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„Es ist wichtig, dass wir gehört werden“

Die #Mission2038 hat junge Lausitzer*innen und ihre Ideen für die Zukunft mit dem Strukturwandel zusammengebracht.

Helene (l.) und Lydia (r.) haben eine Vision, wie die Lausitz und speziell Hoyerswerda sich besser aufstellen kann. Sie formulieren, wie sie sich ein selbstverwaltetes Jugendzentrum vorstellen. Die Idee findet Anklang.
Helene (l.) und Lydia (r.) haben eine Vision, wie die Lausitz und speziell Hoyerswerda sich besser aufstellen kann. Sie formulieren, wie sie sich ein selbstverwaltetes Jugendzentrum vorstellen. Die Idee findet Anklang. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Langsam sind alle Stühle besetzt. Zum einen im Café Auszeit, zum anderen auf der Leinwand. In Hoyerswerda und den zugeschalteten Standorten Görlitz und Löbau kamen am vergangenen Sonnabend Jugendliche aus der Lausitz zusammen, um Ideen und Visionen zu greifbaren Projekten zu machen.

Unter dem Titel #Mission2038 hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung eingeladen. Der Aufruf lautet „Wir suchen deine Ideen für die Lausitz“. Ursprünglich sollte diese Jugendkonferenz, die sich mit dem Strukturwandel auseinandersetzt, schon im März stattfinden – zentral in Hoyerswerda. Daraus wurde nichts, und es musste umgedacht werden: Online-Konferenzen wurden veranstaltet, und nun folgte die dezentrale Zusammenkunft.

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Um kurz nach zehn Uhr begrüßen sich alle Standorte per Live-Übertragung. Der Ministerpräsident Michael Kretschmer richtet ein Grußwort an die Jugendlichen und weist auf die anstehenden Veränderungen in den nächsten Jahren hin. Der Kohleausstieg wirft seine langen Schatten voraus. Nun geht es darum, „das weiße Blatt mit Ideen zu füllen“, gibt er mit auf den Weg.

In einer offenen Runde werden nun Themen gesucht. Die Jugendlichen, die aus Hoyerswerda und der Umgebung sowie aus Senftenberg und sogar Cottbus kommen, bringen auf den Plan, was sie bewegt. Es werden Wünsche benannt: selbstgestaltete Jugendkultur, innovative Bepflanzungsmöglichkeiten, ein Jugendparlament, Vernetzung von Jugendgruppen, Rückkehrer-Initiativen, bessere Nahverkehrsanbindungen, berufliche Perspektiven vor Ort, Nachbarschaftshilfe.

In den kommenden Stunden befassen sich die Teilnehmer in losen Gruppen, je nach Interessenlage mit den gesammelten Themen, Es geht darum, welcher Istzustand herrscht und welches Ideal erreicht werden soll. Die Ideen werden greifbarer, wenn erstmal eine Zielstellung benannt ist.

Auf dem Balkon des Cafés befasst sich eine Gruppe mit dem Image der Region. Im Gespräch bilden sich Vor- und Nachteile ab, die notiert werden. Fehlende attraktive Arbeitsplätze stehen einer einmaligen Landschaft gegenüber. Jeder der Teilnehmer kann aus seinem eigenen Umfeld berichten. Die Eindrücke ähneln sich: nach der Schule geht es meist in andere Städte. Doch wie kann die Lausitz zu einem Ort werden, der Menschen anzieht?

Die Außensicht muss sich wandeln und Weggezogene sollten mehr gehört werden. Es entwickelt sich die Idee eines Imagefilms, der die ansprechenden Seiten zeigt und damit wirbt. Besonders Hoyerswerda hat seinem Wachstum und der damit verbundenen Größe vieles zu verdanken, was entgegen der Einwohnerzahlen erhalten geblieben ist.

Im Café haben sich an einem Tisch Jugendliche zusammengefunden, die über ein Jugendzentrum nachdenken – unter dem Motto „Von Jugendlichen für Jugendliche“. Die Geschwister Lydia und Laurens entwickeln mit Helene die Idee. Das Ziel: ein selbstverwaltetes Jugendzentrum. Randnotiz: „Leerstand nutzen“. Sie notieren verschiedene Vorteile. Der Jugend kann damit eine Stimme gegeben werden. Weiterbildungen können stattfinden. In ihrer Vision wird damit maßgeblich Eigenständigkeit gefördert. Kulturelle Projekte können unterstützt oder selbst organisiert werden. Es geht um nichts weniger, als die Einflussnahme auf die Zukunft der Stadt und damit eine Perspektive zu geben. Auch mögliche Probleme werden bedacht. Es beginnt bei der Räumlichkeit, Miete und Öffnungszeiten und endet bei der Unterstützung. Träger, Verein, Initiative?

In der Abschlusspräsentation zeigen sich wieder alle Standorte. Die ausgearbeiteten Ideen reichen von VR-Brillen, Programmierung über eine Kunstgalerie, digitale und finanzielle Bildung bis zum Skatepark. Auch geht es oft um Treffpunkte, und Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine Rolle. Die Vorstellungen sind im Laufe des Tages gewachsen und meist erstaunlich konkret geworden.

Laurens stimmt der Tag optimistisch, „weil es so viele Ideen gibt, die die Lausitz verändern können“. Der Jugend wird eine Stimme gegeben, wie es auch in der Projektidee formuliert wurde. „Es ist wichtig, dass wir jungen Leute gehört werden.“ Der 17-Jährige wird vermutlich nach dem Schulabschluss die Region in Richtung Dresden oder Leipzig verlassen, aber sieht sich auch wieder hier, weil es diese Chancen und Möglichkeiten gibt. Durch Eigeninitiative lässt sich etwas ändern.

Es wird nicht nur über Teilhabe gesprochen, denn am Ende kann sich an jedem Standort nach einem Voting der Anwesenden eine Projektidee über 1.000 Euro Förderung und die weitere Unterstützung freuen. In Hoyerswerda ist es die Idee von Helene, Lydia und Laurens.

Notizen der Online-Konferenzen: https://padlet.com/mission2038/mission2038

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