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Energieleitzentrale soll im Sommer loslegen

Hoyerswerdas Versorgungsbetriebe befassen sich mit der Hightech-Steuerung ihrer verschiedenen Netze.

VBH-Chef Thomas Hendrich erhofft sich weniger Energieverschwendung und niedrigere Kosten für die Kunden.
VBH-Chef Thomas Hendrich erhofft sich weniger Energieverschwendung und niedrigere Kosten für die Kunden. © Foto: VBH

Hoyerswerda. Als vor dem Jahreswechsel die ersten Mieter in das von der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda aufwendig umgebaute Haus Günter-Peters-Straße 2 bis 8 im WK I einzogen, war das auch so etwas Ähnliches wie ein inoffizieller Startschuss für ein Projekt, von dem seit einigen Monaten im Zusammenhang mit der parallel zum Kohleausstieg angestrebten Strukturstärkung immer mal die Rede war. Der Begriff der kommunalen Energieleitzentrale tauchte vor ungefähr einem Jahr zum ersten Mal in der öffentlichen Diskussion auf.

„Wir haben in der Petersstraße Sensoren verbaut, und dazu Rechner sowie Software bestellt“, sagt Thomas Hendrich, der Geschäftsführer der städtischen Versorgungsbetriebe (VBH) über die Keimzelle des komplexen Vorhabens. Den ersten Schritt zur Energieleitzentrale unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium. Beim Feldversuch im WK I registrieren zwölf Messzähler Wärme-, Wasser- und Stromverbrauch. Außerdem hat man die für die Datenübertragung notwendigen Lichtwellenleitungen geschaltet. Für Juni plant die VBH den offiziellen Startschuss.

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In Hoyerswerdas Altstadt entsteht eine Wohnung für Mieter, die viel Raum mögen – und die von den zukünftigen Bewohnern sogar mitgestaltet werden kann.

Die grundsätzliche Idee ist, die Nutzbarmachung von Energie, ihre Übertragung und ihre Speicherung so zu steuern, dass auf der einen Seite nichts verschwendet wird und auf der anderen Seite immer genügend vorhanden ist. „Die Harmonisierung von Erzeugung und Abnahme bekommt man nur über Digitalisierung hin“, schildert Thomas Hendrich die Basis für das Vorhaben, angesichts der sogenannten Energiewende eine dauerhafte Balance zwischen Angebot und Nachfrage herzustellen, und dabei auch noch die Stadt so wettbewerbsfähig zu machen, dass andere Unternehmen gern hier arbeiten möchten.

In der Petersstraße wollen die Versorger demonstrieren, dass es geht und gleichzeitig lernen, wie es am besten geht. „Auf dem Weg zum intelligenten Netz wird die VBH Trafostationen mit intelligenter Messtechnik ausrüsten und einige Abschnitte des Niederspannungsnetzes im WK I digital nachbilden, um Simulationen für künftige Lastgänge durchzuführen“, erläutert Unternehmenssprecherin Manja Striegler. Partner ist dabei die Cottbusser Ibar-Systemtechnik GmbH, die vom gebürtigen Hoyerswerdaer René Markgraf geführt wird. Unter dem Begriff „intelligentes Control Center“, kurz iCC, hat sie eine rechnergestützte Möglichkeit zur zentralen Steuerung von Energieflüssen entwickelt.

Wo ist das Leck?

Thomas Hendrich macht sich unter anderem Gedanken darüber, wie viele Ladestationen für Elektroautos das VBH-Stromnetz verkraftet, und wie der Bedarf so zu lenken wäre, dass Pkw eher zu Zeiten geladen werden, zu denen die Strom-Nachfrage nicht so hoch ist. Es spielen auch Überlegungen dazu eine Rolle, wie man den übergeordneten Versorgern Energie aus den Hochspannungsnetzen genau dann abkauft und in der Folge zwischenspeichert, wenn gerade reichlich davon vorhanden ist und die Preise also niedriger sind. Eine Überwachung des Wassernetzes ließe es zu, bei einer nicht erklärbaren Erhöhung des Verbrauchs an einer bestimmten Stelle vorsichtshalber nach einem Leck zu sehen. Bei kleineren Schäden dauert es derzeit schon einmal Tage oder gar Wochen, bis sie auffallen. Und um zu planen, wo sich vielleicht eine Wärmegewinnung aus Abwasser lohnen würde, muss man über Angaben unter anderem zu Mengen und Temperaturen verfügen. Die Verwertung von Informationen für eine schlaue Steuerung der Netze eröffnet so zahlreiche Möglichkeiten. „Letztlich wollen wir Daten sammeln und sie intelligent nutzen“, beschreibt Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) die Leitzentrale, die natürlich einmal über den WK I hinauswachsen soll. Womöglich, so die Gedanken, ließen sich am Ende auch Versorger aus benachbarten Kommunen einbeziehen und damit so etwas, wie ein System kooperierender Leitzentralen über die gesamte Lausitz spannen.

Aber auch der Endverbraucher soll über eine Online-Echtzeit-Abfrage von Verbräuchen etwas von den neuen Möglichkeiten haben. „Mit den in der Pilotphase geschaffenen Grundlagen der Energieleitzentrale können neue Lösungen und Geschäftsmodelle entwickelt werden“, sagt der Leiter der VBH-Unternehmensentwicklung, Jan Rocktäschel.

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