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Entscheidung über Standort erst später

Die Windräder-Anlagen werden für das geplante Wasserstoffkraftwerk im Industriepark Schwarze Pumpe benötigt. Der Spreetaler Gemeinderat bremst.

© Symbolfoto: Mirko Kolodziej

Spreetal. Auch in einer Sondersitzung in dieser Woche konnten sich die Spreetaler Gemeinderäte wie schon genau eine Woche zuvor in der regulären Gemeinderatssitzung nicht auf einen Standort für die Errichtung von bis zu 13 Windkrafträdern im Bereich zwischen Zerre und Spreewitz verständigen. 

Die von den Windrädern erzeugte grüne Energie würde die Hälfte des Bedarfs decken, der für den Betrieb des Wasserstoffspeicherkraftwerks benötigt wird, das im Industriepark Schwarze Pumpe errichtet und spätestens 2026 in Betrieb gehen soll. Die andere Hälfte sollen 13 weitere Windräder liefern, die auf dem Territorium der Stadt Spremberg auf einer Fläche in Richtung Graustein angedacht sind.

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Die Möglichkeiten ausloten

Voraussetzung für die Errichtung der Windräder bei Zerre wäre die Ausweisung eines sogenannten Windvorranggebietes im Regionalplan Oberlausitz-Niederschlesien. Dessen Fortschreibung ist gerade in Arbeit. Dazu holt der Regionale Planungsverband diverse Stellungnahmen ein, auch eine von der Gemeinde Spreetal. Dies wollte Bürgermeister Manfred Heine nutzen, um ein Konstrukt ins Spiel zu bringen, bei dem „ein Windpark mit einem Projekt“ zusammengeführt wird. Grob gesagt: Eine Zustimmung der Gemeinde Spreetal zur Ansiedlung von Windanlagen auf dem besagten Areal sollte nur Bestand haben, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind. Dabei dreht sich alles um den Bau des Wasserstoffspeicherkraftwerks. Wird es nicht gebaut, gibt’s keine neuen Windanlagen. In dieser Form sollte das auch im Regionalplan festgeschrieben werden.

Skepsis unter den Gemeinderäten

Den Gemeinderäten wollte diese Vorgehensweise allerdings nicht so recht gefallen. Skepsis überwog. „Wenn wir jetzt einem Windvorranggebiet zustimmen, dann werden dort auch Windräder gebaut“, davon ist Veronika Büschel überzeugt. Sie glaubt nicht, dass auf die Bedingungen der Gemeinde Rücksicht genommen wird. Dieser Ansicht ist auch Werner Reeb. „Wenn ein Vorranggebiet festgelegt ist, dann wird gebaut, ob für das Kraftwerk oder nicht.“

Dieter Kretzschmar aus Zerre gab zu bedenken, dass das Wohlbefinden der Menschen in Zerre und Spreewitz schon jetzt unter den Windrädern, die auf der Hochklippe stehen, leidet. Seine 90-jährige Schwiegermutter sei entsetzt gewesen, als sie von den Windradplänen erfuhr. „Sie hat schon jetzt bei Ostwind das Gefühl, dass zwei Güterzüge vorbeifahren“, schilderte Dieter Kretzschmar. Zuvor hatte der Bürgermeister, der in Spreewitz-Siedlung zu Hause ist, erklärt, dass er die Windräder vielleicht an zehn Tagen im Jahr hört, ihn die Geräusche jedoch nicht stören. „Ich weiß aber, dass es andere stört“, meinte er.

Eine qualifizierte Entscheidung

Als hin- und hergerissen in der Debatte outete sich Joachim Noack „Ich fühle mich immer noch als Gemeinderat und damit als Interessenvertreter der Bürger.“ Er wisse, dass ein Großteil der Leute die Windräder ablehnt. Mit dem Hintergrundwissen als Gemeinderat könne er das aber nicht so einfach. „Es ist schwierig, eine qualifizierte Entscheidung zu treffen.“

Woraufhin Frank Wache wissen wollte, was eigentlich passiert, wenn der Gemeinderat den Beschlussvorschlag ablehnt. „Gar nichts“, ließ der Bürgermeister wissen. Aktuell ist die Gemeinde nur aufgefordert, eine Stellungnahme zur Fortschreibung des Regionalplan abzugeben. Über den Regionalplan selbst und damit auch über Windvorranggebiete wird zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden sein, wahrscheinlich im kommenden Jahr.

Suche nach Alternativen

Vor diesem Hintergrund empfahl Frank Wache, auf einen Schnellschuss zu verzichten und erst mal mit den Bürgern zu reden, wozu bislang noch nicht ausreichend Zeit war. Auch der Vorschlag, eine Einwohnerversammlung in Spreewitz und Zerre durchzuführen, war aus der Ratsrunde zu hören. „Die Forderung, die Einwohner mitzunehmen, ist nachvollziehbar“, erklärte der Bürgermeister und nahm den Gemeinderat im gleichen Atemzug in die Pflicht, aufzuzeigen, wo Windräder errichtet werden können. Denn eines stellte er klar: „Wir wollen das Wasserstoffkraftwerk.“

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