibliothek, Kamin- und Brunnenzimmer angeordnet. Diese sind durch das Foyer mit dem Schwesternzimmer verbunden. Dadurch entstehen interessante Räume zum Aufhalten sowie kurze Wege für das Pflegepersonal. Alle Zimmer haben einen direkten Zugang zum Außenbereich.“ Ebenerdig und lichtdurchflutet sind die Räume. Jeder Wohnbereich hat eine Terrasse. „Bürgermeister Dietmar Koark hat uns von Anfang an unterstützt. Ebenso viele Einwohner“, sagt Gisela Blank. „Dass unser Vorhaben gelang, ist für uns wie ein Geschenk, wie eine gute Fügung Gottes, gewesen.“

Ursprünglich lernte Gisela Blank Krankenschwester. Viele Jahre arbeitete sie im Krankenhaus Spremberg in der Gynäkologie. Später war sie in Hoyerswerda im Diakonie-Pflegeheim Haus Bethesda tätig. Ihr Mann Uwe lernte ursprünglich Maurer. „Ich spürte jedoch bald: Die Arbeit mit Menschen liegt mir mehr“, erzählt er heute. „Als Jugendlicher betreute ich bei Rüstzeiten Menschen mit Handicap. Ich wollte später in die Behinderten-Arbeit. Doch das klappte nicht. Ich absolvierte ein Freiwilliges Diakonisches Jahr im Haus Bethesda in Hoyerswerda. Die Arbeit dort bereitete mir Freude. Ich fand meine Berufung. Das Haus Bethesda hat mir damals die Ausbildung zum Altenpfleger ermöglicht.“ 1995 zog er mit Frau und Kindern von Hoyerswerda nach Klein Partwitz. Die Familie wollte aufs Land. Vor allem der Ruhe und der Naturnähe wegen zogen sie in den kleinen Ort. Das Ehepaar Blank wagte hier den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie wollten eine kleine, überschaubare, individuelle Wohnstätte für Senioren schaffen.

Heute gehören zum Senioren-Landhaus 22 Einzel-, vier Doppelzimmer sowie ein Reservezimmer. Insgesamt 27 Mitarbeiter betreuen die Senioren. Jeder Bewohner hat eine Bezugspflege. „Wir legen viel Wert auf Betreuung, Nähe, Zuwendung und Bewegung“, sagt Gisela Blank und unterstreicht: „Wir sehen uns als Dienstleister und Dienende. Wir nehmen jeden so an, wie er ist. Für mich ist wichtig: ‚Einer trage des anderen Last.‘ “ Die Mitarbeiter begleiten die Bewohner beispielsweise auch zum Arzt. Sie warten vor Ort, und begleiten die Bewohner wieder nach Hause. Das Leitmotiv im Senioren-Landhaus ist „Das will ich mir schreiben in Herz und Sinn, dass ich nicht für mich nur auf Erden bin und dass ich die Liebe, von der ich lebe, liebend an andere weitergebe“.

Von Anfang an dabei

Mitarbeiterinnen wie Petra Fischer und Simone Essler leben das täglich vor. Von Anfang an sind sie dabei. Petra Fischer lernte zunächst Maschinistin für Großgeräte im Tagebau Nochten. Seit 25 Jahren ist sie jetzt Altenpflegerin. „Der Anfang hier im Senioren-Landhaus war nicht einfach“, erinnert sie sich. „Bewohner und Mitarbeiter lernten sich erst nach und nach kennen.“ Die Dankbarkeit, die Freude, das vertrauensvolle Lächeln, so unterstreicht sie, ist durch nichts zu ersetzen. Keiner der Senioren bleibt allein. Auch nicht in der letzten Lebensstunde. „Wir ermöglichen auch Sterbebegleitung. Das kostet viel Kraft“, sagt Petra Fischer. „Doch wir tun es gern.“

Simone Essler lernte ursprünglich Verkäuferin. Heute verantwortet sie im Senioren-Landhaus Klein Partwitz die Hauswirtschaft. Dazu gehören die Essen-Zubereitung, die Reinigung und die Gartenpflege. „Jeder unserer Bewohner hat ja sein Leben“, meint sie. „Wichtig ist uns, dass wir ihnen die Selbstständigkeit so lange wie möglich bewahren.“

Höhen und Tiefen erlebte die Einrichtung in den zwanzig Jahren. Einmal gab es unverhofft einen dreitägigen Strom-Ausfall. Mit Kerzen ging der Alltag weiter. Oder es gab plötzlich kein warmes Wasser mehr. „Da musste Katzen-Wäsche genügen“, erzählt Petra Fischer im Rückblick. Später kam es durch Weggang plötzlich zum personellen Engpass. Das Senioren-Landhaus stellte neue, junge, motivierte Pflegekräfte ein. Heute, so betont Chefin Gisela Blank, ist das passende Team vor Ort beisammen. Zwei wichtige Traditionen gehören zum Jahreskreis. Stets am 1. Juli (dem Tag der Eröffnung) ist Jahresfest im Senioren-Landhaus. Dann sind auch viele Angehörige dabei. Am Mittwoch zwischen dem zweiten und dem dritten Advent ist im Senioren-Landhaus Weihnachtsmarkt. Das ganze Dorf kommt dann zu Besuch.

Für Elisabeth und Georg Graf wird es dieses Jahr der erste Weihnachtsmarkt im neuen Zuhause sein. Stück für Stück gewöhnen sie sich erst ein. Viele Jahre wohnten sie in Schönwalde bei Lübben. Dort waren sie in der Katholischen St. Trinitatisgemeinde verwurzelt. Elisabeth Graf war Büro-Angestellte. Gern wäre sie Lehrerin geworden. Doch der Staat DDR verbot Christen ein Lehrer-Studium. Georg Graf stammt aus Dörgenhausen, hat mütterlicherseits sorbische Vorfahren. Zu Hause in der Familie sprach er noch Sorbisch im Alltag. „Ich komme aus der Landwirtschaft“, erzählt er. Nach der Ausbildung zum Pflanzenschutz-Agronom war er als Diplom-Agraringenieur über 30 Jahre in der Zentralstelle für Anwendungsforschung in Cunnersdorf bei Leipzig tätig. Spüren seine Frau und er manchmal Heimweh nach Schönwalde? „Das kann ich so nicht sagen“, meint der 85-Jährige. „Tatsache ist: Wir konnten ja das frühere Leben so nicht weiterführen. Hier im Senioren-Landhaus bleiben wir als Eheleute zusammen. Oft lese ich meiner Frau aus der Zeitung vor. Wir nehmen uns auch viel Zeit, um gemeinsam zu beten.“

Mehr zum Thema Hoyerswerda