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PLUS Familienkompass 2020 Hoyerswerda

Erfolge und gescheiterte Wenn-Dann-Beziehungen

Das zehn Jahre alte Zookonzept konnte nur teilweise umgesetzt werden. Es ist schon einem neuen gewichen.

Zehn Jahre sind schnell um: Dieser Plan aus dem Zookonzept von 2011 konnte nicht umgesetzt werden. Damals strebte man eine Afrikasavanne im Zentrum an. Letztlich fehlte das Geld.
Zehn Jahre sind schnell um: Dieser Plan aus dem Zookonzept von 2011 konnte nicht umgesetzt werden. Damals strebte man eine Afrikasavanne im Zentrum an. Letztlich fehlte das Geld. © Archivbild: Tageblatt

Hoyerswerda hat ein neues Zookonzept. Die Zoo, Kultur und Bildungs gGmbH hat geliefert, die Stadträte haben zugestimmt. Wenn jetzt noch das Geld aus dem Strukturwandel kommt, kann der Zoo so umgebaut und neu gestaltet werden, dass er in eine ganz andere Liga aufsteigt. Doch Konzepte sind das eine, was daraus wird, das andere. Denn was ist eigentlich aus dem alten Zookonzept geworden?

Das ist jetzt zehn Jahre alt und skizzierte im Jahr 2011 den Weg des Zoos bis in das Jahr 2022. Zu diesem Zeitpunkt war der Zoo noch direkt in Trägerschaft der Stadt Hoyerswerda. Im Laufe des Jahres 2011 wurde der Zoo in die neu gegründete Zoo, Kultur und Bildung gGmbH überführt. Das beschloss der Stadtrat zwei Monate nach der Genehmigung des Zookonzeptes. Die Eintragung erfolgte im Oktober, aber rückwirkend zum 1. Januar, so dass die Zookultur mit einem fertigen Zookonzept starten konnte. Wir schauen mal, was aus einigen der Vorgaben geworden ist.

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Zoo und Schloss wieder zu einer Einheit machen

Ist gelungen. Zwei Einrichtungen, ein Preis. Die Überlegung, den Haupteingang wieder ins Schloss zu legen, ließ man aber fallen. Stattdessen wurde 2015 ein neues Kassengebäude mit integriertem Shop am Tropenhaus in Betrieb genommen, so dass der nach der Wende geschaffene Eingangsbereich nicht nur bei Großveranstaltungen öffnet, wie geplant war. Auch dessen baulichen Unzulänglichkeiten beim Kundenkontakt wurden somit beseitigt. Die Zusammenführung unter anderem von Museum und Zoo in einer GmbH führt bei Veranstaltungen aber auch bei Tätigkeiten im Alltag zu Synergien zwischen dem Personal. Mit dem Schlosseingang gibt es wiederum jederzeit die Möglichkeit, einen zweiten Zugang problemlos zu öffnen.

Große Umgestaltung mit neuem Wirtschaftshof und Afrikasavanne

Nicht gelungen. Die Zookultur konnte zwar ein innenliegendes Grundstück und das Objekt Burgplatz 8 erwerben, auch das Zoorestaurant Sambesi wurde gekauft. Doch der Neubau eines modernen zentralen Wirtschaftshofes im Bereich der alten Kamelanlage war finanziell nicht zu stemmen. Das wäre aber die Voraussetzung für die Schaffung einer großen zentralen Afrikasavanne gewesen. Dafür sollte nicht nur der jetzige Wirtschaftshof, sondern auch der Hühnerhof weichen. Es sollte eine neue Löwenanlage geben und eine großzügige Tigeranlage. Auch an Wölfe dachte man damals. Da es sich überwiegend um Wenn-dann-Beziehungen handelte und das Geld eben nicht da war, veränderte sich das Zentrum des Zoos und der Südwesten in den vergangenen zehn Jahren nur im kleinen Umfang. Auch die Fasanerie ist geblieben. Die für 2012 avisierten Investitionen in Erdmännchenanlage, begehbare Känguruanlage und interaktive Angebote sowie neue Wegweiser wurden umgesetzt. Mittlerweile gibt es im Zoo weder Tiger noch Löwen. Wölfe leben rund um Hoyerswerda in freier Wildbahn.

Verbesserung von Haltungsbedingungen für Tiere

Teils gelungen. Dabei handelt es sich um einen permanenten Prozess, der sich nach gesetzlichen Vorgaben, teils nach den finanziellen Möglichkeiten richtet. Unter anderem konnte in den letzten Jahren ein neuer Kamelstall geschaffen werden. Aus der alten Löwenanlage wurde eine neue für China-Leoparden, und aus der alten Bärenanlage eine für Erdmännchen, um Beispiele zu nennen.

Zuschuss deutlich reduzieren, dem Zoo mehr Handlungsspielraum geben

Das mit dem Handlungsspielraum ist gelungen, da die gGmbH ihre Wirtschaftspläne losgelöst von der kommunalen Struktur erstellt und so auch handelt. Es ist bei der Mischfinanzierung auf dem Grundgerüst aus Einnahmen, kommunalem Zuschuss, Geldern des Kulturraums geblieben. Der Verein der Zoofreunde und Sponsoren leisten sehr viel. Laut Zookultur-Geschäftsführer ist der reine Zuschuss zum Zoo von weit über einer Million Euro pro Jahr auf 845.000 Euro im Jahr 2020 gesenkt worden. Ziel aus dem Jahr 2011 war es aber, den Zuschuss bis 2022 auf 150.000 Euro zu senken. Aufgrund der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown sowie reduzierter Einnahmen rückt dieses Ziel in weite Ferne.

Erhöhung der Eintrittspreise in die Tat umsetzen

Umgesetzt. Wie vor zehn Jahren beschlossen, kletterte der Eintrittspreis im Zoo Hoyerswerda für Erwachsene von 3,50 Euro auf neun Euro. Im Tierpark Cottbus stieg der Eintrittspreis im selben Zeitraum moderater von 5 auf 8 Euro, im Zoo Dresden von 10 auf 15 Euro.

Deutliche Erhöhung der Besucherzahlen

Bei der Erarbeitung des 2011er Konzepts setzte man auf eine Besucherzahlenentwicklung, die nicht eintreten konnte und die auch auf einer überholten Zählweise der Besucher basierte. Für das Jahr 2022 wurde als Ziel 250.000 Besucher jährlich ausgegeben. Für das Jahr 2008, da im Zoo Tigerdrillinge zur Welt gekommen waren, stehen 180.000 Besucher in den Unterlagen. Wie zumindest im deutschsprachigen Raum üblich, basierten diese Zahlen aber nach allem, was man weiß, nicht auf tatsächlich verkauften Tickets, sondern Strichlisten und einer Hochrechnung, wie oft Dauerkartenbesucher einen Zoo besuchen. Nach Einführung eines realistischen Zählsystems kamen 2018 rund 125.600 Besucher in den Zoo Hoyerswerda. Im Jahr darauf waren es 140.000. Die beiden Corona-Jahre 2020 und 2021 mit monatelangen Schließungen und Einschränkungen sind für die Statistik unerheblich. Es ist aber davon auszugehen, dass die Zahl von 250.000 Besuchern jährlich in absehbarer Zeit eher unrealistisch ist.

Ausblick auf die nächsten zehn Jahre

Mit dem neuen Zookonzept und der angestrebten Investition von 28 Millionen Euro könnte sich der Zoo langfristig besser platzieren. Mit dem erfolgten Erwerb eines 13.000 Quadratmeter großen Areals zwischen dem jetzigen Zoogelände und der Bundesstraße sind die räumlichen Voraussetzungen gegeben, um den Zoo zu entwickeln. Mit der geplanten Verlagerung des Wirtschaftshofes in ein bestehendes Gehöft und eine Verlagerung der bereits 2011 angedachten Afrika-Savanne würde man den Freiraum für alle anderen geplanten Veränderungen und auch neue Tierarten, zum Beispiel Giraffen, bekommen (TAGEBLATT berichtete). Allerdings steht und fällt das Konzept mit der Zuweisung der Strukturwandelgelder.

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